Assam

Markus aus Kaiserslautern

Von all den jungen Menschen, die ich im Swiss-Cottage kennen lernte, ist mir außer Gotthold nur noch Markus in Erinnerung geblieben, denn auch seine Geschichte zählt für mich zu meinen „magischen Indien -Geschichten“, Ereignissen, die mit dem logischen Verstand nicht erklärbar sind.

Markus, ein schlaksiger junger Mann mit strähnigen, langen Haaren, hatte von uns allen am wenigsten Gepäck dabei, wenn man einmal von seiner Gitarre und dem dazugehörigen Koffer absah; doch diese war ihm wichtiger als ein warmer Pullover oder gar eine Wetterjacke. Wenn er nun hätte Gitarre spielen können, wäre es ja noch verständlich gewesen, doch er war darin ein blutiger Laie.

„Markus, wie bist du denn darauf gekommen, eine Gitarre bis nach Indien  mitzuschleppen?“

„Weil ich immer schon dieses Instrument spielen wollte, bis jetzt aber noch keine Zeit gefunden hatte, es zu lernen. Ich bin mir ganz sicher, dass dies hier in Indien geschehen wird“

Jeder schüttelte nur den Kopf. Markus übte zwar jeden Tag, aber es klang einfach schauderhaft. Er bekam es gar nicht richtig mit, wie verstimmt seine Gitarre war und wenn, stimmen konnte er sie auch nicht. Hin und wieder fand sich eine mitfühlende Seele und tat dies für ihn, doch nach einem Tag klang sie wieder wie vorher. Die Temperatur in Rishikesh schwankte um 25 Grad zwischen Tag und Nacht, von 10 Grad in den frühen Morgenstunden bis 35 Grad, wenn die Sonne am höchsten stand, echtes kontinentales Klima eben. Außerdem wurde es in der Nacht feucht, und so war es kein Wunder, dass sich Markus’ Gitarre dauernd verstimmte. Doch das war nicht das einzige Manko; Markus fehlte ganz einfach das Talent, dieses Instrument autodidaktisch zu lernen. Er hätte einen guten Lehrer gebraucht und einen Gitarrenkurs, um überhaupt Fortschritte zu machen. Wenn er zu spielen versuchte, klang es, als wenn ein Kleinkind einfach irgendwie in sein Spielzeug­instrument hineindrischt. Sobald er zu „üben“ begann, ergriffen alle die Flucht, doch Markus ließ sich nicht beirren, selbst beißender Spott prallte an ihm ab.

Ansonsten war wenig von ihm zu sehen und hören; er war ein sehr introvertierter Mensch, der sich am liebsten mit sich selbst beschäftigte. Er war mit 19 Jahren unser Jüngster, und wir fragten uns oft, was ihn zu dieser Reise bewogen hatte. Eines Abends war er gesprächiger als sonst und antwortete auf unsere Fragen:

„Ich bin im Jugendknast gewesen, wegen Drogen. Schon in der Schule habe ich Haschisch geraucht und irgendwann einmal einen größeren Deal machen wollen. Sie haben mich prompt erwischt, und weil es 200 Gramm waren, musste ich in den Bau. Dort habe ich einige Bücher über Indien und seine spirituellen Meister gelesen und beschlossen, nach meiner Freilassung dorthin zu fahren. Und das habe ich dann auch tatsächlich getan, obwohl ich so gut wie kein Geld hatte, aber das war mir egal. Der Swami hat mich aufgenommen und ich habe letzte Woche meiner Mutter geschrieben und sie gebeten, mir Geld zu schicken, Geld und nicht ein Flugticket nach Hause. Bis jetzt hat sie noch nicht geantwortet.“

So blieb er drei Wochen und wartete. Da ganz plötzlich packte er mit folgenden Worten all seine Sachen zusammen:

„Ich gehe jetzt in den Himalaja, meinen Meister suchen. Ich möchte sein Schüler werden und so lange bei ihm bleiben, bis ich die Erleuchtung erlangt habe.“

Er brach tatsächlich auf. Es vergingen 14 Tage, ohne dass wir etwas von ihm hörten.

Da, eines Nachts, wir saßen noch um das erlöschende Feuer unserer Kochstelle, als ich plötzlich einen langen Schatten auf uns zukommen sah. Beim Näherkommen entpuppte es sich als ein ausgestreckter Arm und eine Gitarre. Es war Markus. Wir erkannten ihn fast nicht wieder. Sein Kopf war geschoren, bis auf eine Strähne am Hinterkopf, und er trug das orangene Gewand eines Gottessuchers.

Nun, ich muss dazu erklären, dass viele Inder so herumlaufen; der geschorene Kopf sagt aus, dass sie sich jeglicher weltlicher Genüsse enthalten, und die Strähne zeigt  der Seele, in der Stunde des Todes, wo sie den Körper verlassen soll. Es ist der gleiche Punkt, an dem sie bei der Zeugung eintritt, und es ist der Punkt am Hinterkopf, an dem bei einem Neugeborenen, die ersten Wochen nach der Geburt, der Schädel noch nicht ganz geschlossen ist.

Markus setzte sich ohne Gruß zu uns, nahm seine Gitarre in die Hand und begann zu spielen. Wir konnten es alle nicht fassen. Ein Virtuose gab uns ein Konzert. Er spielte alles, von Jimi Hendrix, klassische Musik bis hin zu spanischen Gitarrenstücken, und er schien völlig entrückt, wie in Trance, in einer anderen Welt. Sein Konzert dauerte die ganze Nacht, und es war unbeschreiblich schön und ergreifend. Erst bei Morgengrauen legte er seine Gitarre beiseite, und da brach ein Sturm von Fragen auf ihn ein.

„Ich habe euch doch gesagt, dass ich hier in Indien Gitarre spielen lernen werde. Keiner von euch hat mir geglaubt, doch ich wusste es.“

„Markus, was ist mit dir passiert? Erzähle uns genauer, wie du Gitarre spielen gelernt hast. Wenn wir dich nicht selbst hätten spielen hören, keiner von uns hätte es geglaubt.“

 Und da kam eine wunderliche Geschichte, die ihm keiner abgenommen hätte, wären wir nicht mit dem Ergebnis davon konfrontiert worden.

„Ich ging den Ganges entlang, schlug mich durch das Gebüsch, fand einen Weg und verlor ihn wieder. Am zweiten Tage sah ich bei der Abenddämmerung eine kleine Insel in der Mitte des Flusses. Am Ufer war ein guter Platz zum Nächtigen. Ich legte mich in meinen Schlafsack, doch ich konnte nicht schlafen. Der Vollmond kam hinter den Bergen hervor und erzeugte eine gespenstische Stimmung. Da hörte ich plötzlich eine Stimme, die mich aufforderte, mich nackt auszuziehen und zur Insel zur schwimmen. Ich tat dies. Das Wasser war nicht kalt, doch als ich an Land ging, begann ich zu frösteln. Jedoch, ich kümmerte mich nicht darum. Nackt und barfuss ging ich durch das Gestrüpp und landete an einer großen Höhle, vor der ein Yogi im Lotussitz saß und tief in Meditation versunken war.  Ein alter Mann mit langen schwarzen Haaren, nur mit einem Lendentuch bekleidet. Es war ein wundervoller Anblick, und ich fühlte mich so voller Glück und Frieden, wie nie zuvor in meinem Leben. Ganz ruhig setzte ich mich in seine Nähe und versuchte auch zu meditieren. Doch mir war kalt und meine Beine und besonders die Fußsohlen brannten von den Nesseln, die ich auf dem Weg hierher durchquert hatte.

Ich wurde unruhig und bewegte mich, da schlug der Yogi seine Augen auf und musterte mich unwillig. Plötzlich stand er auf, ging in seine Höhle. Ich wartete still und geduldig. Er setzte sich wieder schweigend an seinen Platz, schlug die Beine übereinander und schloss die Augen. Ich wusste nicht, was tun und blieb deshalb sitzen.

Nach einer Weile musste ich meine Sitzhaltung verändern, denn ich war es nicht gewohnt, still und ohne Bewegung längere Zeit zu verharren. Es raschelte dadurch und der alte Mann öffnete wieder seine Augen und sagte ganz plötzlich auf Englisch. ‚Go away’, und kehrte sofort wieder in den Zustand tiefer Meditation zurück

Doch ich war nicht gewillt, zu weichen. Ich dachte an mein Leben und die vielen schmerzlichen Erfahrungen, die ich schon hatte machen musste, wie oft ich schon dieses ‚Go away’ gehört und zu spüren bekommen hatte, und plötzlich überkam mich ein starker Gefühlsausbruch. Leise begann ich vor mich hinzuweinen. Als ich den Ruf, zu dieser Insel zu schwimmen, verspürte, war ich mir sicher, dass dort etwas ganz Entscheidendes für mein Leben geschehen würde, und jetzt wurde ich einfach nur weggeschickt. Ein tiefer Schmerz kroch über meine Seele.

Zum dritten Mal öffnete der seltsame Asket seine Augen, musterte mich, der ich, von tiefer  Trauer überwältigt, neben ihm saß.

„What do you want?”

Ich war völlig überrascht von dieser Frage.

„What do you want“, fragte er mich zum zweiten Mal, und ich schwieg immer noch. Sollte ich einen Wunsch äußern, wie im Märchen, wenn die berühmte Fee erscheint, oder was meinte er wirklich mit dieser Frage? Vielleicht war er einfach nur unwillig und fühlte sich durch mich gestört.

Da hörte ich ein drittes Mal diese Frage, diesmal mit Nachdruck und lauter Stimme. Ich überlegte ganz kurz und dann brach es aus mir heraus:

„Ich möchte Gitarre spielen können!“

„Schwimm zurück, dorthin, von wo du gekommen bist. Dein Wunsch sei dir erfüllt.“

Ich schwamm voller Ungeduld zurück, und siehe da, es stimmte. Ich konnte Gitarre spielen. Und deshalb bin ich noch einmal gekommen, um euch dies zu demonstrieren. Doch es ist das letzte Mal. Heute noch werde ich in die Berge aufbrechen und mir weit entfernt von jeder Zivilisation eine Höhle suchen und dort meditierend den Rest meines Lebens verbringen.“

Markus verließ uns tatsächlich noch am gleichen Tag, und wir sahen ihn nie wieder. Ob er wohl glücklich geworden ist?

 Die wundersame Geschichte von Markus griff in Freakkreisen wie ein Lauffeuer um sich. Hunderte liefen den Ganges stromaufwärts, auch ich, kämpften sich durch dichtes Gebüsch, verhedderten sich in Lianen, die sich an den Fußgelenken einschnitten, und zerrissen sich die Kleidung an den Dornen im Untergehöl; doch keiner fand die Insel und den heiligen Mann, durch den Markus’ sehnlichster Wunsch erfüllt worden war.

 

Das Kinderparadies

Um es gleich vorweg zu sagen: Wir Erwachsenen wurden in Auroville nicht glücklich, bis auf wenige Ausnahmen vielleicht. Es gab auch keine gemeinsame, verbindende Kraft, geschweige denn ein Ziel, höchstens ein paar Einzelkämpfer, die mit viel Elan und mit fast schon selbstmörderischen Einsatz Projekte zum Laufen brachten, wie die Farm mit ihren Kühen, die Werkstätten, die Druckerei usw. Doch es fehlte der Enthusiasmus, die Lebensfreude; das Leben hier hatte etwas Starres, Verbissenes, Todernstes an sich.

Die außergewöhnlich kreativen Kinder hier malten oft Bilder der Erwachsenen mit heruntergezogenen Mundwinkeln und sich selbst mit einem Lachen im Gesicht. Für sie war es hier wie im Paradies.

Da unter den Erwachsenen keine wirkliche Gemeinschaft und Einigkeit entstanden war, gab es auch kein richtiges Konzept zur Erziehung der Kinder, doch eine gewisse Sympathie für die antiautoritäre Erziehung nach A.S. Neill. Seine Bücher lagen als Leitfaden in allen Sprachen überall herum. Doch hatten die Kinder ihr Leben längst selbst in die Hand genommen; das was möglich war, da sie mehr als ein Drittel der Bevölkerung ausmachten. Es gab mehrere Kinderhäuser, die sie selbst verwalteten und in denen sie auch schliefen.

Die Kindergemeinschaft umfasste alle Kinder, so ab dem vierten Lebensjahr, wenn sie ihr Ich entdeckt hatten und von den Eltern weglaufen konnten, bis zur eintretenden Pubertät. Wie es mit dem Saubermachen und Aufräumen funktionierte, blieb mir stets ein Rätsel, doch irgendwie funktionierte es, und zwar von dem Moment an und solange sich die Erwachsenen nicht einmischten.

Doch was mich in der Kindergemeinschaft am meisten faszinierte, war, dass es keinen Diktator gab und auch niemanden, der ausgeschlossen wurde. Jedes Kind fand seinen Platz und Raum, sich so zu entwickeln, wie es seinen Fähigkeiten und Bedürfnissen entsprach.

Die wirklichen Probleme lagen auf  Seiten der Eltern, die oft schwer am Schlucken waren, besonders in der Abtrennungsphase, die schon extrem früh verlief. Kaum, dass sie laufen konnten, wurden die Kinder von der Kindergemeinschaft gelockt, dabei zu sein und bei ihnen mitzumachen; es gab eine Phase des Hin- und Hergerissenseins, die verschieden lang dauerte, doch am Ende liefen sie alle mit fliegenden Fahnen über. Wenn dieser Schritt geschehen war, wurde der Kontakt zu den Eltern auf ein Minimum zurückgeschraubt; oft ließen sie sich sogar tage- und wochenlang überhaupt nicht mehr sehen.

Am schwersten hatten es die Kinder von alleinerziehenden Müttern, die gerade nach Auroville gekommen waren. Ich erinnere mich an zwei Fälle von Jungen, einer neun, der andere elf Jahre alt. Der jüngere saß immer brav bei seiner Mutter und bewegte sich nur auf ihr Anweisung hin; fast schon wie ein Kleinkind hing er an ihrem Rockzipfel. Wochenlang war er hin- und hergerissen, quengelig und eigensinnig und machte seiner Mutter mit Extrawürsten das Leben schwer. Doch ganz plötzlich riss er sich zum Entsetzen der Mutter emotional von ihr los, schloss sich den anderen Kindern an und ging ihr demonstrativ völlig aus dem Weg; nicht einmal begrüßen und ein Küsschen wollte er ihr mehr geben. Sie reagierte mit länger anhaltenden Depressionen auf diese neue Situation, bis sie es dann doch akzeptieren konnte, weil sie sah, dass ihr Sohn sich in der neuen Umgebung gut entwickelte.

Der andere Fall war ein junger Franzose, elf Jahre alt und total auf seine Mutter fixiert. Er sah eigentlich schon fast wie ein Erwachsener aus, groß und stämmig wie er war. Doch von seiner Entwicklung her war er ein trotziger und völlig verwöhnter kleiner Bengel geblieben. Die ganze Zeit hing er bei seiner Mutter herum, verhielt sich ausgesprochen destruktiv und zerstörte immer wieder, wenn ihn einer seiner regelmäßigen Wutanfälle überkam, irgendwelche Gebrauchs­gegenstände. Auf ihre Versuche, ihn zurechtzuweisen, reagierte er flapsig und desinteressiert und auf die Annäherungs­versuche der anderen Kinder aggressiv und zurückweisend. Es sah tatsächlich so aus, als sei er schon zu alt, um sich noch in die Kindergesellschaft zu integrieren. Doch ganz plötzlich, als es schon keiner mehr erwartet hatte, verschwand er von der Seite seiner Mutter und tauchte bei Seinesgleichen unter. Es vergingen Monate, ohne dass er auch nur ein einziges Mal wieder bei ihr aufgetaucht wäre, geschweige denn ein Wort mit ihr geredet hätte.

Ihr ging es gar nicht gut mit der neuen Situation; sie kränkelte vor sich hin, sah schlecht aus, fand auch keine Beschäftigung, die sie befriedigt hätte und keine Freundinnen unter den anderen Frauen. Sie hatte sehr schnell den Ruf überempfindlich, ja sogar mimosenhaft zu sein. Frustriert zog sie sich immer mehr zurück und litt still vor sich hin. Irgendwann wurde sie richtig krank und kam schließlich in eine Klinik nach Madras.

Als die Frauen, die sie dorthin begleitet hatten, zurückkamen, hörte ich das Gespräch, welches sie mit ihrem Sohn führten.

„Deine Mutter ist schwer krank. Ihre Nieren funktionieren nicht mehr richtig Möglicherweise wird sie bald sterben. Sie fragt oft nach dir und hofft, dass du sie bald besuchst.“

Da blickte er widerwillig auf und es platzte regelrecht aus ihm heraus:

„Nein, ich werde sie nicht besuchen.“

Dann lief er davon und spielte mit den anderen Kindern weiter.

Das hört sich erst einmal schrecklich an; doch ich frage mich, was läuft denn da bei der Erziehung zwischen Eltern und Kindern falsch, dass es zu so einer harten Reaktion kommt.

Natürlich war es nicht in allen Fällen so extrem; doch dass die Kinder Distanz zu ihren eigenen Eltern suchten, war ein Phänomen, das ich hier überall beobachtete.

Doch das heißt nicht, dass sie von Erwachsenen überhaupt nichts wissen wollten. Im Gegenteil es geschah etwas für mich Erstaunliches. Sie suchten sich ihre Bezugsperson, die so gut wie nie mit den leiblichen Eltern identisch war, selbst aus.

Da gab es zum Beispiel den dicken Mike aus den USA, der die Statur und das Aussehen eines Bären hatte. Ihn liebten alle Kinder, und seine einzige Funktion in Aspiration bestand darin, mit ihnen herum­zuraufen, alles mögliche zu bauen und zu reparieren. Er war geduldig und immer zu Späßen aufgelegt. Oft hingen 10–15 Kinder aller Altersgruppen und Nationen an ihm dran und machten ihn zu einem der ihrigen. Doch die Mehrheit suchte sich nur eine Bezugsperson, die sie spontan aufsuchten, um ihr Herz auszuschütten oder einfach nur, um ein paar Streicheleinheiten zu bekom­men.

Völlig ohne uns wäre es sicherlich anders abgelaufen. So kam es, dass ich mich bald als Bestand­teil eines lebenden Schutzschildes fühlte, unter dem eine ganz neue Generation heranwuchs. Wenn schon nicht wir, dann sollten doch wenig­stens die nachfolgenden jungen Menschen die Welt verändern, denn dass unser Zusammenleben nicht so sein muss, wie es in der westlichen Welt war, das wurde mir hier in aller Deutlichkeit bewusst.

Sie ist möglich, eine Gesellschaft des Miteinander, die keinen ausschließt und keinen auf den Schild eines Gottkönigs erhebt, dem sich alle anderen unterwerfen müssen!

 Zwei Szenen habe ich noch besonders gut in Erinnerung.

Kurz vor Weihnachten wurden 30 fabrikneue Fahrräder angeliefert, ein Geschenk aus den USA. Die Erwachsenen begannen sofort die Organisation in die Hand zu nehmen.

„Es wäre ja auch zu schade, würden sie in kürzester Zeit zu Schrott gefahren; und gewartet werden müssten sie ja auch regelmäßig.“

So denken eben Erwachsene, aber trotz guten Willens funktionierte es nicht. Irgendwann warf der­jenige, welcher diese Aufgabe übernommen hatte, entnervt alles hin, in dem festen Glauben, dass Kinder eben kein Verhältnis zur Pflege von Geschenken hätten. Und da geschah etwas Unglaub­liches. Die Kinder nahmen die Aufsicht über die Räder selbst in die Hand, und es funktionierte. Alle Räder fuhren und waren stets in Gebrauch. Mit der Hilfe der älteren Jugendlichen wurden sie, wenn nötig,  repariert und instand gehalten. Ich konnte es nicht glauben, dass Kinder in dieser Art und Weise in der Lage wären, Verantwortung zu übernehmen; doch es war so und ich habe es mit eigenen Augen gesehen.

 Jeden Tag fuhr einmal der Aurovillebus alle Siedlungen an. Es war die einzige Möglichkeit, ohne eigenes Fahrzeug von und nach Auroville zu kommen, von den „touristischen Rundfahrten“ einmal abgesehen.

Eines Tages entstieg ihm ein junger Mann, Ende Zwanzig, den ich nicht kannte. Er war noch dabei, sich zu orientieren, als plötzlich ein vielleicht 10 Jahre alter Junge mit einem Schrei auf ihn zustürzte, ihn umarmte, herzte und immer wieder seinen Namen rief. Beiden standen Freudentränen in den Augen. Als ich beim Mittagsgesessen den jungen Mann in der „Dining Hall“ sitzen sah, setzte ich mich neben ihn, und er erzählte mir, was geschehen war.

„Vor vier Jahren lebte ich ein halbes Jahr hier. Dieser Junge wählte mich zu seiner Bezugsperson; er kam oft zu mir, erzählte mir von sich und ich half ihm, ein wenig Deutsch lesen und schreiben zu lernen. Als ich wieder wegfuhr, wünschte er mir noch alles Gute. Ich hatte ihn fast vergessen und war wie von den Socken, dass er mich nach der langen Zeit auf Anhieb wiedererkannte und mich so freudig begrüßte. Es war echt das schönste Erlebnis, das ich mir hätte vorstellen können.“

Es gab natürlich auch Erwachsene, die nicht ausgewählt wurden. Es schmerzte mich, dass ich zu diesen zählte. Vielleicht lag es auch daran, dass ich mir beim besten Willen nicht vorstellen konnte, je Vater zu werden. In Auroville entwickelte ich zum ersten Mal in meinem Leben positive Gefühle für Kinder und nicht nur das; ich bewunderte sie sogar und wünschte mir insgeheim, ich wäre hier und nicht bei meiner Großmutter in Deutschland aufgewachsen.

Ein weiteres Phänomen war die Fähigkeit, Sprachen in kürzester  Zeit zu lernen und auch sofort anzuwenden. Englisch war völlig normal; soweit das Kind zur französischen oder bengalischen (Aurobindo war Bengale) Volksgruppe gehörte, die je 30% der Bewohner ausmachten, kam noch  mindestens eine Sprache dazu; soweit es eine andere Nationalität hatte, eine weitere Sprache und Tamil, was hier in der Region gesprochen wird, lernten sie sowieso durch die Begegnung mit einheimischen Kindern. Das heißt, sie sprachen mindestens vier bis fünf Sprachen. Doch das Faszi­nierendste war, wie das ablief, nämlich wie der Wechsel des Radioprogramms. Da stand ein Kind in einer Menge mit anderen Kindern und erfasste in Sekundenschnelle, in welcher Sprache es sich mit dem Nachbarskind unterhalten musste, um sofort verstanden zu werden. Das sah dann so aus, dass es nach rechts Englisch, nach links Bengal, zwei Schritte weiter Französisch und auf dem Rückweg mit einem anderen Kind Tamil sprach. Einfach genial und kaum zu glauben.

Die Kinder waren den ganzen Tag unterwegs, Stubenhocker gab es keine, und sie entwickelten besonders ihre künstlerische, musische und kreative Seite. Musik machten sie auf allem, was herum­lag; ab einem bestimmten Alter bekamen sie große Lust, wirklich ein Instrument spielen zu lernen. Bilder malen und basteln taten ebenfalls alle; doch was völlig neu für mich war, sie spielten eine Art Spontantheater, und das zu allen möglichen und unmöglichen Anlässen. Einmal stellten sich drei Kinder vor mich hin und spielten mich, so wie sie mich sahen und wahrnahmen. Ich wusste gar nicht, wie damit umgehen; wollten sie mich verarschen, oder war es einfach nur Spaß und Gaudi? Es war natürlich das Letztere.

Es war wirklich faszinierend zu sehen, was die Kinder für Ideen hatten, und wie sie diese in Form von Darbietungen umsetzten. Und das allerbeste: Ich habe es nicht ein einziges Mal erlebt, dass ein Kind Erwachsene mit Sätzen wie „Ich weiß nicht, was ich tun soll“ und „Mir ist so langweilig“ nervte.

 Leider fanden nicht alle das Verhalten der Kinder so toll, besonders die Inder, egal ob Tamilen oder Nordinder, hatten große Probleme damit. Sie regten sich darüber auf, wenn bengalische Kinder mit Tamilen spielten; die letzteren sind ja Nachkommen der Ureinwohner und damit in ihren Augen „weniger wert“, bzw. gehörten einer anderen Kaste an. Auch über den intensiven Kontakt mit europäischen und ameri­kanischen Kindern waren sie alles andere als glücklich. Sie  fürchteten, dass ihre eigenen Nachkommen durch diese Einflüsse ihrer Kultur entfremdet und damit verdorben würden.

Und das Allerschlimmste: In der Mitte der Siedlung befand sich ein Weiher, und dort tollten alle Kinder, egal ob weiß und schwarz, nackt herum – eine Katastrophe für die so prüden Inder. Und an dieser Schamlosigkeit hatten nur die Westler schuld.

Da stellte sich natürlich die Frage, wie die Heranwachsenden reagierten, wenn sie in die Pubertät kamen. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen und kann es deshalb bezeugen. In dieser Phase wurden sie einerseits schamhafter, andrerseits bandelten sie außergewöhnlich früh mit dem anderen Geschlecht an, und sie wechselten kaum ihren einmal gewählten Partner. Paare, bei denen er 16 und sie gerade 14 – 15 Jahre zählte, waren der Normalfall, und auch die verschiedenen Nationalitäten und Hautfarben waren kein Hinderungsgrund für eine Liebesbeziehung.

Auf  Frauen aus dem Westen übte die Kindergesellschaft einen ungewöhnlichen Reiz aus. Allein schon die Kunde davon, dass in Auroville, in Südindien, eine solche existierte, zog Schwangere aus aller Welt an, und es geschah etwas für mich Unfassbares. Es gab etliche, die ihr Kind nicht nur in der Mütterklinik gebaren, sondern daließen, das heißt, indem sie das Neugeborene den Frauen von Aspiration zur Pflege übergaben und den Rückweg alleine antraten. Die Säuglinge wuchsen zu Klein­kindern heran, und wenn sie soweit waren, integrierten sie sich problemlos in die Kindergesellschaft.

 

Papa Genet

Die in meinen Augen ungewöhnlichste Figur in Auroville war sicherlich Papa Genet, ein Franzose aus Straßburg, 64 Jahre alt. Sein fröhliches Wesen und seine Lebensphilosophie wirken bis auf den heutigen Tag weiter; er ist für mich zum Vorbild geworden. Damals war er außerdem noch eine Art männliche Bezugsperson für mich, der ich ja ohne Vater­­ aufgewachsen bin

Stets war er gut aufgelegt und voller Witze, aber auf eine schöne aufbauende Art. Das allgemeine Leiden der hier grassierenden Beziehungslosigkeit (zum anderen Geschlecht) dokumentierte er auf seine für ihn so typische Art:

am Ganges

„Better a black girl in the bed than a white one on the bycicle.”

Er meinte dies ganz und gar nicht diskriminierend, sondern wollte damit sagen, dass wir Weiße große Probleme mit Liebesbeziehungen haben im Gegensatz zu den Schwarzen, die sich nicht so sehr wie wir Weißen vom Kopf steuern lassen. Leider waren sie in Auroville überhaupt nicht vertre­te. Doch Papa Genet wusste wahrlich, wovon er sprach.

Er lebte, genau wie ich, in Aspiration, der größten Siedlung Aurovilles; von Anfang an war er mir mit seiner lockeren und witzigen Art sympathisch und so suchte ich sehr bald seine Nähe.

”Weißt du, ich habe soviel in meinem Leben erlebt. Mich kann so leicht nichts mehr erschüt­tern. Von meinem Jahrgang her war ich gerade reif genug für den ersten und gerade noch jung genug für den zweiten Weltkrieg, doch ich war einfach nicht da, als sie mich holen wollten.

Straßburg hat im Laufe der Geschichte mal zu Deutschland, mal zu Frankreich gehört und so sah ich erst einmal keinen Grund, für meine Heimat, für welche denn auch, zu kämpfen. Doch dies war nicht der einzige Grund, dass ich mich rechtzeitig aus dem Staub machte. Krieg allein schon ist mir ein Gräuel, und ich sehe auch nicht, was all die Kriege in der Geschichte gebracht haben sollen. Wirklich geändert hat sich nur dann etwas, wenn die Menschen von ihrem Bewusstsein her dazu bereit waren.

Es war auch ganz einfach, das Land zu verlassen, und ich wunderte mich nur, dass es nicht Hundert­tausende, wenn nicht sogar Millionen, genau so gemacht haben wie ich. Wenn der Einbe­rufungs­bescheid kam, war es natürlich zu spät. Doch fiel der Krieg nicht gerade vom Himmel; er war vor­her­sehbar, soweit man bereit war, Augen und Ohren offen zu halten. Ich bin einfach über die grüne Grenze gegangen, bevor es soweit war, und kein Mensch hat mich daran gehindert

Das erste Mal bin ich in Afrika und das zweite Mal in Südamerika gelandet; eine tolle Erfahrung, das kann ich dir nur sagen, tausend Mal mehr wert, als sich sinnlos die Köpfe einzuschlagen!

Die wenigen Freunde, welche davon wussten, hatten mich eindrücklich davor gewarnt, meine Heimat zu verlassen:

‚Du wirst Frankreich nie wieder sehen und als geächteter Mann weit weg ein armseliges Leben führen.’

Nichts davon stimmte. Es ging mir gut, zuhause und im Ausland, weil ich stets die Kunst verstand, aus allem das Beste zu machen und bei Gefahr wachsam wie ein Fuchs und mutig wie ein Löwe zu sein. Und das Schicksal hat mich dafür belohnt, dass ich meinen ganz eigenen Weg gegangen bin. Ich werde nicht im Altersheim, sondern in einer heimeligen, bequemen Palmblätterhütte mein Leben be­­enden.”

Nach einer Weile verspürte ich Lust, Französisch zu lernen, um auch mit den Franzosen reden zu können, die sich ja strikt weigerten, Englisch zu lernen,. Papa Genet bewahrte tatsächlich den besten Sprach­­kurs in seiner Hütte auf, den ich je gesehen hatte. Alles war auf Französisch ausgedrückt, selbst die Erklärungen, und die Lehrbücher mit vielen kleinen Geschichten aufgelockert. Und auch da erlebte ich Papa Genet wieder von seiner typischen Seite:

„Du willst Französisch lernen! Ich bin gerne bereit, dir dabei zu helfen, und dies auch regelmäßig. Sage mir, wann und wie oft du kommen willst, und ich werde mich darauf vorbereiten. Wie schnell und wie viel du lernen willst, bestimmst du selbst”

Tatsächlich war ich schon nach einem halben Jahr so weit, dass ich die Briefe an meine Mutter, die als Fremdsprachenkorrespondentin in Deutschland arbeitete, in Französisch zu schreiben begann, und sie in der Antwort meine Fehler korrigierte.

 Doch das war nicht alles; nicht nur, dass Papa Genet vielen Dingen des Alltags seinen ganz beson­deren Stempel aufdrückte, er machte mit einer für ihn typischen Tat  in ganz Auroville Geschichte.

Eines Tages besuchte er eine der beiden Elendssiedlungen auf dem Gelände von Auroville, um auf Brautschau zu gehen. Natürlich kündigte er dies nicht groß an, sondern ganz plötzlich wurden wir mit der Tatsache konfrontiert, dass in seiner Hütte eine junge, gerade 17 Jahre alt gewordene Tami­lin lebte. Er hatte sie tatsächlich gekauft und das für nur 50 Mark. Die Reaktion, besonders von den Frauen, war entsprechend:

„Dieser geile Bock, er sollte sich schämen in seinem Alter! Und dann noch so eine blutjunge Frau zu kaufen. Pervers ist das und widerspricht eindeutig den Vorstellungen von Auroville. Es wäre besser, er würde gehen.”

Doch Papa Genet ließ sich nicht beirren.

„Ich verstehe gar nicht, was die alle sich so aufregen. Glaubst du etwas wirklich, ich hätte sie gekauft, weil ich auf meine alten Tage noch so geil bin? Das ist doch lächerlich! Ich brauche jemand, der sich ein wenig um mich kümmert, die Bude sauber hält und natürlich, der um mich herum ist und mit dem ich mich unterhalten kann. Und dafür werde ich sie fürstlich belohnen.

Natürlich habe ich mir vorher Gedanken gemacht, nach welchen Kriterien ich mir so ein armes Ding aussuche. Ich bin in den Ort gegangen und habe mir die Mädchen angesehen, aber nicht unter dem Aspekt, wie sexy sie sind, sondern ob sie in der Lage sind, mit meiner Hilfe aus ihrem hoffnungs­losen Dasein auszubrechen. Wie ich ihr in die Augen sah, war mir sofort klar, dass sie die einzige ist, welche die Power hat, innerhalb kurzer Zeit Schreiben und Lesen zu lernen und mir eine ebenbürtige Partnerin zu sein. Ich werde sie in kurzer Zeit zu einer selbstbewussten Französin machen. Was habe ich alter Mann noch für Bedürfnisse an ein junges Ding wie sie? Ich werde bald sterben, vielleicht schon in ein bis zwei Jahren und dann stehen ihr alle Türen offen. Sie wird einen jungen attraktiven Franzosen finden und ein glückliches Leben führen. Ohne mich wären ihre Talente brach gelegen und sie im Elend und Armut früh verblüht.”

Es waren keine leeren Worte, die Papa Genet sprach. Tatsächlich war deutlich zu sehen, wie sie von Tag zu Tag unter seinen Fittichen aufblühte. Innerhalb kurzer Zeit begann sie Französisch zu sprechen und entwickelte ein Selbstbewusstsein, wie es unter den Tamilinen normalerweise nicht zu finden ist.

Nach eineinhalb Jahren Zusammensein flog er mit ihr nach Paris und zog seinen letzten Trumpf aus dem Ärmel. Was keiner wusste: Er hatte sich in den Jahren in Afrika und Südamerika eine beachtliche Figurensammlung aus Edelhölzern zugelegt und sie bei einem Notar hinterlegt. Das nächste, was ebenfalls keiner wusste, war, dass er in jungen Jahren geheiratet hatte; die Ehe hielt gerade einmal drei Monate. Doch da es keine weiteren Verwandten mehr gab, hätte dies ausgereicht, um seine Exfrau zur Alleinerbin zu machen. Doch Papa Genet war clever; er heiratete seine dunkel­häutige Schönheit und setzte sie per Testament als Alleinerbin ein. Damit war sie von einer recht­losen Tamilin ohne Zukunftsaussichten zur wohlhabenden Frau und guten Partie für jüngere Männer nach seinem Tod geworden.

Doch es gab noch einen anderen sehr ungewöhnlichen Franzosen in unserer Siedlung; den Schlan­gen­menschen Pierre.

Auroville liegt in einem der Hauptgebiete der indischen Königskobra. Diese Schlangen sind sehr menschenscheu und kommen im allgemeinen nur in der Nacht aus ihren Erdlöchern; doch wehe, man kreuzt dann ihren Weg. Die Kobras haben feste Brutplätze, die sie jedes Mal wieder aufsuchen, wenn sie Eier legen, und da das Gebiet von Auroville vorher leeres Land war, kommen sie dort sehr häufig vor.

Alle Siedlungen hatten sich Mungos angeschafft, hundeähnliche Tiere, welche in der Nacht einen gellenden Schrei loslassen und damit die Kobras abschrecken. Sie sind auch die Einzigen, welche sofort den Kampf aufnehmen, sobald sie eine von ihnen wahrnehmen.

Erst störten mich diese Schreie, doch als ich einige Kobrageschichten zu Ohren bekommen hatte, klangen die schrillen Rufe in meinen Ohren wie ‚Schalmeien’. Mit Kobras war nicht zu spaßen und schon gar nicht, wenn sie bereits Eier gelegt hatten und ihre Brut beschützten. Das wusste ich schon als Jugendlicher aus ‚Riki Tiki Tavi’, einem meiner damaligen Lieblingsbücher. Es handelte von einem englischen Jungen, der in Indien aufwuchs und dort eine Menge Abenteuer zu bestehen hatte, unter anderem auch mit einer Kobra, welche eines Abends sogar in seinem Bett lag,.

Die Einheimischen kannten die handtellergroßen Löcher, welche die Kobras in den Boden gruben und kaum, dass sie eines davon entdeckten, kamen sie aufgeregt zu Pierre gelaufen, um ihn zu holen. Er war nämlich Spezialist darin, Kobras lebend einzufangen, und deshalb war eines der ersten Dinge, welche er in Aspiration unternahm, ein Serpentarium anzulegen. Er suchte sich einen geeig­neten Platz aus, nicht allzu weit von der Siedlung entfernt, hob einen tiefen Graben drumherum aus, den er mit Wasser füllte und zäunte alles ein. Zu meiner Zeit hielt er 8 Schlangen darin, welche alle einen französischen Vornamen hatten. Schnell war Pierre mit seinen Schlangen eine der großen Touristenattraktionen in Auroville. Wenn eine solche Gruppe kam, schritt er stolz voran, stieg ohne zu zögern über den Zaun und rief seine Schlangen, welche sich im Sand eingegraben hatten.

„Francois, Michelle, Antoinette, wo seid ihr? Kommt doch mal, euren lieben Pierre begrüßen.”

Und tatsächlich kamen schon zwei, drei von diesen Biestern angekrochen. Direkt vor ihm stellten sie sich auf und züngelten angriffslustig. Doch Pierre zeigte keinerlei Angst, nein im Gegenteil, ging auf  die Erste zu, packte sie direkt unter dem Kopf und kraulte sie. Die Schlange öffnete ihren Rachen und der Giftzahn war deutlich zu sehen. Und das war wirklich ungewöhnlich; denn den Schlangen in anderen Serpentarien sind die Giftzähne normalerweise entfernt worden, doch nicht hier. Unser Pierre wusste sich Respekt bei ihnen zu verschaffen, und es ist auch nicht ein einziges Mal passiert, dass er gebissen wurde.

Einmal sah ich bei der Fütterung zu, und da wurde mir klar, warum. Er warf einige lebende Mäuse und Küken ins Gehege; sie hatten keine Chance, ihrem sicheren Tod zu entgehen. Denn beim ersten Anblick der Kobra erstarrten sie; es war, als wären sie hypnotisiert worden. Bewegungslos verharr­ten sie und machten auch keinen Fluchtversuch oder wenn, viel zu spät, wenn die Schlange schon vorschnellte und zubiss. Das Gift wirkte sehr schnell und verhinderte jeden Widerstand. Eine weitere Beschreibung, was dann geschah, erspare ich dem Leser lieber, nur soviel möchte ich sagen, es war ein grau­siger Anblick. Schlangen haben ja bekanntlich nur den Giftzahn, soweit sie einen solchen besitzen, und müssen deshalb ihre Opfer herunterschlingen; das Stunden kann dauern.

Es ist mir unverständlich, dass in der Natur eine so grausige Todesform vor­kommt.

Ich hatte auch einmal die Möglichkeit zuzuschauen, wie Pierre eine Kobra einfing. Aufgeregt mit den Händen fuchtelnd waren einige Tamilen zu ihm gekommen. Er holte sich Schaufel und Spaten und ging mit ihnen; ich folgte nach. Nach einer Weile zeigten sie auf ein Loch, seitlich am Weg, zweifel­los von einer Kobra gemacht. Pierre begann sofort zu graben. Es verging eine Weile, bis es aus dem Loch zu zischeln begann. Er stoppte sofort die Arbeit und wartete. Es dauerte nicht lange, bis sie herausschoss, das Vorderteil in drohender Haltung aufgerichtet und ihn, wild um sich züngelnd, anblickte. Pierre sah ihr direkt in die Augen. Plötzlich schnellte er vor, packte die Schlange mit der Linken direkt hinter dem Hals, knapp unter dem Kopf, und mit der Rechten am Schwanzende. So trug er sie zu seinem Serpentarium, von einem ganzen Tross Tamilen gefolgt. Für sie war er eine Art göttliches Wesen, denn es gab keinen in ihrer Sippe, der so etwas auch nur im Ansatz gewagt hätte.

Erstaunlicherweise sah er mit seinem Gesicht und seiner Kopfform einer Schlange verdammt ähnlich, und ich hatte den Eindruck, dass er sich, im Laufe der Zeit, nicht nur im Aussehen, sondern auch in seinen Bewegungen immer mehr einer Kobra anglich.

Rishikesh

Rosi, die Einsiedlerin

In Rishikesh wurden die wundersamsten Geschichten über eine junge Deutsche erzählt, die als Einsiedlerin hoch oben in den Bergen in einer Höhle lebte. Mein Entschluss war schnell gefasst: Diese Frau wollte ich unbedingt kennen lernen. Also, kurz mein Tagesgepäck zusammengestellt, und los ging es.

Der Berg, auf dem sie lebte, war leicht zu finden; doch dort ging es in endlosen leicht ansteigenden Serpentinen immer um den Berg herum. Nach der fünften Umrundung setzte ich mich hin und überlegte:

Eigentlich sieht es hier aus wie in den bayerischen oder österreichischen Alpen; dort würde ich  steil durch den Wald hindurch nach oben steigen und mir damit eine Menge Zeit ersparen. 

Gesagt, getan. Dass dies ein Fehler war, wurde mir schon sehr schnell bewusst. Ich war eben doch nicht in heimischen Gefilden. Das Unterholz war dichter, die Dornen messerscharf und die Lianen schlimmer als Fallstricke. Besonders die letzteren trieben mich schier zum Wahnsinn. Dauernd verhedderte ich mich, stürzte und kämpfte darum, mich von ihnen wieder zu befreien.

Nach kurzer Zeit blutete ich überall, und es juckte mich am ganzen Körper. Nein, das war wirklich keine gute Idee; lieber zurück und sich etwas mehr Zeit lassen. Doch wie? Hinter mir hatte sich das Buschwerk wieder dicht geschlossen. Da vorne war der Weg, oder doch etwas weiter da drüben?

Ich konnte es nicht fassen: Ich fand nicht mehr zurück. Schweißüberströmt kämpfte ich mich vorwärts. Da vorne wurde es tatsächlich lichter; doch dort angekommen, musste ich fest­stellen, dass es wegen einem Abgrund, den ich nie und nimmer hinabkommen würde, heller erschien. Außerdem sah ich auch dort unten keine Spur von einem Weg.

Also einfach weiter nach oben. Ich musste auf den Weg stoßen, denn schließlich ging er etliche Male rund um den Berg.

Doch was ich auch versuchte, ich kam einfach nicht durch, zumindest nicht dort, wo ich wollte, und ich musste immer wieder von meiner angepeilten Route abweichen.

Die Sonne sank immer tiefer und tiefer, und ich war hoffnungslos versackt in dieser grünen Hölle.

Schon nahte die Dämmerung, und ich wusste, dass sie nicht so langsam kommt, als wie in Deutsch­land. In Indien wird es schlagartig dunkel. Da setzte ich mich und betete zu Gott. Es war nicht einfach, ruhig zu werden, angesichts der Tatsache, eventuell hier die Nacht verbringen zu müssen. Aber es gelang mir schließlich doch. Ich ging nicht mehr, sondern ließ mich führen, und siehe da, wo ich es am wenigsten vermutet hätte, konnte ich ein Stück durch den Wald hinab­rutschen und…landete auf dem Weg. Die Nacht war herein gebrochen und ich hatte buchstäblich in letzter Minute zurückgefunden. Ich dankte Gott und lief voller Freude nach unten. Die Lichter Rishikeshs lagen weit unter mir, heilige Mantren – Gesänge ertönten von überall her; welch ein fantastischer Blick, welch göttlichen Töne.

Bald erreichte ich die Stadt und lief zügig weiter bis zum Swiss-Cottage.

„Wie siehst du denn aus?”

Mit diesen Worten empfing mich Gotthold. Der Swami eilte herbei, desinfizierte meine vielen Wunden; es brannte überall höllisch, und ich wahr froh, als alles überstanden war.

Ich sah mich in einem Spiegel an. Wahrlich, ich sah aus, als wäre ich gerade von einem Kriegs­einsatz zurückgekehrt. Und meine Kleidung: Zerrissen und völlig von harzigen Flüssigkeiten ver­klebt.

Nach diesem gerade noch gut ausgegangenen Abenteuer ruhte ich mich erst einmal drei Tage aus und pflegte meine Wunden. Das ist sehr wichtig in einem Land wie Indien. Denn es kann Monate dauern, bis eine Entzündung wieder abgeklungen ist.

 Doch es ließ mir einfach keine Ruhe. Am vierten Tag brach ich zum zweiten Mal auf.

Diesmal hielt ich mich brav an den Weg und erreichte so mein Ziel. Schon sehr weit oben war eine kleine Lichtung, an der eine kleine, steinerne Ganesha-Figur (elefantenköpfige, Hindhu- Gottheit) stand. Etwas versteckt, sah ich eine Höhle mit einem Vorhang als Eingang. Daneben war eine Ziege angebunden, die an den umliegenden Büschen fraß. Die Einsiedlerin hatte mich wohl erst in letzter Sekunde bemerkt und entschwand blitzschnell barfuss, ein Stück nach oben, wo sie offensichtlich eine kleines Gärtlein bebaute. Es ging alles so schnell, dass ich eigentlich nur ein großes Ziegenfell und zwei lange, schneeweiße Beine bemerkt hatte.

Gott sei Dank kursierte im Swiss-Cottage ein interessantes Buch, welches ein Schweizer Psycho­loge  über Eremiten und ihr Verhalten geschrieben hatte:

Menschen, die lange Zeit in der Einsamkeit gelebt hatten, legen keinen großen Wert auf Besuche und schon gar nicht von Wildfremden. Sie weichen erst einmal aus und warten ab, ob der Ankömmling auch Geduld mitgebracht hat. Wenn nicht, haben sie kein Interesse an einer neuen Bekanntschaft, denn wenn sie eines in unserer normalen Gesellschaft nicht vertragen können, dann ist es die Hektik und Ruhelosigkeit des ‚modernen Menschen.’

Deshalb war ich auch nicht überrascht über ihr Verhalten, sondern stufte es als völlig normal ein. Ich setzte mich erst einmal in gebührendem Abstand nieder und begann in meinem Hindi-Lehrbuch ein paar neue Worte einzuüben. Sie beobachte mich die ganze Zeit, auch wenn sie so tat, als hätte sie mich gar nicht bemerkt. Ich vermied es, ihr auf Schritt und Tritt mit meinen Augen zu folgen, denn ich wollte sie unbedingt kennen lernen. Durch ihre Ausstrahlung hatte sie mich längst in ihren Bann gezogen.

Ich machte mich auf eine längere Wartezeit gefasst,  als es plötzlich neben mir raschelte und sie mit einem Satz neben mir landete:

Mein Gott, die sah vielleicht aus! Sie war nur mit einem Ziegenfell bekleidet und trug die langen, schwarzen Haare, völlig verfilzt und mit einem Knoten nach oben gebunden, wie man es auf zahl­reichen Shivabildern sehen kann. Mir verschlug es regelrecht die Sprache. Ich empfand sie sehr weiblich und gleichzeitig wie ein neugieriges, aber doch scheues Reh. Sie rückte doch tatsächlich ganz nahe am mich heran und sagte auf deutsch:

„Darf ich deine Haare anfassen?”

Natürlich ließ ich es zu.

„Wie ich Deutschland als 19 jähriges Mädchen verließ, gab es dort noch keine jungen Männer mit langen Haaren.”

„Wann war denn das?”

„1961. Ich bin damals gleich zum Shivananda-Ashram. Vorher stand ich schon seit 2 Jahren im regelmäßigen Briefkontakt mit Swami Shivananda, und er hatte mich eingeladen, in sei­nem Ashram zu leben. Ich war seitdem nie wieder in Deutschland. Magst du mir ein wenig darüber erzählen; was dort geschehen ist, warum sich die Männer dort so verändert haben, und  warum jetzt so viele jungen Menschen nach Indien kommen?”

Ich begann zu berichten, und sie hing mit großem Interesse an meinen Lippen. Auf einmal fiel mir auf, dass ursprünglich ich sie ausfragen wollte, doch jetzt lief es genau anders herum. Da stoppte ich:

„Eigentlich wollte ich ja von dir etwas erfahren, über dein Leben, was du so denkst und warum du als Einsiedlerin lebst.”

„Da gibt es nicht soviel zu erzählen. Ich glaube eher, das du viel mehr erlebt hast als ich, die über 10 Jahre im Shivananda-Ashram war, wo jeder Tag, bis auf wenige Ausnahmen, gleich verlief. Und jetzt bin ich schon seit 6 Jahren auf diesem Berg, in dieser Höhle. Da gibt es eigentlich nicht viel zu berichten.”

„Was war der Grund, dass du so jung aus Deutschland weggegangen bist?”

„Ich war nie so wie andere junge Mädchen. Mich hat immer schon Indien und die Spiritualität interes­siert. Schon zuhause habe ich mit Yoga angefangen, irgendwann von Shivananda gehört und ihm dann von meinem Wunsch geschrieben, in Indien in einem Ashram zu leben. Er hat mich schließlich eingeladen, ich bin gekommen und gleich  da geblieben. Als er starb, bin ich hierher gezogen.”

„Und hast du diesen Schritt je bereut?”

„Anfangs hatte ich schon Zweifel, ob mein Schritt der richtige wäre, doch irgendwann gab es nichts anderes mehr als diese Art Leben, so wie ich es jetzt führe.”

„Wie lebst du denn? Was machst du den ganzen Tag?”

„Ich habe Sanskrit und Hindi im Ashram gelernt und eine Menge heiliger Schriften in meiner Höhle, die ich studiere. Dann habe ich eine Ziege, die mir Milch gibt und einen kleinen Garten, der mich 6 Monate im Jahr versorgt. Ansonsten bekomme ich hin und wieder Besuch von Männern, die in mir eine Heilige sehen und mir Spenden in Form von Materialien bringen. Und wenn ich mal nach unten gehe, bekomme ich alles, was ich brauche, umsonst. Ich habe schon seit Jahren kein Geld mehr in den Händen gehabt und glaube, dies ist auch besser so.”

„Hast du keine Angst, so allein, fernab von der Zivilisation?”

„Eigentlich nicht. Die Menschen hier sind nett, und keiner von ihnen würde mir etwas zuleide tun.”

Auf der einen Seite konnte ich ihr dies nicht so recht glauben, auf der anderen Seite war ich so fasziniert von dem, was sie mir erzählte, dass ich sie am liebsten gefragt hätte, ob es in ihrer Nähe noch eine andere Höhle gäbe, in die ich einziehen könnte.

Je länger sie in meiner Nähe saß, umso weniger konnte ich mir vorstellen, dass sie mit ihrer un­zweifelhaft verdammt erotischen Ausstrahlung noch nie einen Mann auf schlechte Gedanken gebracht hatte.

„Du bist sehr attraktiv und rennst obendrein fast nackt herum. Ist dir wirklich noch nie passiert, dass dir ein Mann schöne Augen gemacht hat.”

„Danke für dein Kompliment, doch die Männer hier haben Angst vor Nacktheit, und obendrein bin ich eine Gottgeweihte. Allerdings, so einfach kann ich hier auch nicht leben. Ich bekomme das Visum für Indien nur für ein Jahr und muss es jedes Mal in Delhi verlängern lassen. Das erste Mal bin ich, so wie ich jetzt aussehe, in den Zug gestiegen, ohne mir etwas dabei zu denken. Es war grauenhaft, alle Männer haben mich angestarrt und wollten mich dauernd betatschen. 

Das nächste Jahr bin ich einfach hier geblieben. Es vergingen drei Monate, dann kam ein kleiner Trupp von Soldaten, um mich mitzunehmen. Ich hatte furchtbare Angst, dass sie mir etwas antun würden. Gott sei Dank war der Chef ein spiritueller Mensch, der mich beschützt hat.

Seitdem leihe ich mir immer einen Sari in Rishikesh für die Fahrt aus und habe stets einen Begleiter dabei. Aber ich finde es echt lästig, immer diese Tour in die Hauptstadt, doch ohne Visum lassen sie mich nicht in Ruhe, auch hier nicht, so weit weg von der Zivilisation.”

Dies zu hören, gab mir wahrlich zu denken. Daran hatte ich noch gar nicht gedacht, dass ich nicht einfach in Indien bleiben könnte, sondern mich mit den dortigen Behörden herumschlagen müsste.

Aber sie fuhr schon fort mit ihrer Geschichte.

„Stelle dir bloß nicht vor, dass das Leben, welches ich hier oben führe, ein einfaches ist. Hier liegt drei Monate im Jahr Schnee. In dieser Zeit bin ich fast nur in meiner Höhle und lese, soweit ich nicht 15 – 16 Stunden am Tag schlafe. Draußen ist es eiskalt, und ich habe keine Heizung. Wenn ich Glück habe, kommt ein netter Mensch und bringt mir etwas zu essen; wenn nicht, muss ich mich mindestens einmal während des Winters auf den beschwerlichen Weg nach unten machen. Für den Hin- und Rückweg brauche ich dann drei Tage; übernachten kann ich in Rishikesh.”

Jetzt wollte ich es aber genau wissen.

”Wenn du die Wahl hättest, würdest du noch einmal das Gleiche tun?”

”Welch eine Frage! Es gibt für mich keine Wahl mehr zwischen zwei Dingen, so wie für dich. Deutschland ist für mich ein fernes exotisches Land geworden. Ich kann nicht mehr zurück, selbst wenn ich wollte. Dieser Berg, auf dem ich lebe, ist meine Heimat und gleichzeitig mein Schicksal. Ich werde auf ihm sterben, genauso wie ich jetzt auf ihm lebe.”

 Es war unterdessen Nachmittag geworden; sie machte mich darauf aufmerksam, dass ich auf­brechen müsste, wollte ich noch vor Anbruch der Dunkelheit wieder in Rishikesh sein. Am liebsten wäre ich ja hier geblieben, doch das konnte ich ihr wirklich nicht antun, so heilig wie sie schon war.

Ich kam gut zurück und träumte die ganze Nacht von ihr: Dass sie mit mir ausprobieren wollte, wie es ist, mit einem Mann mit langen Haaren herumzuschmusen. Am Ende wurde eine heiße Liebes­geschichte daraus und ich zu ihrem Mann, der sie in dieser Nacht entjungferte. Dann beschloss sie tatsächlich, mit mir mitzukommen, und nach einer gemeinsamen Reise durch Indien kehrten wir nach Deutschland zurück. Alle, besonders meine Mutter und meine Verwandten, waren vollends entsetzt, als sie mich mit der schönen Fremden, nur mit einem Ziegenfell bekleidet, sahen.

Oft habe ich daran gedacht, was wohl aus ihr geworden ist und ihr in Gedanken meine besten Wünsche geschickt.

Tatsächlich, 30 Jahre später, in der S-Bahn nach Freising, sehe ich eine offene Süddeutsche Zeitung liegen; mein Blick fällt auf das Bild einer alten Frau und ich zucke zusammen. „Rosi“, kommt es mir sofort in den Kopf; sie ist es tatsächlich, und es steht ein ganzseitiger Artikel auf Seite drei über sie darin.

Sie lebt nicht mehr in ihrer Höhle, sondern ist nach unten  in ein Nachbardorf gezogen, hat von reichen Verehrern ein Häuschen geschenkt bekommen und etliche Jüngerinnen um sich geschart, die sie versorgen und für die sie eine spirituelle Lehrerin geworden ist.


Bei Wer kennt wen teilen
18
 Leseprobe Erleuchtung Deinen Freunden im VZ zeigen.
32
 Leseprobe Erleuchtung Deinen Freunden auf MySpace zeigen.
20
Delicious
20
0
Leseprobe Erleuchtung - Auf Twitter teilen.
Leseprobe Erleuchtung - auf LinkedIN teilen
17
Leseprobe Erleuchtung - Auf Google Plus teilen.
25
 Leseprobe Erleuchtung Ihren Kontakten auf Xing zeigen.
17


Sei der erste, dem das gefällt