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Frutillar

Laut "Lonely Planet" ein verschlafenes Örtchen, das nur zu den internationalen Konzertwochen Ende Januar/Anfang Februar aus seinem Schlaf erwacht. Von wegen; es handelt sich um eine Touristenhochburg für ältere Semester. Es wimmelt nur so von Restaurants und Cabanas (Häuschen) zum Mieten, doch mit Supermärkten und Internet sieht es schlechter aus. Reiseagenturen gibt es überhaupt nicht, dafür aber einen "Club Aleman" mit den Wappen von Schlesien und Böhmen am Eingangstor (ein Hort von Reaktionären?).

Der im "Lonely Planet" angegebene Campingplatz ist 2km entfernt; Taxistand gibt es in Frutillar nicht und eines telefonisch zu bestellen, kostet entsprechend und ist mit einer ungewissen Wartezeit verbunden. Also zu Fuß; der Weg erweist sich als endlos; erschöpft halten wir inne; da kommt ein älterer Mann vorbei und sagt, dass es nicht mehr weit ist. Ich mache mich ohne Gepäck dorthin auf; ich werde ausgesprochen unfreundlich empfangen. "Kein Platz für Zelte!" Dabei gibt es genügend Platz zwischen den Cabanas, die von Familien bewohnt werden. Auch der Hinweis auf meine Erschöpfung und die Bitte um eine Ausnahme für eine Nacht fruchten nichts.

Wir beschlossen, zurück zu trampen; nach einer Weile hält ein Lieferwagen mit Arbeitern; einer macht sogar im Auto Platz für Nina und steigt zu mir auf die offene Ladefläche. Wieder im Ort, quälen wir uns bergauf zum einzigen Campingplatz und werden in der Dämmerung von Mücken empfangen. Der Campingplatz gehört einem Bauern, der gleich daneben auf einer Wiese Kühe hält; es laufen Enten zwischen den Zelten umher und nahe am Eingang befindet sich eine große Wasserpfütze, in der sich den ganzen Tag Insekten tummeln. Schlechte Aussichten für einen angenehmen Aufenthalt!

So flüchten wir vor den Mücken erst einmal an den See; kalt soll er laut "Lonely Planet" sein; von wegen; er ist warm, wie die Seen in Oberbayern im Sommer! Na also! Man muss eben nur das Beste aus der jeweiligen Situation machen! In der Nacht nackt im See zu schwimmen; das macht richtig Spaß; in meiner Jugend war dies ein Ritual!

Am nächsten Tag schaue ich mir den Ort an; ein großes Konzerthaus am See fällt mir sofort ins Auge; leider werden dort nur klassiche Konzerte aufgeführt. Die Wohnhäuser erinnern etwas an den Schwarzwald; an einigen ist unter dem Dachgiebel ein Hirschgeweih angebracht, ein anderes hat eine Riesenuhr an der Vorderfront. Überall Schilder "Kuchen"; fürwahr es deutschelt hier!

Als ich genug gesehen habe, nehme ich den Bus nach Puerto Varas, laut "Lonely Planet" ein "deutsches Städtchen mit kauzigen Omas"; keine Spur davon - es handelt sich um eine Kleinstadt, voll touristisch; dagegen hat Frutillar ein gewisses dörfisches Flair. Der einzige Campingplatz ist ein Hostal mit Garten, liegt auf einem Hügel, also abseits vom See und dort ein Zelt aufzustellen, kostet mehr als das Doppelte als in Frutillar. Ja wenn das so ist!

Wieder zurück in Frutillar gehen wir am Abend in einer kleinen Nebenstraße in ein Restaurant. Die Besitzerin und ihre Familie kümmern sich persönlich um uns. Als sie hört, dass wir auf dem "Mücken-Zeltplatz" campen, bietet sie uns gleich ihren Garten an, in dem wir allerdings keinen ebenen Platz gesehen haben. Als sie unser Zögern bemerkt, führt sie uns ins Haus, in dem es sehr unordentlich aussieht. Sie zeigt auf den Teppichboden; dort zu schlafen, habe ich wegen meiner Stauballergie keine Lust; wir ziehen es vor, doch auf dem Zeltplatz zu bleiben. Trotzdem eine nette Geste und so gehen wir am nächsten Abend noch einmal bei ihr essen. Wir geniessen den imposanten Ausblick auf den Vulkan Osorno am anderen Seeufer.

Auf dem Rückweg kommen wir am "Club Aleman" vorbei; da scheint einiges los zu sein und wir wollen einen Blick hinein werfen; sofort werden wir von einem älteren Mann angesprochen und schon stehen einige andere Deutsche um uns herum. Sein Urgroßvater ist schon um 1850 nach hierher ausgewandert und die Anderen sind fast alle, ebenfalls Nachkommen von Auswanderern dieser Zeit. "Der See war damals ohne Zugang, inmitten von undurchdringlichem Urwald; es war eine Pioniertat, die Gegend hier urbar zu machen und forderte ihre Opfer." Mein Großvater sagte immer "Den ersten der Tod, den nächsten die Not und den Dritten endlich Brot!"

Als ich am nächsten Tag den steilen Weg bergab Richtung Ort gehe, hält ein Auto an; der Fahrer ist der Veranstalter des hiesigen Bierfestes und er lädt uns gleich ein, dorthin zu kommen. Wir erfahren, dass es gerade gegenüber dem Campingplatz stattfindet. Noch eine weitere unangenehme Nachricht höre ich aus seinem Mund, nämlich, dass in zwei Tagen in der Gegend die Ferien anfangen und es dann hier nur so von Touristen wimmelt.

"Ach, ihr wollt keinen Trubel, zieht einen ruhigeren Platz vor? Da kann ich euch den Nachbarsee "Todos los Santos" empfehlen; ihr könnt mit dem Bus nach Petrohue fahren, eine Siedlung, die an seinem Ufer liegt. Von dort aus könnt ihr Ausflüge in zwei verschieden Nationalparks unternehmen, einer davon liegt am Fusse des Osorno!" Also nichts wie hin!


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