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Chile laesst uns nicht los!

Nach drei Naechten in Los Antiguos fuhren wir am 13.01.13 zurueck nach Chile; gleich nach der Grenze landen wir Chile Chico. Weiter geht es nur ueber den "Lago Carrera", um von dort unsere Reise nach Coyhaique fortzusetzen. Leider mussten wir feststellen, dass es erst fuer den kommenden Sonntag Tickets fuer die Faehre gibt. Doch das war kein Unglueck!

Chile Chico ist ein kleines Oertchen am See mit einem gemuetlichen Campingplatz, wo wir auch prompt Kontakt zu anderen Reisenden bekamen; wir kuehlten uns regelmaessig im See ab; zum Schwimmen war es leider zu kalt. Wir stiegen zum Aussichtspunkt hinauf und genossen den Ausblick von dort. Als wir nach einem Schuster fragten, schickten sie uns zum oertlichen Mini-Gefaengnis. Dort wurde ein Gefangener herbeigeholt, der uns fuer wenig Geld anbot, den kaputten Schuh zu reparieren. Nur wenige Stunden spaeter konnten wir ihn wieder abholen.

Am Sonntag fruehmorgens fuhren wir auf einem grossen Dampfer zwei Stunden auf dem Schiff ueber den See; die Fahrt war ruhig und gemuetlich, der Wellengang maessig. Am Hafen Ingeniero Ibañez angekommen, wurden wir gleich vom Fahrer eines Minibuses abgefangen, mit dem es fuer 4000 Pesos (6,30 Euros) nach Coyhaique ging.

Im Touristenbuero fragten wir nach einem Campingplatz; uns wurde "Ayelen" genannt; so liefen wir dann bei gluehender Hitze die Strasse in der Richtung zum hiesigen Nationalpark entlang. Der Weg nahm kein Ende; unser Ziel war offensichtlich ungenau auf unserem Stadtplan eingezeichnet! So stellten wir unser Gepaeck im Schatten ab und ich machte mich allein auf die Suche. Ca. 500m weiter fand ich ihn. Es handelte sich um ein grosses, auf den ersten Blick wenig gepflegt wirkendes Gelaende mit zweistoeckigen Haeuschen. Nach zweimaligem Fragen fand ich die Rezeption. Auf mein Laeuten hin oeffnte sich die Tuer einen winzigen Spalt und eine muerrisch dreinblickende aeltere Frau musterte mich misstrauisch. "Sie koennen nur hierbleiben, wenn Sie im voraus bezahlen, auf dem Zeltplatz 8000 Peseten fuer ein Zelt!" "Ist in Ordnung!" "Warten Sie um die Ecke!" Der kuehle Empfang stiess mich ab. "Wo bin da bloss gelandet? Habe ich etwas an mir, weswegen mich die Alte so unfreundlich behandelt? Sind es meine langen Haare, mein Image des armen Rucksacktouristen?" So zoegere ich und denke schon an einen Rueckzug; vorsichtig begebe ich mich auf die andere Seite, wo sich eine Terasse befindet. Da kommt mir schon ein Mann, Ende Dreissig, mit forschem Schritt entgegen und streckt mir seine Hand hin.

"Wollen Sie einen Platz nahe am Eingang oder wollen Sie lieber ganz unten am Fluss campen?"

Und schon waren wir auf dem Weg nach unten; es ging 50 m einen Huegel hinab, bis zu einer Wiese neben dem Fluss. Dort befand sich eine grosse Huette mit einer Kochstelle mit Tisch, Stuehlen, Toiletten und Dusche. Wer haette das gedacht! Die auf den ersten Blick langweilige, uninteressante Anlage, beinhaltet so einen paradiesischen Platz, genau das richtige, um meinen entzuendeten Zeh zu kurieren. Ich bin echt angetan und hole gleich Nina. Ausser uns steht nur ein Familienzelt auf der Wiese; seine Besitzer reisen gleich am naechsten Morgen ab. Von da an sind wir ganz allein und geniessen dies in vollen Zuegen: Schwimmen, faul in der Sonne liegen und nichts tun!

Nach drei Tagen faulenzen kuemmern wir uns um die Weiterfahrt. Leider sind die Busverbindungen zu unserem naechsten Ziel, El Chaiten schlecht und die Strasse dorthin zum groessten Teil nicht asphaltiert. So beschliessen wir, die Strecke in zwei Teile aufzuteilen. Die erste Station soll Puyuhuapi sein, ein winziger Ort, idyllisch an einem Fjord gelegen; es herrscht wunderbares Wetter und das, obwohl uns ein Einheimischer erzaehlte, es wuerde dort 350 Tage im Jahr regnen! Seit ueber einer Woche haben wir wunderbarstes Sommerwetter, fast schon zu heiss fuer unseren Geschmack! Kein Wunder, dass wir den Begriff von den patagonischen Hundstagen gepraegt haben!

Puyuhuapi ist wirklich ein schoener Ort und das Wasser der Fjords ist warm genug, um einmal richtig ausgiebig zu schwimmen; schade ist nur, dass es weder Geldautomat noch Bank gibt und "Chile Express", die einzige Moeglichkeit, an Geld zu kommen, geschlossen hat. Angeblich koennen wir den verantwortlichen Mann morgen treffen.

So trampen wir erst einmal zum Nationalpark "Queulat". Eine halbe Stunde stehen wir auf der staubigen Strasse, bis uns der Manager einer Lachsfarm 15 km bis zu seinem Arbeitsplatz, der mitten im Fjord liegt, mitnimmt; es werden dort 6000 Lachse herangezogen, jeder 5kg schwer. Der Mann ist ganz begeistert von seinem Job; als ich ihn vorsichtig auf den viel zu engen Lebensraum fuer die vielen Tiere anspreche, weicht er sofort aus; trotz unseres offensichtlichen Interesses ist er nicht mehr gewillt, uns zu einer Besichtigung einzuladen!

Wieder am Strassenrand stehen wir da; jedes Auto wirbelt eine Menge Staub auf, die Sonne knallt vom Himmel und kaum im Schatten, stuerzen sich grosse Insekten mit rotgelbem Brustteil auf uns. Sie heissen in Chile Tabanos und sehen auf den ersten Blick wie Hummeln aus; nur wenige stechen, doch deren Stiche jucken ausserst unangenehm. So stehen wir am Strassenrand und schlagen nach den Tabanos; Ich zaehle die wenigen vorbeikommenden Autos und die erschlagenen Biester; nur noch sieben Autos oder acht erschlagene Insekten und wir gehen hinab zum Fjord, baden dort und kehren dann spaeter nach Puyuhuapi zurueck. Da haelt doch ein grosser Lastwagen mit einem aelteren Mann mit langen weissen Haaren am Steuer.

Zehn Minuten spaeter sind wir am Eingang des Nationalparks. Nachem wir 16 Euros bezahlt haben, wandern wir durch eine Landschaft mit Fuchsien, Nalca (Rhababeraehnlichen Pflanzen), Alerce und uebermannshohen Farnen. Dann geht es ueber eine abenteuerlich schwankende Bruecke zu einem See, an dessen Ende hoch oben in den Bergen ein Gletscher glitzert. Man kann mit einem Motorboot dorthin fahren, doch uns fehlt das Geld dazu; so bleibt uns nur, die Fuesse vom Steg ins Wasser baumeln zu lassen, die Kuehlung zu geniessen und den Gletscher von der Ferne zu bewundern.

Wieder zurueck in Puyuhuapi springen wir in den Fjord; das Wasser hat nur wenig Salzgehalt und ist viel waermer als der Pazifik. An diesem Oertchen laesst es sich aushalten; doch als wir uns nach der Weiterfahrt nach El Chaiten erkundigen, faehrt uns ein Schreck durch die Glieder. Es gibt nur zwei Busse in der Woche, der naechste faehrt morgen und wir haben kein Geld, die Fahrt zu bezahlen. Wir sind eh´ schon dazu uebergegangen, uns nur noch in Laeden zu versorgen, nicht mehr Essen zu gehen; doch es hilft alles nichts, wir kommen mit unserem Geld nicht mehr nach El Chaiten und kein Gelodautomat weit und breit: Auch der Mann von "Chile Express" ist nicht ausfindig zu machen! In der Not wenden wir uns an das Touristenbuero; die Dame dort telefoniert herum; da tritt eine aeltere Frau herein. Es ist die deutsche Leiterin des "Casa Ludwig".

"Natuerlich kann ich Ihnen Euros in Pesos umwechsweln. Kommen Sie nur mit!" Und schon war das Problem geloest und wir bald auf dem Weg nach El Chaiten.


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