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In Viannos auf Kreta

Wir flogen also von Athen nach Heraklion auf Kreta, wurden dort abgeholt und in ein Hotel gebracht, das wir uns selber gar nicht hätten leisten können. Gleich am selben Abend waren wir außerdem zu einem exquisiten Abendessen in einem Fischrestaurant eingeladen. Am nächsten Tag ging es in das Bergdorf Viannos; wir wurden dort von dem Bürgermeister und dem Vorsitzenden der Opfer empfangen. Natürlich wurde uns ein Dolmetscher gestellt, obwohl die meisten auch Englisch konnten.

In Viannos wurden 1943 im Rahmen der Besetzung durch Nazi-Truppen, alle Männer, 434, erschossen. Ähnliches geschah auch in den Nachbarorten, die zusätzlich völlig abgebrannt wurden. Eine ganze Generation von Kindern war vaterlos geworden. Dies hat tiefe Wunden bei den Überlebenden hinterlassen, die bis heute nicht verheilt sind. Einige EinwohnerInnen zählten uns die Vorfahren und Verwandten auf, die damals ermordet wurden. Immer wieder betonten Betroffene, dass es ihnen vorrangig nicht um finanzielle Wiedergutmachung geht, sondern um einen symbolischen Akt der Reue. Natürlich seien Deutsche hier vorbeigekommen und hätten ihr Bedauern ausgedrückt, doch leider kein hochrangiger Politiker. Aktionen, wie damals in Warschau, als Willy Brand vor dem Mahnmal niederkniete, hat es hier leider nie gegeben!

Die Gedenkfeier mit Vertretern von Kirche und Politik im Rathaus von Viannos dauerte fast zwei Stunden. Am Ende wurden wir zu Ehrenmitgliedern des Vereins der Opfer und zu Ehrenbürgern von Viannos ernannt, eine tiefgehende und bewegende Erfahrung für uns. Danach fuhren wir zum Denkmal für die Opfer, 3 km vom Ort entfernt, auf einem Hügel. Dort legten wir unseren mitgebrachten Kranz zu Ehren der Toten nieder und besuchten die Kapelle, in der 434 ewige Lichter zum Gedenken brennen. Danach fuhren wir und andere Autos einen Feldweg zu einer Stelle mit zwei aufgeschütteten Hügeln, unter denen die Opfer aus einem anderen Ort liegen und gedachten auch ihrer.

Zum Abschied waren wir noch einmal groß zum Essen eingeladen, bevor es zurück zum Flughafen ging, von dem aus wir zurück nach Athen flogen. Wir hatten in der Zwischenzeit Herrn Spiros angerufen, der uns telefonisch, bei einem Besuch Athens, eingeladen hatte. Bei unser Ankunft in Athen wurden wir von ihm und seiner Tochter mit einem großen Blumenstrauß empfangen. Bei ihm zuhause wurde wieder groß zum Essen aufgetragen; im Laufe des Abends kamen etliche Verwandte und Freunde, die uns bei dieser Gelegenheit unbedingt kennen lernen wollten. Dass wir schon um 4 Uhr morgens am Flughafen sein mussten war überhaupt kein Problem; Herr Spiros und seine Frau gaben sich die Ehre, uns noch zum Flughafen zu bringen und verabschiedeten uns mit der Zusicherung, jederzeit in ihrem Haus willkommen zu sein. Tief bewegt und mit dem Vorsatz, uns für Griechenland und seine Menschen einzusetzen, kehrten wir in die Heimat zurück.  


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