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Chiloé

Vier Stunden dauerte die Fahrt nach Quellon auf Chiloé und noch einmal 1 1/2 Stunden mit dem Bus nach Chonchi. Dort befindet sich ein kleiner Campingplatz, eigentlich ein Garten hinter einem kleinen Häuschen; der Besitzer ist ein gastfreundlicher Mann mittleren Alters mit Bart. Die einzigen Camper außer uns uns sind junge Chilenen, etliche davon mit Fahrrädern unterwegs.

Chiloé ist ein Inselarchipel, auf deren Hauptinsel wir uns jetzt befinden. Die Häuser sind mit Holzschindeln verkleidet, die alle in Handarbeit hergestellt werden. Besonders beruehmt ist Chiloé wegen seiner farbigen Holzkirchen und -kapellen. Es gibt ueber 100. Viele davon sind mehrmals abgebrannt, wurden aber in traditioneller Bauweise immer wieder aufgebaut. 16 von ihnen wurden 1998 in das Welt-Kultur-Erbe aufgenommen.

Auf Chiloé ist es kühler als auf dem Festland; der Himmel und die Sonne sind oft von Wolken verdeckt. Aber es regnet trotzdem zuwenig und die Insel wird immer wieder von Waldbränden heimgesucht. Bewohnt ist sie erst seit ca.6000 Jahren. Die Inselbevölkerung lebt noch stark nach alten Traditionen; das typische Instrument ist das Akkordeon,eingeführt von den Spaniern; es gibt sogar ein Museum dieser Instrumente. Eine Menge Legenden mit magischen und zum Teil schwarzmagischen Wesen, die sich den Menschen mit sexuellen Avancen nähern und ihnen den Verstand rauben, wie der "Trauco" oder die "Sirena", begleiten die Bewohner bis heute; ich habe mich lieber nicht damit befasst!

Chonchi ist ein nettes kleines Örtchen mit 12000 Einwohnern, am Pazifik gelegen; an der Strandpromenade befindet sich ein Markt, in dem es Empanadas (Teigtaschen, gefüllt mit Meeresfrüchten) gibt, eine Rarität, die uns vorzüglich schmeckt.

Nach drei Tagen unternehmen wir einen Abstecher nach Castro, der Hauptstadt von Chiloé, wo es uns ebenfalls gut gefällt; wir besuchen die wunderschöne Holzkirche, die mit ihren gelblila Farbtönen von weitem auffällt. Gleich am ersten Abend gibt die chiloische Liedermacherin Vasti Michel,die uns in ihrer eigenwilligen Art, Musik zu machen, sehr gut gefiel, ein Konzert im hiesigen Kulturzentrum, Veranstaltungen dieser Art sind übrigens gratis; sie werden zu 100% von der jeweiligen Stadt und der chilenischen Regierung finanziert.

Nach zwei Tagen sind wir nach Chonchi zurück, denn bei unserem ersten Aufenthalt war ich auf ein Plakat gestossen, dass ein Open-Air-Konzert der chilenischen Kultband der 70er Jahre, in der Zeit von Allende, "Inti Illimani" ankündigte; sie zählten zu den musikalischen Wegbereitern der sozialistischen Bewegung, die in freien Wahlen an die Macht kam. 1973 kam es zum Militärputsch durch den General Pinochet. 100000 Menschen wurden ins Fußballstadion von Santiago de Chile verschleppt, dort gefoltert und zum größten Teil getötet, unter ihnen der bekannteste Liedermacher Chiles, Viktor Jara. Inti Illimani entkamen, da sie sich gerade auf einer Auslandstournee befanden. Mit den vielen Flüchtlingen, die damals nach Deutschland kammen und dort erfolgreich politisches Asyl beantragten, kam auch deren Musik in meine Heimat. Dass es Inti Illimani nach 40 Jahren immer noch gibt, wusste ich nicht. Diese Band hier in Chonchi kostenlos hören zu können, war Grund genug, eine ganze Woche auf Chiloe zu bleiben.

Einen Tag vor dem Konzert kehrten wir deshalb nach Chonchi zurück; der Besitzer des Campingplatzes empfing uns mit sichtlicher Freude; wir waren die einzigen Gäste in seinem Garten. Den nächsten Tag benutzten wir dazu, den Nationalpark von Chiloe zu besuchen; er besteht aus einem Stück alten Waldes, der im Urzustand gelassen wird und einer Dünenlandschaft, die bis zum Pazifik reicht. Wir sind bis dorthin gegangen und überquerten dabei einen Fluss, der paralell zum Pazifk fließt, bevor wir das eiskalte Meer erreichten. Das Wetter schien umzuschlagen; beim Blick zurück sahen wir in eine von dichtem Nebel verhangene Landschaft; es wehte ein kühler Wind.

Wenn bloß das Konzert nicht wegen schlechtem Wetter ausfällt! Zurückgekehrt hörten wir, das es auf einen überdachten Platz nahe der städtischem Turnhalle verlegt worden war; die Zuschauer mussten allerdings im Freien stehen. Der leichte Regen störte uns allerdings am wenigstens; doch die miserabel eingestellte Anlage schmerzte in meinen Ohren. Von der alten fünfköpfigen Besetzung sind drei ältere Herren übriggeblieben, die von fünf anderen Musikern verschiedenen Alters begleitet wurden. Ihr Schwerpunkt liegt nicht mehr so auf politischer Agitation (Inti Illimani war die Band, die Anfang der 70er Salvador Allende im Wahlkampf massiv unterstützten und schließlich auch zum Sieg verhalfen), sondern auf der Musik, die eine Mischung aus traditioneller und moderner Rockmusik ist. Die Musiker wirkten sehr engagiert und voller Spielfreude, doch der Sound ... Wirklich schade, doch das Publikum schien sich nicht daran zu stören; es klatschte und sang begeistert mit. Am Ende des Konzertes wollten wir eine CD erstehen, stießen zu unserem Erstaunen mit unserer Frage an der Bühne danach auf Ratlosigkeit. Nach 10 Minuten Warten hieß es - es gibt keine zu kaufen; da müsst ihr schon in einer größeren Stadt in einen CD-Laden gehen!

Eine Woche waren wir in Chiloé gewesen, als wir den Bus nach Puerto Mont bestiegen, um dort im "Casa Perla" zurückgelassene Sachen abzuholen. nach kurzem Aufenthalt ging es weiter nach Frutillar am "Lago Llanquihue", einem See, größer als der Bodensee. Damit haben wir Patagonien verlassen und sind im großen Seengebiet angekommen.


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