meine Höhle in Soria 1982

Achava – Wir kommen wieder!

Mit dem Ruf „Achava“ (gesprochen átschawa) auf den Lippen sprangen die letzten Guanchen in den Tod. Angesichts der technischen Überlegenheit der Spanier, die mordend und plündernd über ihre „Inseln der Seeligen“ hergefallen waren, sahen sie keinen anderen Ausweg, um der drohenden Sklaverei zu entgehen. Doch Achava bedeutet nicht „Es ist alles vorbei“, sondern „Wir werden wiederkommen in einer besseren Zeit und an einem besseren Ort“. Dies geschah vor 500 Jahren, und damit endete die Geschichte eines bis heute vergessenen Volkes, der Guanchen. Viele von ihnen waren von großem Wuchs, blond und blauäugig. Das Geheimnis, woher sie kamen und seit wann sie auf den Kanarischen Inseln lebten, nahmen sie mit ins Grab. Ein halbes Jahrtausend später erreichte der Ruf eines magischen Ortes, hoch oben in den Bergen von Gran Canaria gelegen, die Seelen junger Menschen in Deutschland.

Bei dem Ort handelte es sich um ein kleines Bergdörfchen mit zwei Quellen, Terrassen und etlichen Wohnhöhlen und Häusern. Eigentlich sollte es längst nicht mehr existieren, denn ehrgeizige Planer und Techniker hatten einen Riesen-Staudamm mitten in die wilde, bizarre Bergwelt hineingebaut, und der entstehende Stausee sollte diesen Platz unter seinen Fluten begraben; doch nichts davon geschah. Es entstand zwar ein See, doch bis dort hinauf sollte er nie steigen, und der längst verlassene Ort eine ganz andere Bestimmung bekommen! Als der Protagonist meiner Geschichte dort landete, lebten schon seit einiger Zeit Aussteiger dort, die fast alle aus seiner Heimat stammten. Fast 20 Jahre lang blieb dieser Ort eine Art Aussteigerparadies, allerdings weniger für Möchtegern-Hippies, Schnorrer oder Drogensüchtige, als für Menschen aus allen Gesellschaftsschichten, jeder von einem anderen Schicksal dorthin getrieben. Das besondere Glück dieses Ortes war, dass er 5 Stunden Fußmarsch bergauf von der letzten Bushaltestelle entfernt lag. Es gab auch keine Kneipe und keinen Laden dort; die nächste Möglichkeit, etwas einzukaufen, war mit einer kleinen Bergtour verbunden, hinab ins Tal und auf der anderen Seite wieder bergauf. Das Leben dort war aufwendig und primitiv, ohne Strom und Licht, und obendrein fast ohne Frauen, doch gerade diese Nachteile schützten den Platz. Wer dorthin kam und bleiben wollte, musste schon einen echten Grund dazu haben! Dieser autobiographischer Roman handelt von außergewöhnlichen Menschen, welche dort lebten.

meine ehemalige Höhle mit Töchtern Momo und Yaiza  1999

Es gab dort

  • den ehemaligen Computerfachmann Horst M., der die Freiheit über alles liebte und bereit war, für sie alles zu opfern,
  • den Indien-Freak Krishnananda, der ein sexuell enthaltsames Leben führen wollte,
  • den Poker-Willy, welcher in Deutschland nur vom Kartenspielen gelebt hatte,
  • den Oberamtmann Thomas, der nach 15 Jahren als Beamter seinen Job an den Nagel hängte,
  • den Fahrlehrer Jupp, der in einer einzigen Nacht alle seine 6 Fahrschulen verscherbelt hatte,
  • den Violinspieler Thorsten, dessen Eltern sich einfach aus dem Staub gemacht hatten und der lange im Waisenhaus lebte,
  • die Marianne, die dort mit 19 Jahren ohne ärztliche Hilfe ein Kind gebar,
  • den „alten Fritz“, der zu langsam für die Arbeitswelt in Deutschland war,
  • den verrückten Friedrich, den sie sogar aus der DDR ausgewiesen hatten,
  • den Franziskus aus Kreuzberg, der klassische Musikstücke für seine Blockflöte umschrieb und auswendig spielte,
  • und natürlich den „Häuptling“ Christoph, der mit enormer Energie, „seinen Indianer- stamm“ zusammenzuhalten versuchte.

auf dem Markt mit 1. Frau Helga und Momo

Die hier Erwähnten sind aber nur ein kleiner Teil der Menschen, welche dort den vielleicht wichtigsten Teil ihres Lebens verbrachten, indem sie einmal wirklich genau das ausprobieren konnten, von dem sie immer schon geträumt hatten: Rein und bewusst zu leben, ohne die Manipulation der Massenmedien und der Werbung und auch ohne die ganzen technischen Errungenschaften der „modernen Welt“, welche das Leben nur scheinbar einfacher machen, in Wirklichkeit uns aber von unseren Wurzeln entfremden. „Wir als Bestandteil der Natur und nicht als ihr Beherrscher und Zerstörer, wir als „edler Guanchen-Stamm“, in dem nicht Konkurrenz, Geld und Intrigen regieren, sondern Menschlichkeit und Gemeinsamkeit!“ Welch edler Traum, welch hohes Ziel! Oder waren es nur die Hirngespinste und wirren Träume einer kleinen Minderheit? Es war beides, und gerade davon lebte dieser Ort! Doch dieses Buch erzählt nicht nur von den Deutschen, sondern auch von der kanarischen Bevölkerung, die diesem seltsamen Treiben mit Erstaunen und Unverständnis begegnen musste; denn wer von uns hätte ihnen wirklich erklären können, warum wir so verschieden von den deutschen „Horden“ waren, welche jedes Jahr durch die Touristenzentren zogen. Ich würde mich freuen, wenn dieses Buch zu einem besseren Verständnis dieser zwei dort aufeinander treffenden Welten führt, der traditionellen der Canarios und die der alternativen Szene meines Heimatlandes. Den Ort gibt es heute noch, doch es hat sich vieles verändert. Er ist an die Einheimischen zurückgefallen; die Episode der Deutschen dort ist Geschichte geworden. Doch diese Geschichte ist mir sehr wichtig und ich möchte mit diesem Buch verhindern, dass sie, wie vieles andere Schöne und Interessante der heutigen Zeit auch, in den Abgrund des Vergessens fällt. Und genau deshalb ist dieses Buch entstanden!


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