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Paraquay

Wir fuhren stundenlang durch menschenleeres Buschland, den Chaco, nur hin und da durch kleinere Gehoefte unterbrochen. Eigentlich sieht das Land gruen und fruchtbar aus; warum wird es nicht wenigstens zur Viehhaltung verwendet?

Unterdessen haben wir gehoert, dass das Grundwasser salzhaltig und fuer den menschlichen Genuss nicht geeignet ist! Bei einem kurzen Halt wurde mir ein weiterer Grund klar; ich wollte kurz hinter einem Busch austreten; er war voller unangenehmer Stacheln, wie fast alle anderen Pflanzen in dieser Gegend auch.

Uns wurde ein weiterer Grund erzaehlt, warum der Chaco kein Land ist, in dem Leute gerne leben wollen; es gibt dort einen gefaerlichen Kaefer, dessen Biss mit einigen Jahren Verspaetung eine toedliche Blutkrankheit verursacht.

Der Chaco war bis auf einen Indianerstamm jahrhundertelang unbewohnt; dann kam eine Anfrage der Mennoniten, die wieder einmal ihre Heimat verlassen mussten, an die Regierung von Paraquay; ihnen wurde der Chaco ueberlassen und sie siedelten sich tatsaechlich dort an und betreiben dort Viehwirtschaft. Johannes sah sich dort um; nach seinen Beschreibungen sind sie nicht sehr freundlich, eher sogar raffgierig im Umgang mit der Aussenwelt und behandeln die Indios, die fuer sie arbeiten, sehr schlecht!

Unsere Fahrt nach Asuncion dauerte 24 Stunden, nach endlosen Stunden kommen wir endlich geraedert an. Der Busbahnhof ist 11km vom Stadtzentrum entfernt, ein Missionar wil uns helfen, zu dem im Lonely Planet empfohlenen Hostal mit einem oeffentlichen Bus zu kommen, Wir landen zwar im richtigen Bus und an der richtigen Strasse, doch es fehlen 400 Haus-nummern bis dorthin. Genervt bestellen wir ein Taxi und finden das Hostal unter der ange-gebenen Nummer nicht! Der Taxifahrer bringt uns zu einem anderen, wir zahlen zuviel sowohl dem Taxifahrer als auch in der Pension. Welch ein Start in Paraquay!

Asuncion gefaellt mir ueberhaupt nicht; heiss, laut, schlechte Luft und ueberhaupt wollten wir gar nicht dorthin, sondern weiter nach Caacopee. Doch dazu muessen wir erst Geld wechseln; dafuer brauchen wir fast zwei Stunden. Ninas Bankkarte wird nicht angenommen, der Automat erkennt den Chip nicht. Erst nach mehreren Versuchen an mehreren Banken und mit Hilfe mehrerer Bankangestellten kommen wir zu unserem Geld. Ich glaube, ohne unser Ziel, den Johannes und die Familie Burger in ihrer "Reserva Ecological" zu besuchen, haetten wir Paraquay gleich wieder verlassen!

Ueber 1 Stunde quaelen wir uns durch die Vororte von Asuncion, bis wir endlich Caacupee erreichen, wo wir zuerst im 1.Stock eines Supermarktes essen. Von dort aus will ich Familie Burger anrufen, doch die jungen Angestellten vom Supermarkt lassen mich regelrecht auflaufen, obwohl ich ihnen Geld fuer den Anruf anbiete. Ich werde richtig wuetend, der Rausschmeisser steht schon mit drohendem Blick neben mir, als sich ein alter Mann, dem das Verhalten der Jugend sichtlich peinlich ist, anbietet, mir sein Handy zu leihen. Ich bin schon richtig angefressen, bevor ich richtig in Paraquay angekommen bin! Spanisch sprechen und nur Ablehnung zu spueren, das habe ich in Suedamerika noch nirgendwo erlebt!

Spaeter klaert mich Roland von der "Reserva Ecological" auf, dass mein Gruss "Buenos Dias" typisch fuer einen Argentinier ist, die in Paraquay sehr unbeliebt sind. Man gruesst hier nur mit "Hola". So einfach ist das und ich dachte schon, die Leute hier seien auslaenderfeindlich!

Doch zurueck: Sehr bald kam Adrian, der 17jaehrige Sohn der Familie Burger und holte uns ab; er spricht fraenkisch und ist sehr nett.

"Gefaellt es dir hier in Paraquay?" "Seit 3 Jahren sind wir jetzt hier, mein Vater war laengere Zeit arbeitslos und sah keine Zukunft mehr in Deutschland! Das erste Jahr hier in der Schule war das schrecklichste meiner Schulzeit, doch jetzt haben mich alle akzeptiert. Es macht mir unterdessen Spass, auf so einer grossen Hacienda mit all den Tieren zu leben. So ein Leben waere fuer uns in Deutschland nicht moeglich gewesen! Ich will nicht mehr zurueck!"

Die Hazienda liegt abseits einer ausgebauten Autostrasse ca.6km vom Caacupee entfernt Wir wurden von Susanne und Roland auf fraenkische Art sehr herzlich empfangen. Sie rieten uns davon ab, jetzt schon ein Zelt zu kaufen, denn es sei im Moment zu heiss und bald seien starke Regenfaelle zu erwarten.Wir koennten unsere Sachen im Haus abstellen und mit ihnen zusammen auf der Dachterasse schlafen, solange es noch nicht regnet. Wir koennten den grossen Swimmingpool in ihrem Garten jederzeit benuetzen und Mitessen zu einem fairen Preis sei kein Problem!

So konnten wir endlich zur Ruhe kommen und Urlaub von unserem Reisestress nehmen! In diesem kleinen Paradies verbrachten wir 5 Tage, trafen fast jeden Tag Johannes, wanderten in der Gegend und besuchten Caacupee, den paraquaischen Wahlfahrtsort; in der Nacht schliefen wir, bewacht von 8 Hunden. Einer davon fiel mir sofort auf, denn er hatte einen verkuerzten Vorderfuss. Die Antwort auf meine Frage bewegte mich sehr.

"Seine Mutter bekam ein "harmloses" Medikament gegen Beschwerden, welcher Art auch immer; einer der Jungen kam mit missgebildetem Bein zur Welt; die Einheimischen wollten ihn gleich toeten; ich kam zufaellig gerade vorbei und rettete ihn, wie fast alle anderen Hunde auch,die jetzt hier leben; die Paraquayos haben die Angewohnheit, die weiblichen Jungen gleich nach der Geburt auszusetzen; eine Sterilisation ist teuer und sie einfach dem sicheren Tod zu ueberlassen kostet nichts"

Was Johannes betraf, sahen wir der Begegnung mit sehr gemischten Gesuehlen entgegen; wuerden wir ihn als armen, entwurzelten Mensch, der mit seinem Schicksal hadert, erleben? Dem war ganz und gar nicht so! Wir erlebten ihn recht entspannt; es ist wahrlich nicht so, dass er herum haengt und die Zeit irgendwie totschlaegt. Nach einigen Orientierungsreisen in Paraquay (u.a. bei den Menonniten im Chaco) hat er beschlossen, sich keiner christlichen Organisation anzuschliessen, sondern seinen eigenen Weg zu gehen. Daraus zieht er tatsaechlich viel Kraft; er lebt ohne Alkohol und sonstigen Drogen und haelt sich auch von aeusseren Ablenkungen fern. Seinen Haushalt hat er auf ein Minimum reduziert; er lebt ohne Kuehlschrank und Waschmaschine und es scheint ihm damit gut zu gehen! Ausserdem nimmt er Spanisch-Unterricht und hat begonnen, Verse zu schreiben, die er aus seinen regelmaessigen Meditationen schoepft. Zeifellos ist Paraquay ein wichtiger Teil seiner Bestimmung und seiner Erfahrungen geworden!

Doch zurueck zu unseren Gastgebern: Sie haben ausser Hunden, auch Katzen, Pferde, Schweine, Ziegen, einen Teich mit Enten, Huehnern, Truthaehnen und Schildkroeten. In einem Kaefig streicht ein Nasenbaer herum, den Susanne vor dem Kochtopf der Nachbarn gerettet hat; diese Tiere sind sehr gefaehrlich; ein Weibchen, dass sie ihm zugefuehrt hatten, hat er eines Tages zu Tode gebissen!

Von Johannes erfuhren wir, dass die Familie Mormonen sind. Da waren wir wirklich ueberrascht; waehrend der Zeit unseres Aufenthaltes erlebten wir keinen einzigen Versuch uns zu missionieren oder irgendwie zu gaengeln.

Wir fuehrten sehr offene Gespraeche mit der Famile und erlebten sie als sehr tolerant! So kam es, dass wir uns in keiner Weise bedraengt fuehlten; man lies uns so, wie wir sind; wir spuerten keine Erwartung, mit ihnen am Sonntag in ihre Kirche zu gehen und die kurzen Gebete vor jedem Essen empfand ich als gute Anregung fuer Nina und mich.

Wir fuehlten uns so richtig gut auf der Hazienda; die nette, gastfreundliche Familie und die Umgebung taten das ihrige, das wir uns von jeglichen Weitereiseplaenen loesen und endlich einmal entspannen konnten. Gut gefiel mir auch, dass wir nicht in die Rolle von Fremdkoerpern gerieten; wir sassen zum Fruehstueck mit der Familie und den Arbeitern zusammen und erlebten hautnah, was es heisst, als auslaendische Familie und Grundbesitzer in Paraquay zu leben.

"Die Paraquayos legen viel Wert auf Ehre und sind sehr empfindlich, was Kraenkungen betrifft! Wenn einer meiner Arbeiter den Eindruck hat, dass seine Kollegen schlecht ueber ihn reden, ist dies ein Grund, von einem Tag auf den anderen nicht mehr zu kommen, selbst wenn er Familie hat und dies seine einzige Einnahmequelle ist! Das ist mir auch schon passiert und ich musste mit viel Diplomatie schlichtend eingreifen. Es geht auch nicht, einen Arbeiter zu kritisieren; auch das muss mit viel Fingerspitzengefuehl sehr diplomatisch formuliert werden. Unterdessen habe ich gelernt, gut mit den Eigenarten der Menschen hier zurecht zu kommen."

Die Burgers haben uebrigens eine sehr interessante Webside "www. reserva-ecologica.com". Ganz neu waren fuer mich die Moringa-Kapseln, die wir jeden Morgen, wie alle, die am Tisch sassen, zum Fruehstueck bekamen. Es soll ein wahres Wundermittel sein; um dies zu beurteilen, muessen wir es laengere Zeit einnehmen, was wir auch vorhaben. Sie haben uebriges in der Naehe extra ein Stuck Land gepachtet, auf dem sie Moringabaeume gepflanzt haben; jede Woche kommt ein junges Maedchen aus der Gegend und stellt mit einfachen Mitteln die Kapseln her.

An dieser Stelle muss nun ich doch Werbung fuer die Famile Burger und ihre Entdeckung betreiben.

Moringa – Oleifera oder der Baum des Lebens

Moringa ist ein vollkommenes und vollendetes Nahrungsmittel, das alle Nährstoffe enthält, die der Mensch vom Mutterleib an bis ins hohe Alter benötigt; eine Heilpflanze gegen fast alle körperlichen Beschwerden Doch der eiweißreiche “Wunderbaum” birgt noch weit mehr Überraschungen – und derart viele hochdosierte Vitamine und Mineralien, dass er Biologen in aller Welt fasziniert. In den Blättern sind 18 der 20 Aminosäuren nachzuweisen. Elf davon sind für den Menschen unentbehrlich. Moringa enthält so viel Vitamin A,B,C und E, Mineralstoffe, Eiweiß, Aminosäuren, Spurenelemente, Pflanzenbegleitstoffe und Chlorophyll wie keine andere Gemüse- oder Obstsorte. Die Blätter tragen diese Stoffe wie ein “Kraftpaket” in sich.

100 Gramm Blätter enthalten:

•4 mal mehr Vitamin A als Karotten

•7 mal mehr Vitamin C als Orangen

•4 mal mehr Kalzium als Milch •genauso viel Eiweiß wie Eier

•3 mal mehr Kalium als Bananen

•doppelt so viele Proteine wie Soja

Auch in der Vorbeugung vieler Augenleiden und bei Altersschwäche ist Moringa hocheffektiv.

Es liefert eine nährstoffreiche Nahrung besonders für Frauen während der Schwangerschaft oder Stillzeit. Zusammen mit dem hohen Vitamin-A-Gehalt ist damit nicht nur gewährleistet, dass genügend Muttermilch vorhanden, sondern auch, dass die Qualität der Muttermilch hochwertiger ist. Frauen, die sich mit Moringa ernähren, sind besser genährt und ihre Milch weist einen höheren Nährstoffgehalt auf. Auch die Neugeborenen haben ein durchschnittlich höheres Gewicht und sind gesünder.

Moringa ist wirklich ein faszinierender Baum – er schafft es sogar, Bakterien zu töten! [...] Man muss sich vorstellen: Um einen Liter Wasser bakterienfrei zu machen, braucht man gerade einmal 1/10 Gramm Moringa-Samen… (Ranga Yogeshwar in der SWR-Sendung “Die große Show der Naturwunder”) Die möglichen positiven Wirkungen von Moringa auf einen Blick (Ergebnisse von über 700 Forschungsarbeiten von namhaften Wissenschaftlern zu Moringa Oleifera):

•Aktivierung und Optimierung des Stoffwechsels und des Immunsystems

•Verringerung von Entzündungen

•Verminderung des Krebsrisikos

•Reduzierung des Körpergewichts

•Schutz der Augen und Sehkraft

•Faltenminderung der Haut

•Hemmung übermäßiger Magensäureproduktion

•Erhöhung und Erhalt der Knochendichte

•Senkung von Blutdruck, Cholesterin und Thromboserisiko

•Schutz für Herz und Kreislauf •Verbesserte Durchblutung der Niere

•Flexible und gesunde Gefäße

•Optimale Versorgung der Zellen mit Nähr- und Sauerstoff

•Entgiftung des Körpers •Verminderung von sog. “Freien Radikalen”, die den Körper schneller altern lassen und zu vielen Krankheiten führen können

•Regulierung des Säure-Base-Haushalts

•Verringerung von Wechseljahrs-Problemen

•Die allgemeine Krankheitsanfälligkeit gegenüber Erkältungskrankheiten und Allergien kann bis zu 70% vermindert werden.

Moringa Oleifera – oder der Baum des Lebens – ist der einzige uns bekannte Baum, dessen Blätter in getrocknetem Zustand noch mehr Wirkstoffe entfalten, als in frischem Zustand.

Ein kleines Erlebnis noch zum Schluss. Wir sassen im Schatten, unter einem Baum und ruhten uns gerade aus, als ploetzlich etwas Gruenes ueber unsere Decke huschte; ich sah gerade noch, dass es eine grasgruene Schlange war, die sich vom Baum hatte herunterfallen lassen! Laut Roland handelt es sich um eine ungiftige.

Aufgetankt konnten wir nach 5 Tagen unsere Reise Richtung der Iguazu-Wasserfaelle fortsetzen; doch vorher landeten wir noch in Ciudad del Este. Zum 1.Mal sahen wir und das direkt neben dem Busbahnhof, Slums und in der Gegend herumlungernde Gestalten. Schnell nahmen wir ein Taxi in die Innenstadt, um uns ein Zelt zu besorgen; auf die armen Menschen angesprochen, meinte er veraechtlich:

"Sie taugen zu nichts; wollen nicht arbeiten und haben deshalb selber schuld, dass sie so leben muessen!"

Die Stadt mit ihren grossen Parks gefiel uns, doch wir waren mit den Gedanken laengst bei den weltberuehmten Wasserfaellen; so reisten wir gleich weiter, kamen an der paraquayischen Grenzstation vorbei, wo der Bus nicht anhielt, durchquerten ein kleines Stueck Brasilien und reisten dann in Argentinien ein.


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