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Die Aktion nimmt Gestalt an

Unser erstes Reiseziel war die Stadt Nafplio auf der Peloponnes-Halbinsel, am Meer gelegen, ein beliebtes Touristenziel, 20 000 Einwohner, mit 3 Festungen, die erste Hauptstadt Griechenlands nach der Unabhängigkeit 1828. Nach einigen Tagen, in denen wir schöne Erlebnisse mit griechischer Gastfreundschaft und Herzlichkeit hatten, gingen wir zur Touristen-Information im Rathaus, erklärten dem hilfsbereiten Angestellten auf Englisch unser Anliegen; dieser vermittelte uns weiter zur Sekretärin des Bürgermeisters, welche umgehend den Öffentlichkeits-Beauftragten, Herrn Danos, herbeitelefonierte. Dieser spricht gut Deutsch, las sich unsere Erklärung durch; sein erster Kommentar: „Sie brauchen sich nicht zu schämen, sie können nichts dafür. - Aber das ist eine sehr gute Aktion.“

Wir wollten das Geld einer politisch unabhängigen Organisation geben; er wusste eine kleine, aus privater Initiative 2008 gegründete Hilfseinrichtung, eine Art „Tafel“ wie bei uns, die Lebensmittel an bedürftige Familien ausgibt. Die Lebensmittel sind von Privatpersonen gespendet. Die Arbeit wird von Ehrenamtlichen geleistet. Öffentliche Gelder gibt es keine. Die 2 Räume, ein Gruppenraum und ein Vorratsraum, sind ein ehemaliger Kindergarten. Viele Familien sind im Zuge der Krise verarmt. Normalerweise müssen alle Mitglieder durch Arbeit zum Lebensunterhalt beitragen: Ein Monatslohn beträgt Lohn 450 – 700 €, Lebensmittel, Kleidung, Geräte, Technik kosten jedoch etwa das Gleiche wie bei uns, manches ist auch teurer, z.B. Milch. Im Zuge der Finanzkrise haben viele ihre Arbeit verloren bzw. ihr kleiner Familienbetrieb ging ein; andere warten seit Monaten auf ihre Löhne, die Firma kann nicht zahlen, sie gehen trotzdem weiter zur Arbeit. Es gibt praktisch keine Arbeitslosenunterstützung oder Sozialhilfe wie bei uns. Vor allem Familien mit Kindern werden durch diese Tafel-Einrichtung ein wenig unterstützt. Manche Teenager rebellieren; sie schämen sich, dass die Mütter dort Lebensmittel holen müssen. Die Einrichtung heißt Pili Politismo, d.h. „Tor zur Kultur“ (Politismó heißt Kultur), weil zu Beginn Lehrerinnen ehrenamtlich musische Kurse für Kinder armer Familien gaben, Singen, Tanzen, Basteln, Malen etc. Erst später kam dann die Lebensmittelhilfe hinzu. Die Kurse gibt es weiterhin. Wir wollten die Übergabe unter Dokumentation durch Medien vollziehen, um eine breite Signalwirkung, dann auch in Deutschland, zu erzielen. Herr Danos verständigte einige TV-Sender und Zeitungen. Einige Tage verbrachten wir in Galatas, nahe der Insel Poros, hatten erholsame Tage, nette Begegnungen und gute Gespräche. Zum vereinbarten Termin, Dienstag 17. März, waren wir wieder in Nafplio. Es klappte alles wie vereinbart. Zuerst ein Empfang beim Bürgermeister, Herr Danos übersetzte. Dann zu der Hilfseinrichtung: Pressekonferenz, Übergabe des Betrages, Erklärung von uns, Dank und Erklärung der beiden anwesenden ehrenamtlichen Damen, über die Verwendung.

Den Nachmittag gingen wir spazieren. Für den Abend waren wir mit den beiden Ehrenamtlichen, Frau Voula und Frau Christina, zu einem kleinen Drink verabredet. Daraus wurde ein großer Abend. Die beiden brachten 2 Freundinnen, auch Ehrenamtliche, mit. Sie erzählten mit leuchtenden Augen, dass Anfragen von Deutschen kamen, die spenden wollen; die Aktion war noch am selben Nachmittag in „Spiegel Online“ erschienen; es kamen noch mal Pressevertreter, es wurde gefilmt und interviewt; alle bedankten sich: der Wirt tischte als Geschenk Speisen aller Art auf; Leute vom Nebentisch spendierten Wein. Der Bürgermeister, ein freundlicher junger Mann, kam am Ende auch noch dazu. 2 Handys läuteten fast gleichzeitig, es war für uns, (unsere Mobilnr. war noch nicht bekannt), es war eine Frau vom ZDF in Griechenland sowie ein Assistent von Günther Jauch.

Auch das ARD meldete sich; zwei junge Männer aus Leipzig, die gerade zufällig in Nafplio weilten, verabredeten sich mit uns; sie filmten anderntags mit uns einen Beitrag für das MDR; ebenso die ZDF-Journalistin aus Athen mit ihrem Kamera-Team sowie weitere Reporter von griechischen Zeitungen und TV-Stationen nationaler Ebene. Wir wurden in einem guten Hotel untergebracht, von dessen Inhabern eingeladen, die durch unsere Aktion ebenfalls tief bewegt waren. Im Laufe des übernächsten Tages – 19. März – riefen BBC London und die Washington Post für Telefon-Interviews an. Wir hätten uns nun wohl den ganzen Tag weiter mit den Medien im Internet befassen können, was wir auch als wichtig für die Aktion ansehen, andererseits wollten wir uns auch nicht zerreißen, sondern in unserer Mitte und „auf dem Teppich“ bleiben. So reagierten wir hauptsächlich auf Anrufe auf unserem Mobilphon.

Am nächsten Tag nachmittags waren wir in der Uni von Nafplio verabredet; so blieb uns wenigsten der Vormittag, um die fantastische Burganlage „Palamidi“ zu besichtigen. Und schon wieder läutete unser Handy; eine Menge Studenten würden schon auf uns warten. Christina würde uns abholen. An einem Kiosk bestellte ich einen Orangensaft (frisch gepresst), Nina war schon wieder mit Telefonieren beschäftigt; es standen plötzlich zwei Orangensaft auf dem Tisch; ich wollte reklamieren, da winkte der Kioskbesitzer gleich ab und sagte: „Das ist ein Geschenk; ihr habt Großes für Griechenland getan!“

Übergabe des Umschlags mit unserem Solidaritätsbeitrag.Doch das Stärkste kam erst noch; Nina berichte, der Anrufer gerade sei aus Kreta gewesen; wir seien dorthin eingeladen und würden zu Ehrenbürger von Viannos ernannt. Doch zuerst brachte uns Christina in die Uni; die Studenten in der Vorhalle klatschten Beifall, als wir hereinkamen; in der Bücherei warteten schon 25 junge Menschen, die uns mit großem Interesse zuhörten und uns Fragen zu unserer Aktion und zu Deutschland stellten. Kaum war diese Aktion beendet, läutete schon wieder das Handy. Es war der Mann aus Kreta. Eigentlich wollten wir die letzten paar Urlaubstage etwas ruhiger verbringen, doch er bestand auf unser Kommen, noch vor unserer Heimreise. Es handelte sich um eine Gedenkzeremonie; Flug und Hotelaufenthalt würden bezahlt und überhaupt, ganz Griechenland, einschließlich Kreta, wüssten von unserer Aktion und würden uns als Ehrengäste willkommen heißen. Wir kamen dann schließlich doch gerne dieser „Verpflichtung“ nach.  


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