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Suedamerika 17.10.12
 
Es war ein Flug von Madrid aus in eine unedliche Nacht, insgesamt 13 1/2 Stunden!
8 Uhr moegens - noch keine Spur eines Sonnenaufgangs, das Gleiche um 9 Uhr, 10 Uhr; endlich um 11 Uhr beginnt es langsam zu daemmern. Der Zeitunterschied betraegt 5 Stunden und die Zeit umgestellt, fuehlt sich alles gleich ganz anders an.
 
Chile 1:  
 
Wir sind in Santiago de Chile angekommen!
Unsere erste Station ist das "Hostal International" in der Calle Cien Fuegos; 25 Euro pro Nacht fuer uns beide in einem 6 Bettenraum; Fruehstueck ist inbegriffen.
In Santiago ist es vormittags neblig und es weht ein kalter Wind von den Anden; Mittags verschwinden die Wolken und der Fruehling bricht durch. Die Stadt ist voller kleiner umd grosser Parks, in denen sich schmusende Paerchen tummeln. Als ich Ana, unserer chilenischen Bekannten erzahle, dass Muenchen die Stadt der Singles genannt wird, schuettelt sie verwundert den Kopf.
Santiago besteht aus alten Kolonialbauten gemischt mit einfachen Neubauten; ganz moderne Viertel mit Hochhaeusern gibt es auch; es erinnert mich an Bratislava.
 
Bei unserem ersten Erkundigungsgang landen wir auf dem "Plaza de las Armas", wo es sehr laut und lebendig zugeht. Die Komunalwahlen stehen kurz bevor und ueberrall laufen Menschen mit Lautsprechern herum und werben fuer ihre Kandidaten. Gleich daneben Prediger, die Propaganda fuer ihren alleinigen Heilsweg machen. An der Ecke, vor einem Kaufhaus treibt ein Phantomime sein Unwesen; er Mann mit Motoradhelm auf Rollschuhen preist DVD´s mit den Auftritten des Clowns an. Wir sitzen auf einer Bank und verfolgen das Geschehen mit Interesse.
 
Da setzt sich ein alter Mann zu uns auf die Bank und spricht uns auf Deutsch an. Er war bei den ersten Schuelern des Goethe-Instituts; er erzaehlt uns viel von der Geschichte der deutschen Einwanderer in Chile.
Mich interessiert mehr die Geschichte von Allende und dem Militaerputsch. Was er davon erzaehlt, steht im voelligen Wiederspruch zu dem, was ich darueber gehoert habe, naehmlich, dass die USA den gewaehlten Praesidenten nicht akzeptierten und der CIA massiv am Militaerputsch beteiligt hatte.
Bei Interesse schicke ich euch gerne den Inhalt dieses Gespraeches zu!
 
Chile 2:
 
Chile wirkt sehr europaeisch auf mich; alles ist sauber, hygienisch und hat eine gut funktionierende Infrastruktur. Busse fahren puenktlich und in alle Richtungen. Die Menschen sind aufmerksam, aber nicht aufdringlich.
Gerade finden Buergermeisterwahlen statt und das sieht so aus, dass auf den grossen Plaetzen richtige Auffuehrungen mit Musik und Tanz stattfinden, wobei die Anhanger der jeweiligen Partei mit viel Enthusiasmus mitmachen. Gerada kamen wir bei einer Kundgebug der "Orangen"vorbei. Mit eingeuebten Schritten, die der Redner vorgab, bewegt sich die ganze Anhaengerschar vor und zurueck. Wir bekamen gleich ein Kaertchen mit dem Kandidaten zugesteckt:
"Sorry, wir sind keine Chilenen", "macht nichts, nehmt es als Souvenier in eure Heimat mit".
Die Chilenen sind stolz auf ihre Nation; ueberall haengen die Nationalflagge und Banner mit dem Spruch "Viva Chile".
Koennten wir uns in Deutschland Banner mit der Inschrift "Es lebe Deutschland" vorstellen?
 
Weniger begeistern uns die Essensgewohnheiten: Mc.Donalds und Coca Cola sind ueberall present; es gibt auch Fruchtsaefte in Flaschen, mit 30 % Zuckeranteil, die Suessigkeiten sind voellig ueberzuckert,aber wo im Sueden gibt es schon Kuchen und Gebaeck wie in Deutschland?
Es gibt aber auch Gutes zum Essen, wie die Empanadas (Teigtaschen mit verschiedenen Fuellungen) und frischen Fisch.
 
Zu den Preisen:
Zimmer sind ca. 20% billier als in Deutschland, desgleichen Essen in einem Restaurant.
 
Busse sind deutlich billiger.
 
Zu Nationalparks, Observatorien kann man nicht so einfach selbst hinfahren; man muss bei einem Reisebuero buchen und oft schon vorher reservieren. Das beruehmteste Observatorium ist Wochen voraus ausgebucht.
Im allgemeinen sind Besichtigungstouren teuer, vergleichbar wie in Deutschland, doch sind die Erlebnisse spektakulaer, wie z.B. der Humboldpark in der Wueste mit seinen Pinguinen.
 
Zur Sicherheit:
In Santiago sind nachts die Strassen voller junger Leute - es ist absolut sicher, vergleichbar wie in Muenchen. Ich habe nicht von einem einzigen Fall gehoert, dass Touristen bedroht, bestohlen oder beraubt wurden.
Nur in den Grenzstaetten muss man sich vor Taschendieben in Acht nehmen - ein angenehmes Gefuehl, sich frei wie zuhause bewegen zu koennen.

 
Chile 3:
 
Unterdessen sind wir in La Sirena, 6 Stunden Busfahrt weiter noerdlich, einer Stadt am Meer mit 150000 Einwohnern.
Abgestiegen sind wir im "Casa Maria", einem sehr schoenen gemuetlichen Guesthouse mit Garten und freundlicher Besitzerin.
Von dort aus gibt es einige gefuehrte Touren; wir sind auf diese Weise zum Observatorium "Mamalluca" gekommen. Es gibt groessere und interessantere Observatorien, doch dorthin kommt man nur mit wochenlanger, vorheriger Anmeldung; ausserdem ist das mehr was fuer Technikfreaks!
Wir blickten durch ein Fernrohr auf den Mars und den Mond; mit einem Laserpoint zeigte uns der Leiter einige der bekanntesten Sternbider; er erzaehlte uns, dass die Inkas und viele andere Voelker schon vor langer Zeit die gleichen Fomationen sahen, aber anders interpretierten. Sie sahen Fuchs, Lama, Schlange und Voegel. Die Milchstrasse haben sie als Fluss gesehen und die dunklen Flecke als Tiere, die daraus trinken.
Wie sich die Seeleute auf der Suedhalbkugel orientiert haben? Am Kreuz des Sueden, das man  in unseren Breiten nicht sieht!
 
Die 2.Tour, die wir unternommen haben, ging ins "Reserva National de Humbold", dem noerdlichsten Ort, an dem man Pinguine beobachten kann und das sogar in der Wueste; das liegt am Humboldstrom, der kalte Stroemung bis in diesen Breitengrad bringt; mit ihm kommen auch die Pinguine und andere in der Antarktis vorkommenden Tiere.
Apropos kaltes Wasser; bisher haben wir nur junge Leute in Neopren-Anzuegen im Meer schwimmen sehen - so kalt ist das Wasser!
Die Tour fuehrte uns zuerst stundenlang auf der Transamerika entlang; dann bogen wir auf eine Sandpiste Richtung "Punto de los Chorros" ab. Dort bestiegen wir ein Boot und schipperten um die Insel "Los Chorros" herum. Auf der Ueberfahrt begegneten wir Gruppen von Walen. Auf der Insel sahen wir drei verschiede Arten von Komoranen, Pelikanen, Seeloewen und natuerlich Pinguinen. Im Hintergrund kahle Felsen und Kakteen. Wir konnten ganz nahe an sie heranfahren, denn die Tiere kennen den Menschen nicht als Bedrohung.
 
Danach fuhren wir eine andere Insel "Las Damas" an, wo wir auf festgelegten Pfaden die Insel erkunden konnten.
Die Felseninsel, die von weitem kahl und ohne Leben erscheint, entpuppte sich beim Landgang als einzigartiges Biotop. Auf der einen Seite ging es durch eine bizarre Felsenlandschaft steil nach oben, auf der anderen Seite durchquerte ich grosse Felder von Kakteen; es gab welche, die kreisrund in Nestern angelegt waren, andere, die von flechtenartigen Gebilden ueberwuchert waren. Wuestenartige Gegenden sind mir ja nichts neues, doch hier begegnete ich einer mir bisher unbekannten Fauna.
 
Zurueck in unserer Unterkunft knuepften wir Kontakt zu einem aelteren Mann, ein Franzose; er ist seit 2 Jahren unterwegs, war in allen Laendern Amerikas ausser Uruquay; 30 Jahre lang hatte er ein Gaestehaus in Madagaskar und ist jetzt in Rente - ich bin also nicht der Einzige in den 60ern! Mit ihm warnte uns wieder einmal jemand vor Peru (Taschendiebe) und riet uns zu Bolivien, wo ein Sozialist und der einzige Indio (Evo Morales) Staatspraesident ist (Hmm!)
 
Unterdessen sind wir in San Pedro de Atacama. Die Nachtfahrt von La Serena nach Calama dauerte 16 Stunden; uebernaechtigt kamen wir dort an; nach einer Stunde Wartezeit ging es weiter nach San Pedro. Kurz davor war ich fest eingeschlafen; Nina weckte mich: "Wir sind da!" Ich griff schnell nach meinem Tagesgepaeck, in dem ich Camera, Woerterbuch und Brille hatte. Draussen wurden schon unsere grossen Rucksaecke herausgereicht. Schnell alles zusammengerafft und ueberprueft, wo genau wir sind und wo wir hinwollen; das Gaestehaus "Vilacoyo" war am naechsten. Dort einchecken, in unser neues Zimmer einziehen, auspacken. Zuletzt nehme ich mein Tagesgepaeck - die Camera fehlt, das gibt es doch gar nicht! Unterwegs hatte ich sie herausgenommen, wollte ein paar Fotos von der Atacama-Wueste schiessen, dann doch nicht. Habe ich sie etwa nicht zurueckgesteckt? Ich kann es nicht fassen, alle Fotos sind weg, die von den Pinguinen in der Wueste, den Seeloewen und Voegeln. Schnell lief ich ins Buero der Busgesellschaft und setzte eine Belohnung von 50 Euros Finderlohn aus.
Da muesste doch was gehen, denn der Finder wird ohne das entsprechende Aufladegeraet fuer den Akku keine Freude an der Camera haben! Doch es half nichts - diesen Schock muss ich erst einmal verdauen!
Viel lief an diesem Tag nicht mehr; wir haben uns erst einmal ausgeschlafen.
 
Nina setzte die ungewohnte Hoehenluft zu, vom La Serena am Meer auf 2700 Meter!.Also gingen wir auf den Markt, Cocoblaetter kaufen und einen Teeaufguss daraus machen; es wirkte, nicht wie ein Halluzinogen, sondern eher wie ein Heilmittel!
 
Am naechsten Tag, wieder gut in Form, brachen wir um 7.15 Uhr zu Fuss auf; unsere erste Station war "Pukara el Quitor", eine restaurierte Ruinenfestung der Ureinwohner, der Atacameños; man sieht nur noch die Mauern, die Wege sind broeckelig. Ich bin nicht sehr begeistert, doch das Museum gibt einen guten Ueberblick ueber die Geschichte der Indios in dieser Gegend. Ich wusste gar nicht. dass Chile dicht von verschiedenen Staemmen besiedelt ware, bevor die Spanier das Land in Besitz nahmen. Von deren Geschichte und Kultur ist nur wenig uebriggeblieben!
 
Nach einer kurzen Pause geht es weiter durch ein weites Tal mit einem Fluss, den wir mehrmals durchqueren mussten - nur einmal mussten wir unsere Schuhe ausziehen. Nach einer Stunde snd wir im "Quebrado del Diablo", der Teufelsschlucht gelandet und die ist tatsaechlich ein Erlebnis. Ein schmaler Weg durch hohe Felsen, keine Pflanzen und weit und breit  kein Lebewesen zu sehen. Wie in einer anderen magischen Welt kamen wir uns vor; langsam wurden die Felswaende niedriger, der Weg breiter. Wir muessen also bald am Ende des Weges sein, von wegen; insgesamt waren wir schon 45 Minuten in der Schlucht unterwegs. Wir beschlossen, umzukehren und als wir wieder an der Infotafel vorbeikamen, stellten wir fest, dass unsere Entscheidung richtig war; es sind 8 km durch die Schlucht und dann waeren wir erst an einer verlassenen Kapelle vorbeigekommen! Unterdessen war es Nachmittag geworden und ich fuehlte mich voellig erschoepft; da kam ein Auto, es sassen eine sehr lebhafte Chilenen mit ihrem peruanischen Mann darin; sie nahmen uns bis nach San Pedro mit.
 
Am Spaetnachmittag besuchten wir noch das Museum "Padre le Peige"; dort soll sich die groesste Sanmmlung von Mumien aus prekolumbianischer Zeit befinden. Doch zu meiner Enttaeuschung war nichts davon zu sehen; stattdessen nur langweiligen Gebrauchsgegenstaenden in schlechtem Zustand. Beim Herausgehen sah ich einen Bildschirm, auf dem gerade ein Video zum Thema "Warum die Mumien des Museums entfernt wurden" ausgestrahlt wurde. Ich setzte mich sofort auf einen Stuhl und folgte dem Film.
Die Ureinwohner der Gegend, die Atacameños, zu deren Schutz es seit kurzem ein Gesetz gibt, hatten sich bitter darueber beschwert, dass ihre Ahnen in diesem Museum zur Schau gestellt werden.
Wissenschaftler dagegen agumentieren, dass die Fundstuecke 1000e von Jahren alt sind und dass weder ihr Namen noch ihre Verwandschaft mehr festgestellt werden koennten. Ueberall auf der Welt werden Mumien in archelogischen Museen ausgestellt und es hat sich noch niemand darueber beschwehrt ausser jetzt die Atacameños.
Als Hintergrundbericht:
Jahrhundertelang hatte sich niemand fuer die Geschichte und Kultur der indianischen Voelker interessiert; in Chile war der Pater Le Peige der erste, der systematisch Ausgrabungen unternahm; er hatte festgestellt, dass die Atacamawueste der einzige Platz in Chile ist, an dem jahrhundert/ jahrtausendalte Funde erhalten geblieben sind. Diese Tatsache hatte sich auch sofort bei Grabraeubern herumgesprochen, die besonders in Peru bei ihren Raubzuegen einzigartige Funde unwiederbringich zerstoert hatten. In Chile war besagter Pater schneller  und hat einzigartige Funde von Mumien fuer die Nachwelt gerettet und damit entscheidend an der Erforschung der Kultur prekolumbianischer Voelker mitgewirkt.
Und jetzt wird sein Lebenswerk ploetzlich von den Ureinwohnern als Grabschaendung bezeichnet! Sie bestehen darauf, dass die Mumien ihrer Ahnen wieder beerdigt werden, fragt sich nur wo und wie. Ruhe finden werden sie nicht, denn es ist in ganz Suedamerika ein Riesengeschaeft, alte Graeber und andere Fundstaetten auszupluendern und die besten Fundstuecke an reiche Sammler in aller Welt zu verkaufen
Ich kann die Argumente der Atacameños und Indios an anderen Orten sehr wohl verstehen, bezweifle andrerseits aber, dass sie in der Lage sind, ihre Ahnen so zu beerdigen, dass sie vor Grabraubern geschuetzt sind.
Ausserdem empfand ich das Museum ohne die Mumien als langweilig!
 
Valle de la Luna: Ein spektakulaerer Ausflug in der Naehe von San Pedro! Es geht durch eine faszinierende Mondlandschaft mit bizarrren Felsformationen, die das Ergebnis massiver Erosionsprozesse sind. Wir haben uns der spanisch sprechenden Gruppe angeschlossen und unser Fuehrer traute sich mit den jungen Leuten Dinge zu, die einem Normaltouristen vorenthalten bleiben. Wir wurden in die Hoehle "Chulacao-Hoehle" geschickt, unser Leiter kam mit einer starken Leuchte nach.
Kurze Hoehlenbesichtigung, von wegen! Wir waren 45 Min in dem Hoehlenkomlex unterwegs, teilweise auf allen Vieren, unter- und oberirdisch. Zweifellos war es die groesste Herausforderung seit meiner Knie-OP vor 12 Monaten!
Am Ende stapften wir auf die grosse Duene, um von doert dem Sonnenuntergang beizuwohnen. Klingt gut, doch leider ging rd zu, wie auf dem Stachus in Muenchen; etwa 150 Jugendliche, die nur Bloedsinn im Kopf hatten, zerstoerten die feierliche Abendstimmung! Nina und ich machten uns moeglichst bald wieder aus dem Staub und genossen ein ganzes Stueck weiter unten das "Andengluehen", bevor die Nacht herinbrach.
 
 

 

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