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Südamerika-Resümee

 

Chile:

Da hat es mir am besten gefallen und dort waren wir auch am längsten!

Negativ:

a) Der Humboldt-Strom sorgt dafür, dass man im Pazifik ohne Neopren-Anzug nicht schwimmen kann - außer in den Fjorden in Südchile macht es keinen Spaß, im Meer zu baden.

b) Im Süden sahen wir überall die Lachszucht-Stationen; es ist wie in Norwegen - zu wenig Platz für die Tiere und vorbeugende Behandlung mit Antibiotika und anderen Medikamenten. Außerdem können die Tiere ihrem Instinkt, große Strecken zurück zu legen, nicht nachkommen; die Haltung ist also nicht artgerecht. Die in diesem Bereich Tätigen sind voller Enthusiasmus, da Chile dabei ist, den Norwegern in der Lachszucht Anteile auf dem Weltmarkt abzunehmen. Leiter konnten wir keine der Stationen besichtigen.

c) Chile ist sehr von Erdbeben und Vulkanausbrüchen betroffen. Es gibt über 200 aktive Vulkane.

d) Die Urlaubszeit sollte man meiden. Ferien bedeutet Halligalli die ganze Nacht durch. Ruhezeiten gibt es nicht!

Positiv:

a) Wirtschaftlicher Aufschwung: Der chilenische Peso hat in eineinhalb Jahren im Vergleich zum Euro um 12 % dazugelegt.

b) Gute Infrastruktur wie in Europa

c) Hygiene auf europäischem Standard

d) Positives Lebensgefühl: Wir haben die Chilenen als ausgeglichene und sehr kontaktfreudige Menschen erlebt

e) Kulturelle Veranstaltungen sind im allgemeinen kostenlos, da von der jeweiligen Stadt oder dem Staat subventioniert

f) Chile soll das sicherste Land Südamerikas sein; sogar in der Hauptstadt kann man ohne Angst in der Nacht alleine unterwegs sein

 

 

Peru:

Negativ:

a) Straßen sind nicht überall im besten Zustand

b) Die Hygiene entspricht bisweilen nicht europäischem Standard; ich hatte Magen-und Darm-Probleme

c) An den bekanntesten archäologischen Sehenswürdigkeiten (z.B. Machu Picchu) wird man gnadenlos abgezockt.

Positiv:

a) Die Stätten der Inkas sind einfach überwältigend

b) Farbenprächtige Feste; besonders das Inka-Festival in der ersten Novemberwoche in Puno

c) Der Ruf, dass Peru gefährlich sei, was Überfälle und Diebstähle betrifft, ist wohl überholt; wir haben von niemanden entsprechendes gehört.

 

Bolivien:

Da hat es mir am wenigsten gefallen.

Negativ:

a) Die Straßen sind zum Teil in erbärmlichen Zustand, die Busse haben oft schadhafte Stoßdämpfer

b) Die Bevölkerung wirkt sehr zurückhaltend und defensiv

c) Die Hygiene entspricht bisweilen nicht europäischem Standard; ich hatte Magen-und Darm-Probleme

d) Der Altiplano ist wegen seiner Höhe sehr kräfteraubend und anstrengend, in den tieferen Lagen ist es schwül und heiß

e) Das Land ist extrem vermüllt; von Umweltbewusstsein keine Spur.

Positiv:

a) In den Markthallen gibt es bestes und gleichzeitig sehr günstiges Essen

b) Sehr schöne Natur; die Yungas (Berghänge auf 2500 m) sind nicht überlaufen und wunderschön

c) Das Coca-Museum in La Paz, das über die Geschichte des Cocastrauchs gut informiert

d) Souvenirs sind billiger als in den Nachbarländern.

 

Paraguay:

Da waren wir nur kurze Zeit; manche Leute bezeichnen bezeichnen das Land als Mafia-Staat, doch wir haben gesehen, dass die Familie aus Franken, bei der wir zu Gast waren, sich dort ein kleines Paradies schaffen konnten, was so in Deutschland nicht möglich gewesen wäre. Außerdem lebt ein Bewohner aus unserem Heimatort Neumarkt St.Veit dort; er hat allen Unkenrufen zum Trotz dort Ruhe und Frieden gefunden.

 

Argentinien:

Das Land wirkt auf den ersten Blick sehr europäisch

negativ:

1) Busfahrten sind sehr teuer

2) in vielen Herbergen, Museen und Sehenswürdigkeiten zahlt der "Gringo" (Europäer oder Nordamerikaner) deutlich mehr als die Einheimischen.

Positiv:

1) Argentinien hat zwei der größten Natur-Weltwunder, den Perito Moreno und die Iguazu-Wasserfälle; an beiden Orten sind die Eintrittspreise okay!

2) Im Nationalpark "Fitz Roy" kann man kostenlos wandern.

3) Das Kirschen-Fest in Los Antiguos; so gute ungespritzte Kirschen habe ich seit meiner Kindheit nicht mehr gegessen!

 

Patagonien:

Negativ:

1) außer im Sommer regnet es sehr viel

2) In Feuerland fehlt es an Infrastuktur (fast keine Busse, Mietautos gibt es überhaupt nicht!). Außerdem ist es so windig, dass Strom- und Telefonleitungen nur in den wenigen größeren Siedlungen installiert werden.

Positiv:

1) Es gibt riesige Naturparks mit üppiger Fauna.

2) Das Land ist nur schwach besiedelt.

Der Rückflug

Wieder in Santiago landeten wir im Hostal "Moai", wo uns ein junger Mann half, ohne einen Code auf die Webside von Iberia zu kommen und festzustellen, dass unser Anschlussflug später losgeht.

So bummelten wir beruhigt durch die für uns schönste Großstadt Südamerikas und landeten am frühen Abend an der "Plaza de las Armas", wo eine Bühne aufgebaut war. Es traten Tanzgruppen aus verschiedenen Ländern Südamerikas auf; am besten gefiel uns die Gruppe aus Ecuador, die eine echt professionelle Aufführung boten. Die Nacht brach langsam herein, doch wir konnten uns nur mit Mühe von dem Schauspiel lösen. Es war längst dunkel, als wir endlich mit der Metro an der Haltestelle "Republica" angekommen waren. Es ist eine lange Straße mit einem breiten Seitenstreifen für Fußgänger; die Beleuchtung war schummrig und fast kein Mensch mehr auf der Straße. Plötzlich fühlte ich mich unwohl und hatte den Eindruck, dass uns jemand folgte; doch es war Einbildung; wir kamen bald darauf unversehrt in unserer Unterkunft an.

Dort saßen an die zehn junge Chilenen mit Bierdosen im Hof an einem Tisch. Wir kauften uns eine Literflasche "Escudo-Bier" und setzten uns dazu. Sehr schnell waren wir in den Blickpunkt des Interesses geraten und eine Menge Fragen stürzten auf uns ein.

Ob der Besuch von Schulen und der Uni in Deutschland kostenlos sei?

Was ein Durchschnittsdeutscher verdient?

Wielange wir schon zusammen sind?

Ob wir Kinder hätten?

Das waren so die Hauptfragen; ehe wir uns versahen,war es Mitternacht und wir verabschiedeten uns.

Der nächste Tag wäre unser Abflugtag dachten wir; wir wurden zwar einigermaßen pünktlich eingelassen, aber im Flieger saßen wir dann 3 Stunden. Der Kapitän setzte die Maschine in Gang, wir rollten vorwärts und wieder zurück, die Klappen an den Flügeln gingen auf und wieder zu; zwischenzeitlich kam eine Durchsage, dass es ein kleines technisches Problem gäbe und sich der Abflug um eine halbe Stunde verspäten würde. Die Passagiere verstummten und blickten nervös um sich; nach 2 Stunden ein weiterer vergeblicher Versuch; ich nahm all meinen Mut zusammen und wollte gerade zu den Stewardessen gehen und meinen Wunsch, auszusteigen, mit folgenden Worten äußern.

"Könnte ich/wir ein späteres Flugzeug nehmen? Welche Konsequenzen hätte das?"

Mir ging es nicht darum, Probleme zu machen, doch ich war ernstlich besorgt; Nina hatte mich auch schon gefragt, was für ein Vorgefühl ich hätte. Doch bevor ich zu einer Handlung bereit war, kam die Durchsage, dass wir alle das Flugzeug verlassen und unser Gepäck wieder abholen müßten; weitere Infos am Schalter der Iberia. Ich hörte keinen schimpfen, stattdessen vernahm ich ein erleichtertes Aufatmen.

Insgesamt standen 400 Passagiere am Schalter; entsprechend lang dauerte es, bis wir dran waren und Gutscheine für die Übernachtung in einem sündhaft teueren Hotel, ein Abendessen und ein Frühstück bekamen. Dann wurden wir in mehrere Busse verstaut und zu diversen Hotels gebracht. Wahrlich ein ganz neues Gefühl der besonderen Art, in einem Luxuszimmer untergebracht zu sein und dort zu nächtigen. Ich müsste lügen, wenn ich behauptet hätte, ich würde mir nichts daraus machen. Schön dumm wären wir gewesen, hätten wir diese Erfahrung nicht genossen!

Am nächsten Tag hiess es, wir würden um 12 Uhr abgeholt; so gingen wir zum letzten Mal in Santiago, in der Umgebung spazieren und landeten in einem wunderschönen Skulpturen-Park. Nicht einmal einen Hinweis auf diese Sehenswürdigkeit gab es in unserem Reiseführer!

Wieder mit Verspätung saßen wir endlich im Flugzeug; es hob ab und ... flog in die falsche Richtung aufs Meer hinaus, kehrte wieder zurück nach Santiago, mit einer großen Schleife zurück zum Meer; wir sahen unter uns Valparaiso ... "Das kann doch nicht wahr sein! Wir müssen nach Osten, nicht nach Westen!" Der Mitreisende in der Mittelreihe, der schon beim gestrigen Versuch zu starten, sichtlich vor sich hinlitt, sitzt leichenblass und mit apatischem Gesichtausdruck in seinem Sitz. Wir kehren wieder um, fliegen über Santiago; da kommt endlich die Durchsage:

"Wegen Problemen mit dem Druckausgleich in der Kabine, konnten wir nicht genügend an Höhe gewinnen, um die Anden zu überqueren. Doch jetzt geht unser Flug wirklich los!"

Tatsächlich, schon sahen wir die Gipfel der Anden unter uns; abgesehen von den heftigen Turbulenzen am Äquator, als wir auf den Atlantik hinausflogen, gab es keine weiteren Probleme. Sogar einschlafen konnten wir nach einer Weile.

Um 6 Uhr morgens landeten wir in Madrid und hatten den ganzen Tag vor uns; so fuhren wir mit der Metro in die Innenstadt. Unser erter Eindruck: "Wo sind wir denn da gelandet? Irgendwo in der 3.Welt!" Penner, die bettelten, Musiker, die ihr Instrument nicht beherrschten, deshalb nur kurz auf der Gitarre zupften und dann die Passagiere um Geld anmachten. Und überhaupt, die Menschen blickten zu Boden und wirkten deprimiert In Santiago dagegen schaut dir jeder direkt ins Gesicht, strahlt dich an und sucht Kontakt; überall pulsiert das Leben, doch hier?

Tief in der Nacht landeten wir in München: Heimat, du hast uns wieder! Ach ja, ein unangenehmes Mitbringsel hatte ich nach Europa mitgebracht. Ausgerechnet in dem Luxushotel hatte mich ein Insekt gestochen, mein Arm juckte und schwoll an. Nachdem es auch nach drei Tagen nicht besser geworden war, ging ich zum Arzt; er verschrieb mit Cortison-Salbe und innerhalb von 48 Stunden war ich mein Andenken wieder los.

Lago PireheicoPucón

Am 4.02. geht es weiter nordwärts nach Pucón, an einem großen See gelegen; über allem thront der Vulkan Villarica.

Ich spüre schon, wie in Kreisen von Chilekennern die Nase gerürmpft wird. Pucón, das ist doch ein echter Touristenort! Nach drei Tagen kann ich nur ein Loblied auf Pucón singen! Der Ort ist nicht groß, hat 17000 Einwohner und es gibt dort alles, was mein Herz begehrt; wir sind zwei Kilometer vom Zentrum entfernt auf einem Campingplatz, direkt am See gelandet. Das Schlafen im Zelt auf Pappe als Unterlage, macht mir zunehmend Rückenschmerzen; eine Isomatte zu bekommen, ist kein Problem. Volkornbrot - klar, gibt es! Billiges Internet, natürlich auch, gutes Essen und köstliches, chilenisches Eis; was will man mehr!

Hier roch es wirklich nach Urlaub; in der Nacht im warmen See schwimmen und am Morgen das Gleiche als erstes Vergnügen. Dazu hatte Pucon auch einiges zu bieten, was Nationalparks, Wasserfälle und die Möglichkeit, die Mapuche-Kultur kennenzulernen, betraf.

Wir fuhren am ersten Tag nach Currarehue, einem nahe gelegenen Mapuche-Ort; dort besuchten wir ein interkulturelles Haus mit einem Platz im Freien, auf dem Stände aufgebaut waren. Es wurden dort Mapuche-Medizin aus Kräutern, Empanadas mit Pilzen und Wildkräutern aus der Gegend und natürlich Wollstricksachen verkauft. Zum Mittagessen genehmigten wir uns ein Mapuche-Gericht, eine Gemüsesuppe mit Maiskörnern.

Am zweiten Tag tramptem wir zum Vulkan Villarica; wieder wurden wir schnell mitgenommen, diesmal von einer vermögenden Familie aus Concepcion; wir fuhren mit ihnen zm Nationalpark "Cuevas Vulcanicas"; als wir hörten, was der Eintritt kostet, nämlich an die 50 €, wären wir am liebsten umgekehrt. Der Fahrer unseres Autos bemerkte unser Zögern, begann um den Preis zu feilschen und tatsächlich kamen wir billiger rein. Erst hörten wir einen interessanten Vortrag über die Geschichte des Vulkans und dann betraten wir die langgezogene Höhle, die durch vulkanische Tätigkeit entstanden war. Nach einem interessanten Nachmittag wurden wir von unseren Begleitern wieder zurück nach Pucón gebracht.

Am nächsten Tag, als wir am Busbahnhof standen und gerade die dort aufgehängte Landkarte studierten, sprach uns ein Mann auf Deutsch an; er heißt Rudi, ist Mitte Fünfzig und stammt aus Simbach in Bayern. Sehr schnell bot er uns eine Tour mit seinem Auto zum See Pirehueico an. Es ist die Fahrt Richtung argentinische Grenze durch wunderschöne, zum Teil noch unberührte Urwaldlandschaft, die im Lonely Planet empfohlen wird; Rudi holte sein Auto und los ging es! Nach einer Fahrt von 1 1/2 Stunden landeten wir am See, wo eine Fähre auf die andere Seite fuhr; Rudi ging inzwischen schwimmen und holte uns danach wieder ab. Dass 3 Stunden vergehen würden, war uns vorher nicht klar, doch die Fahrt war wirklich ein Erlebnis, und da die Wartezeit Rudi nichts ausmachte, war es ja in Ordnung.

Auf dem Rückweg machten wir kurz halt bei der "Magic Lodge", ein spiralförmig angelegtes Baumhaus eines Deutschen, das er zum Hotel ausgebaut hat. Da wir noch eine Runde schwimmen wollten, machten wir einen weiteren Halt an einem nahen See.

Es war schon dunkel, als wir wieder bei unserem Zelt eintrafen. Der Campinplatz war unterdessen übervoll und wir fühlten uns eingeklemmt zwischen all den Campingfahrzeugen und Autos. Doch das Schlimmste waren die vielen Kinder, die über den Platz tobten und Jugendlichen, die mit lauter, nervender Musik Party feierten. Es war immerhin schon 23 Uhr und kein Anzeichen von bald einkehrender Ruhe! Was dann passierte, bezeichne ich als spanisches Gen, ein Phänomen, das mich schon in meinem 11 Jahren auf den Kanarischen Inseln maßlos genervt hatte. Urlaub und Freizeit werden bis zum Exzess ausgelebt; die Kinder dürfen aufbleiben und die ganze Nacht herumtoben, bis sie vor Erschöpfung umfallen. Leider hat gerade die Ferienzeit in diesem Teil Chiles angefangen; um 1 Uhr nachts spielen die Kinder immer noch fangen, kreischen und toben dabei; etliche Jugendlichen sind angetrunken und grölen in der Gegend herum. Jeder Appell an Rücksichtsnahme auf die, die schlafen wollen und jeder Hinweis auf die späte Stunde wird zum Anlass für blöde Witze. Die Situation hat längst eine gnadenlose, alles ignorierende Eigendynamik bekommen. Die Polizei rufen? Den Tatbestand der Ruhestörung gibt es in diesen Ländern nicht!

Meine verzweifelte Reaktion: Um 1.30 Uhr nehme ich meinen Schlafsack und Kopfkissen und flüchte an den nahen See; am Strand fahren Autos unter dem Sternenhimmel ohne Licht entlang; durchaus eine gefährliche Situation, denn am Boden liegend kann man leicht übersehen werden! Der einzige sichere Platz scheint mir die Rückseite des erleuchteten Häuschens der Wasserwacht zu sein. Ich bin so erschöpft, dass ich tatsächlich einschlafe; um 4 Uhr bricht eine Horde Besoffener mit infernalischem Lärm zum Strand auf. Völlig genervt kehre ich zurück, irre eine Weile orientierungslos durch den Campingplatz, bis ich unser Zelt finde. Zwei Stunden später stehen die ersten auf; es ist vorbei mit der Ruhe! Wenn ich so meine Freizeit verbringen müsste, bräuchte ich doppelte Zeit, um mich davon wieder zu erholen! Zu meinem Ärger kommt noch, dass Regenwolken aufgezogen waren.

Um 9 Uhr kam Rudi, um uns zu besuchen; er hatte volles Verständnis für uns: "Bis Ende Februar herrscht völliges Chaos; das ist der Lebensstil der Südamerikaner; daran kann man nichts ändern, auch die vielen Deutschen nicht, die schon seit 150 Jahren hier leben!" Rudi bot sich an, mit seinem Auto auf Erkundigungstour nach Campingplätzen zu gehen, die möglichst abgelegen und nicht so überlaufen sind. Wir bauten inzwischen das Zelt ab und packten unsere Sachen zusammen. Um 11 Uhr kam Rudi wieder. "Überall sind die Zeltplätze überfüllt und die Preise überteuert. Lasst uns zu einer Verwandten meiner chilenischen Frau fahren, die auf einem Landstück mit Schafen wohnt. Dort gibt es auch einen überdachten Platz im Freien." Gesagt, getan; wir fuhren dorthin, einigten uns mit der Frau auf 500 Pesos (8 Euros) die Nacht und stellten unser Zelt ab.

Obwohl es nach Regen aussah, bot uns Rudi eine weitere Tour an. "Ganz in der Nähe von Pucón gibt es einen der schönsten Wasserfälle Chile; selbst von der hiesigen Bevölkeung kennt ihn fast keiner. Außerdem gibt es 80 km von hier entfernt ein Thermalbecken; für beides muss man keinen Eintritt bezahlen!" Ich verwies auf den leichten Regen, der eingesetzt hatte, doch Rudi hatte keine Bedenken. So brachen wir auf. Der Wasserfall in einer tiefgrünen Senke, den wir nach einem steilen Abstieg erreichten, war wirklich aussergewöhnlich. Die ganze Umgebung war wie von einem grünen Teppich bedeckt. Von Stein zu Stein springend konnte man dem Wasserfall ganz nahe kommen. Daneben befand sich eine Höhle, in die man laut Rudi hineinschwimmen kann. Doch heute war es für so ein Abenteuer nicht warm genug. Unterdessen war aus den einzelnen Regentropfen ein richtiger Landregen geworden, der den Wiederaufstieg erschwerte.

Unser anderes Ziel erreichten wir nach ca. einer Stunde mit dem Auto; durch einen kleinen unscheinbaren Durchgang in einem Zaun gelangten wir auf einen vom Regen aufgeweichten Weg, der nach unten führte. Am Ende des Weges standen mehrere Autos.

"Jaja, der Geheimtipp wird immer bekannter, weil die Leute, die hier waren, einfach nicht den Mund halten können! Es mag egoistisch klingen, doch ich bin der Meinung, dass man die schönsten Plätze Anderen nicht verraten sollte. Ansonst kommen immer mehr, und der Zauber ist dahin! Das Wasserbecken, weiter unten am Fluss, hat ein Ausländer angelegt, der am Ende keine Genehmigung für den Betrieb bekam. So liegt das Projekt brach und ist mit der Zeit zu einem kleinen Paradies geworden, das lange Zeit nur wenigen bekannt war. Nun müssen fußlahme Touristen unbedingt den schlammigen Weg mit ihren Autos hinunterfahren. Etliche davon werden den Rückweg nach oben nicht schaffen und brauchen einen Bulldog, der sie wieder nach oben zieht. Auf diese Weise werden die Behörden auf diesen Platz aufmerksam und über kurz und lang, werden sie den Zugang sperren. Das kommt davon, wenn man Menschen, die ohne Achtsamkeit und Bewusstheit durch die Gegend stolpern, von so einem Platz erzählt; deshalb ist es besser, den Mund zu halten!"

Trotzdem stiegen wir den steilen und glitschigen Weg nach unten; unmittelbar über dem Fluss stießen wir auf ein kleines angelegtes warmes Wasserbecken, in dem sich ganze Familien tummelten. Ich stand da und wusste nicht, wie mit dieser Situation umgehen. Rudi meinte: "Wir sind heute einfach zu spät dran; ganz früh am morgen ist es am schönsten; man hat dann das Becken ganz für sich allein!" Nach einer Weile machten uns die Leute im Becken Platz. Das Wasserbecken befand sich neben einem Magmafeld und war so heiss, dass wir nur ganz langsam, in mehreren Etappen, reingehen konnten; nach 10 Minuten schon hatten wir genug und stiegen weiter hinab zum Fluss und duschten uns im einkaltem Wasser ab.

Wieder zurück auf der Straße, machten wir noch Halt im Restaurant "Tirol" und genehmigten uns dort zusammen einen Teller chilenisches Wildschwein-Gulasch. Wir hätten gerne mit Rudi noch weitere Touren gemacht, doch der Wetterbericht sagte für die nächsten drei Tage Regen voraus.

"In Chillán, wo ihr als nächstes hinwollt, ist eine andere Klimazone; dort ist bestimmt besseres Wetter!"

Chillán

Den Rat von Rudi befolgend fuhren wir 3 Stunden durch den Regen, bis tatsächlich die Sonne durchkam.

Chillán ist ein nettes Kleinstädtchen, nicht weit von einem bekannten Schigebiet. Wir nächtigten im Hostal "Canadá", endlich mal ein guter Tipp aus dem Lonely Planet. Nach der aufregenden Zeit auf Campingplätzen genossen wir es richtig, wieder einmal in einem großen Zimmer zu sein, unsere Sachen ausbreiten zu können und in einem weichen Bett zu schlafen.

Im Schigebiet "Valle Hermoso" erlebten wir einen Reinfall; kaum aus dem Bus ausgestiegen, verlangte ein Aufpasser 10000 Pesos Eintritt. Was dafür geboten würde, interessierte uns nicht mehr und wir stiegen gleich wieder in den Bus ein und fuhren ein Stück zurück. Der Busfahrer verabschiedete uns mit einem " Hier ist es gratis! Viel Glück!" Von dort aus liefen wir die Straße entlang und hielten vergeblich Ausschau nach einem Wanderweg; die Natur war zwar schön, doch hatten wir gehofft, uns ungestört von Autos fortbewegen zu können. So waren wir froh als wir in "Las Trancas" ankamen, wo es einige Restaurants und Läden gab. Nach einer Stärkung trampten wir nach Chillán zurück.

Am nächsten Tag versuchten wir es in die andere Richtung, an den Pazifik nach Copquecura, dem Ort, der von dem Erdbeben im Jahr 2010 am meisten betroffen gewesen sein soll. Wir sahen nicht mehr viel davon; fast alle Häuser sind wieder aufgebaut; die Kirche wird gerade noch renoviert. Der Campingplatz war leicht zu Fuß zu erreichen und kostete nur 5000 Pesos (nicht einmal 10 €) pro Nacht; das war der billigste Platz in unseren vier Monaten in Südamerika.

In der Nacht wurden wir von lauten Geräuschen aufgeweckt, die wir erst nicht einordnen konnten. Es waren die Balzschreie der junen Seelöwenmännchen, die ganz nahe in einer Kolonie leben. Das mussten wir uns unbedingt ansehen! Auf drei vorgelagerten Felsenriffen hielten sich die Tiere auf; wir konnten sie gut aus der Ferne sehen. Der Pazifik donnerte mit ungeheurer Wucht auf das Land zu. Kein Mensch, nicht einmal mutige Surfer, trauten sich da rein. Den ganzen Nachmittag betrachteten wir das Naturschauspiel und die Seelöwen und Möwen auf den Felsen. Die Luft war vom Geschrei der Tiere erfüllt, archaisch und dann doch wieder beruhigend; hier ist die Welt noch in Ordnung!

Doch wie sah es mit unserer eigenen Ruhe aus? Am ersten Tag in Copquecura hatte uns per Email die Nachricht erreicht, dass sich an unserem unserem Rückflug etwas geändert hätte. Ich klickte auf den angegebenen Link, und es öffnete sich ein Fenster mit der Aufforderung, eine bestimmte Code-Nummer einzugeben, die wir vergeblich auf unseren Flugtickets suchten. Für Rückfragen war eine kostenpflichtige Telefonnummer in Deutschland angegeben. Zum Teufel, wir sind in Chile und bräuchten die Telefonnummer der Iberia in Santiago!

 

Trotzdem ließen wir uns nicht kopfscheu machen und kehrten erst am Tag vor unserem Flug zum dritten und letzten Mal nach Santiago zurück. Dabei fuhren wir zum ersten Mal in Südamerika mit dem Zug; die meisten Zugstrecken sind seit Jahrzehnten außer Betrieb.

In Santiago landeten wir im Hostal "Muai", wo uns ein junger Mann weiterhalf, indem er auf die Webside von der "Iberia" ging und fetstellte, dass unser Anschlussflug von Madrid nach München fünf Stunden später als geplant ging.

Wenn das das einzige Problem ist!

Petrohue

6 km vor Petrohue hört die asphaltierte Straße auf; kurz davor, bei den Saltos (Wasserfälle) war fast der ganze Bus ausgestiegen. Außer uns bleibt nur eine kleine Gruppe chilenischer Mädchen mit Rucksäcken. Angekommen, sind wir erst einmal erstaunt; der Ort besteht nur aus wenigen Häusern, über denen ein Luxushotel thront. Drei junge Männer fangen uns ab. "Dort drüben, am anderen Ufer befindet sich ein wunderschöner Campingplatz. Die Überfahrt kostet nur 500 (80 Cent)." Ich bin misstrauisch und frage nach. "Natürlich gibt es dort Läden und ein Restaurant" Wir sehen uns nach den einheimischen Mädchen um; sie gehen sofort auf das Angebot ein; so schließen wir uns an.

Der Campingplatz ist preislich günstig, aber das ist schon alles. Es gibt nur eine Toilette, keine Dusche, keinen Laden, nur ein Restaurant auf dem Nachbargrundstück. Nach unserem Rundgang beschließen wir, dort einzukehren. Es ist von der teuereren Kategorie; jeden Tag dorthin zum Essen zu gehen, ist uns zu teuer. Außerdem kostet jede Überfahrt, um in Petrohue einzukaufen, hin und zurück 2000 Pesos. Es gibt keinen Zweifel; die Jungs von der anderen Seite haben uns hereingelegt. Die Gäste im Restaurant, die wir ansprechen, haben sich vom Besitzer des Restaurants übersetzen lassen; er macht dies kostenlos, aber nur für seine Gäste. So kommen wir also kostenlos wieder zurück.

Am anderen Ufer, nur 100m weiter, ist auch ein Campingplatz, zwar teurer als sonst übich, aber mit guten sanitären Einrichtungen. Wir haben Glück, dass gerade ein fahrender Händler mit Obst und Gemüse da ist und wir uns so mit Lebensmitteln eindecken können, denn damit sieht es schlecht aus in Petrohue. Es gibt nur einen Laden im Ort, der fast nur Getränke und Süssigkeiten führt.

Nachdem wir unser Zelt aufgebaut haben, spazieren wir noch durch den nahen Nationalpark "Osorno". Wir sind dem Vulkan jetzt ein ganzes Stück näher gekommen und bewegen uns durch Lavalandschaft; auf der einen Seite des Wegs ist die Asche zu einer drei Meter hohen Wand aufgeschüttet. Der Berg übt eine große Faszination auf mich aus; wäre ich noch jünger, würde ich ihn gerne mit einem Führer besteigen.

In der Nacht, als wir schon im Zelt im Schlafsack liegen, fängt es zum Tröpfeln an; um 4 Uhr morgens setzt stärkerer Regen ein. Mit unserem einwandigen Billigzelt aus Paraguay bleibt uns nur die Flucht; schnell alles zusammengepackt und los! Auf dem Weg zum Ausgang stoßen wir auf einen überdachten Platz mit zwei Biertischen und Sitzbänken. Erst einmal sind wir gerettet, doch es ist empfindlich nasskalt; da hilft auch alle warme Kleidung nichts, die wir uns angezogen haben. Also unser tägliches Morgenprogramm (Gymanstik, Yoga) in aller Ausführ-lichkeit absolvieren; es ist unterdessen 5 Uhr und keine Aussicht auf Wetterbesserung. Unser Zelt wird sicher völlig unter Wasser stehen, doch abbauen können wir es erst in einer Regenpause. Um 6 Uhr sitzen wir immer noch da; es fröstelt uns. Ich mache eine Liegeprobe auf dem Tisch und rolle dann meinen Schlafsack aus. Tatsächlich falle ich in einen tiefen Schlaf; als ich aufwache ist es 7.30 und längst schon hell. Nina liegt auf dem anderen Tisch und schläft. Der Regen hat nachgelassen, doch der Himmel ist immer noch voller Regenwolken. So beeilen wir uns, unser nasses Zelt abzubauen und in eine Plastiktüte einzupacken. Wir müssen schleunigst weiter, uns einen besseren Platz suchen und das Zelt trocknen.

Wir wählen als nächstes Ziel Ensenada, ein Stück weiter am gleichen See. Inzwischen ist zu unserer Überraschung die Sonne wieder herausgekommen und die Regenwolken verschwunden. Wir könnten also bleiben, doch wir sind schon reisefertig und außerdem gibt es hier keinen Internet-Zugang und das Einkaufen ist auch schwierig. Also dann weiter!