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Solidarität mit Griechenland

Solidarität mit Griechenland

Nicht nur Griechenland schuldet uns etwas, sondern auch umgekehrt:

Der deutsche Staat schuldet Griechenland Reparationsleistungen aus der NS-Zeit. Diese Schuld wurde bisher weder endgültig berechnet noch von Deutschland anerkannt. Unser Land hat sich bisher um die finanzielle Aufarbeitung der NS-Schuld an Griechenland gedrückt.

 

 

Fest steht jedoch:

Die Zwangsanleihe, die Deutschland 1942 von Griechenland in Höhe von 476 Mio. Reichsmark nahm, wurde – bis auf eine erste Rate – nie zurückbezahlt. Der Ausstand wäre heute umgerechnet ca. 11 Mrd. €.

Staatsschulden werden ja gern als pro-Kopf-Verschuldung ausgerechnet.

Wir beschlossen, ein Zeichen der Solidarität zu setzen und, als symboli­sche Geste, unseren Anteil an der NS-Staatsschuld der griechischen Be­völkerung zukommen zu lassen.

Im Rahmen unseres Urlaubes übergaben wir am 17.3.2015 den errechneten Betrag einer Wohlfahrtsorganisation in Nafplio.

Es handelt sich um eine Tafel, die Lebensmittel an bedürftige Familien verteilt.

Dies ist keine Spende, sondern eine solidarische Geste.

Deswegen haben wir dies auch öffentlich gemacht: um andere anzuregen, ihre Sicht zu erweitern, und unseren Staat zu veranlassen, seine Schuld Griechenland gegenüber anzuerkennen.

Wir würden uns freuen, wenn andere Menschen ebenfalls, auf ihre Weise, Solidarität mit Griechenland zeigen würden.

Wie wir kürzlich erfuhren, hat der Grünen-Kreisvorsitzende von Passau, Toni Schuberl, fast zur gleichen Zeit ebenfalls seinen von ihm errechneten Anteil der Zwangsanleihe (11 Mrd. € : 81 Mio. Deutsche = 135 €)  an „Ärzte der Welt“ gezahlt. Diese versorgen mittellose Patienten, u.a. in Griechenland.

(Wir gingen von einer Zahl aus, die wir dem STERN (09/2015, S. 55) entnommen hatten, 70 Mrd. € : 80 Mio. Leute und kamen so auf 875 €.)

Bei einer solchen Solidaritäts-Zahlung kommt es jedoch grundsätzlich nicht auf die Höhe an, sondern auf die Geste. Auch wer nur 10 € geben kann, trägt dazu bei.

Die Reaktion in Griechenland

Die Menschen haben sich sehr darüber gefreut.

Wir wurden oft angesprochen und erfuhren, wie sie darüber dachten.

Diese Aktion entspricht ihrer Mentalität. Es gibt dafür einen speziellen Begriff, der am ehesten mit "Würde" übersetzt werden kann. Nämlich: Rechtschaffenheit, Selbständigkeit, nicht betteln oder stehlen, sie drängen sich nicht auf, treten eher bescheiden und sehr höflich auf, leben die Werte Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft, Großzügigkeit.

Eine Studentin sagte uns: „Wir sind es gewohnt, uns zurückzunehmen. Es war uns peinlich, dass unser Finanzminister den Euren nach Reparations­leistungen gefragt hatte; wir hielten das für unhöflich und unpassend. Aber zu erfahren, dass einige Deutsche selber dafür sind, hat uns den Rücken gestärkt, und wir dachten: ‚vielleicht haben wir doch nicht so unrecht’.“

Wir wurden von der Gemeinde Viannos auf Kreta eingeladen, wo die Nazis 1943 besonders viele Massaker angerichtet haben.  Die Kreter hatten nichts gegen die Menschen aus Deutschland.

Als sie sich jedoch durch den deutschen Finanzminister und die deutschen Medien gedemütigt fühlten, begann die Stimmung sich gegen Deutschland zu wenden.

Dann kam die Solidaritäts-Aktion. Die Menschen fühlen sich verstanden und anerkannt, die Stimmung wendete sich zum Positiven.

Wir sollten möglichst bald kommen, für eine Friedenszeremonie, um die gute Stimmung zu festigen. Dort wurden wir zu Ehrenbürgern dieses Ortes ernannt und legten an der Gedenkstätte einen Kranz nieder.

 Wir haben viele interessante Menschen kennen gelernt. Die Erlebnisse sind uns ein großer Ansporn, uns weiter einzusetzen für die Menschen in Griechenland.

Wie geht es der griechischen Bevölkerung?

Viele Familien sind im Zuge der Krise verarmt. Viele Betriebe, v.a. kleine Familienbetriebe, sind eingegangen, weil die Kreditzinsen seit der Krise drastisch erhöht worden sind und sie dadurch plötzlich mit weit höheren Tilgungsraten konfrontiert waren, die ihr geplantes Budget weit überstiegen. Andere warten seit Monaten auf ihren Lohn, die Firma kann nicht zahlen, sie gehen trotzdem weiter zur Arbeit. Löhne wurden bis zu 50 % gekürzt. Ein Monatslohn beträgt 450 – 700 €. Lebensmittel, Kleidung, Geräte, Technik kosten jedoch etwa das Gleiche wie bei uns, manches ist auch teurer, z.B. Milch.

Im Zuge der Finanzkrise haben viele ihre Arbeit verloren. Die Arbeits­losen­quote beträgt 26 %.

Es gibt nur ½ Jahr Arbeitslosenunterstützung, danach nichts mehr, es gibt  keine Sozialhilfe wie bei uns.

Viele Menschen nehmen sich wegen ihrer aussichtslosen Lage das Leben.

Sie fühlen sich tief beschämt.

 

Beispiele: In Galatas (Peloponnes) sind in den letzten 2 Jahren von 120 Kleinbetrieben 72 eingegangen.

Im Bezirk Argolis haben sich im gleichen Zeitraum ca. 6000 Menschen wegen Überschuldung das Leben genommen.

 Die Tafel

Es handelt sich um eine kleine, aus privater Initiative 2008 gegründete Hilfs­ein­richtung, eine Art „Tafel“ wie bei uns, die Lebensmittel an bedürftige Familien ausgibt. Die Lebensmittel sind von Privatpersonen gespendet. Die Arbeit wird von Ehrenamtlichen geleistet. Öffentliche Gelder gibt es keine. Die 2 Räume, ein Gruppenraum und ein Vorratsraum, sind ein ehemaliger Kindergarten.

Vor allem Familien mit Kindern werden durch diese Einrichtung unterstützt. Sie heißt „Pyli Politismou“, übersetzt „Tor zur Kultur“, weil zu Beginn Lehrerinnen ehrenamtlich musische Kurse für Kinder armer Familien gaben, Singen, Tanzen, Basteln, Malen etc. Später kam dann die Lebensmittelhilfe hinzu. Die Kurse gibt es weiterhin.

Wer spenden möchte: ΙΒΑΝ: GR 9001717860006786124467468, BIC: PIRBGRAA.

Pyli Politismou Nafplio.

Wie stehen die Menschen in Griechenland zu den Deutschen?

Die Griechen haben nichts gegen die Deutschen, sie haben sie sogar als besonders angenehme und offene Touristen erlebt.

Sie unterscheiden sehr wohl zwischen dem damaligen Nazi-Regime und den heutigen Menschen.

Sie würden sich wünschen, dass die Deutschen das mit ihnen auch tun: unterscheiden zwischen den korrupten früheren Regierungen und der griechischen Bevölkerung.

Wohin gingen die Kreditgelder?

Mit 89 % der Kreditgelder wurden die Banken saniert, die aufgrund nicht gedeckter Staatsanleihen vor der Pleite standen, Banken aus verschiedenen Ländern. Die restlichen 11% wurden z.T. für teure ehrgeizige Projekte ausgegeben, z.B. schönere Straßenlaternen.

Ein großer Teil wurde für Rüstungskäufe (überwiegend bei deutschen Firmen ausgegeben:

- 450 Panzer – die gr. Bevölkerung findet diese selbst überflüssig

- U-Boote

- 22 Hubschrauber: davon kamen nur 11 an, und von diesen sind nur 2 funktionsfähig. Der neuen Regierung wurde ein Wartungsvertrag für alle 22 Hubschrauber vorgelegt – natürlich sofort gecancelt – doch die vorige Regierung hat die 22 Hubschrauber schon bezahlt.

Die neue griech. Regierung bat unsere Regierung um Hilfe bei der Aufklärung dieses Korruptionsskandals: Wer hat die Politiker geschmiert, wie kommt man an Beweise, um diese zur Rechenschaft zu ziehen?

 Wie wurde gespart?

 1.) An der Bevölkerung: Zinsen für Kredite, auch laufende Kredite, wurden erhöht. Löhne und Renten wurden gekürzt. Viele Menschen fielen aus der Krankenversicherung heraus. 1/3 der Krankenhäuser wurden geschlossen, den restlichen mangelt es an Ressourcen: Personal (entlassen) und Material.

2.) Die rentablen Wirtschaftsunternehmen, mit deren Erträgen sich Griechenland wieder sanieren könnte (das „Tafelsilber“) wurden privatisiert, jedoch die Kosten „drumherum“ muss weiterhin das Land tragen:

14 Flughäfen sind mittlerweile an ein deutsches Unternehmen verpachtet. Sie werden von der griechischen Polizei geschützt, die für die Stationierung auf dem Flughafengelände auch noch Miete zahlen muss.

Zukunft?

Die vorigen korrupten Regierungen haben die Kreditgelder veruntreut. Bei der Bevölkerung, den Menschen in Griechenland, ist fast nichts angekommen, aber sie müssen es büßen. Den einzigen Fehler, nämlich die alte korrupte Elite zu wählen, haben sie nun korrigiert.

 Die neue Regierung ist erstmals willens, zugunsten der Bevölkerung zu handeln statt dem Großkapital beim Plündern der Volkswirtschaft zu helfen.

Sie sollte daher von der EU unterstützt und nicht blockiert werden. Das Gegenteil ist leider der Fall.

Eben die Regierung, die nun mit der Misswirtschaft aufräumen will, wird von der EU-Spitze hängen gelassen: weil sie nicht so funktionieren wollen wie ihre Vorgänger, nämlich das Geld von unten nach oben zu verteilen.

Viele Menschen haben bereits ihre Existenz – Arbeit, Wohnung, Einkommen – verloren. Viele weitere verlieren sie gerade. Und alle Menschen im Land machen sich große Sorgen.

 

Das Bild der Griechen in der deutschen Öffentlichkeit

Es tut uns richtig weh, hier zu erleben, wie über Griechenland durch die Medien Spott und Häme ausgegossen wird, wie die Griechen verunglimpft werden – so wie vor 25 Jahren „die Ossis“!

Und dass unkritische Leser das übernehmen und dumme Bemerkungen über und, noch schlimmer, gegenüber Griechen äußern.

Eine Mutter erzählte uns, bei einem Besuch in München vor 2 Jahren mit ihren Kindern, wurde sie in einem Restaurant von einem Mann gefragt wo sie her sei, und dann beschimpft, sie solle zurück nach Hause, „wir Deutschen haben euren Flug bezahlt“. Sie und ihre Kinder waren sehr schockiert.

Sie sagte, unsere Geste habe sie getröstet.

Liebe MitbürgerInnen, wenn Sie solche Szenen mitbekommen, bitte helfen Sie der betroffenen Person, trösten sie sie, das kostet nichts außer Mitgefühl und etwas Mut.

Griechische Wirte bei uns müssen sich in den letzten Jahren von manchen Gästen üble Bemerkungen anhören. Das finde ich beschämend für unser Volk!

Da gibt es überall Anti-Rassismus-Kampagnen sowie Kampagnen, andere Kulturen zu verstehen; aber den Griechen gegenüber wird das vergessen, sie halten her als Sündenbock für den Frust unserer Bevölkerung.

Bitte helfen Sie mit, dass das aufhört. Die Menschen in bzw. aus Griechenland wollen nicht unser Geld, sie brauchen und verdienen unsere Solidarität und unser Mitgefühl. Sie möchten uns auf Augenhöhe mit gegenseitigem Respekt begegnen.

 

Ludwig Zaccaro Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! ;    Nina Lange Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


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