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Perito Moreno und das Fitz-Roy-Massiv

Da will doch jeder Depp hin, wir aber nicht! Ausserdem kostet es zuviel, wie alle Hauptaktraktionen fuer Touristen; diese sind ja bekanntlich so bloed, dass sie alles bezahlen! Von Puerta Natales aus z.B. an die 100 Euros! Doch die Berichte anderer Rucksackreisenden lassen uns keine Ruhe: "Fahrt doch mit einem normalen Bus nach Calafate und von dort mit einem Pendelbus direkt in den Gletscherpark! Und wenn ihr schon einmal dort seid, fahrt danach weiter ans andere Ende des Nationalparks nach El Chalten zum Fitz Roy-Massiv. Dort kostet es keinen Eintritt und ihr koennt jede Menge Wanderungen und Bergtouren jeglichen Schwierigkeitsgrades unternehmen!"

Also noch einmal zurueck nach Argentinien; in Calafate war es ungewoehnlich warm; zum ersten Mal in Patasgonien lief ich nicht in langen Unterhosen und Unterhemd herum. Auch am 5.01. schien schon fruehmorgens die Sonne; wir fuhren um 8.15 Uhr mit einem Regionalbus in den"Parque Los Glacieres", wo sich der Perito Moreno befindet. Die Fahrt kostete 40 Euros, incl. Eintritt in den Park. Je naeher wir dem Park kamen, umso schlechter wurde das Wetter. Unser erster Halt war eine Schiffsanlegestelle; die Fahrt zur Suedseite des Gletschers und ein einstuendiger Aufenthalt dort kostete 15 Euro, die jeder gerne zahlte, um dem Dauerregen zu entkommen. Schon bald tauchte die gewaltige Gletscherwand aus dem Nichts auf; in meiner Vorstellung, gepraegt von TV-Dokumentationen, handelt es sich um ein riesigen, schnee-weissen Block, doch im Regen schimmerte er in blaeulich, weissen Farbtoenen. Trotz Regen standen alle draussen und bestaunten das Naturwunder. Der Anblick ist grandios und sicherlich einzigartig auf unserem Planeten! Argentinien ist wirklich reichlich beschenkt mit Naturwundern; es ist das zweite nach den Wasserfaellen von Iguazu, dass wir innehalb kurzer Zeit in diesem Land erleben durften und dass uns mit Staunen und Ehrfurcht erfuellte.

Zum Bus zurueckgekehrt, fuhren wir weiter zur Nordseite und der Busfahrer lies uns dort bei einem Restaurant zurueck. Fast fuenf Stunden hatten wir Zeit, den Perito Moreno zu bestaunen und im Nationalpark herum zu wandern; echt toll, wenn es bloss nicht so geregnet haette! So verbrachten wir die ersten zwei Stunden bei einer Tasse Tee im Restaurant, schauten in den Regen hinaus und bedauerten die triefnassen Menschen, die hereinkamen und um einen freien Sitzplatz kaempften. Es war kein Ende des Regens in Sicht; so beschlossen wir mit Regenjacke, Regenhose und Schirm bewaffnet, dem Regen zu trotzen. Wir erreichten mehrere Aussichtspunkte, mit und ohne Dach; von ganz oben sahen wir, wie sich der Gletscher gleich einem Riesenwurm 5km lang durch das oberhalb gelegene Tal hindurchwaelzt, bis er aprupt als weisse Wand am Wasser endet. Da ein Hoellenlaerm; ein Riesenstueck am Ende des Gletschers brach ab, stuerzte mit Getoese ins Wasser und zerbrach in Tausende kleine Teile. Es folgten in kurzen Abstaenden mehrere solcher Abbrueche; dann kehrte wieder Ruhe auf der erhabenen Wand aus Eis ein. Der Perito Moreno ist uebrigens einer der ganz wenigen Gletscher, der weiter waechst, anstatt immer mehr an Masse zu verlieren, wie, als Folge des Klimawandels, fast alle anderen Gletscher auf der Welt.

Schneller als gedacht, war die Zeit um und unser Bus nahm uns zurueck nach Calafate, wo doch tatsaechlich die Sonne schien. Calafate ist sehr touristisch, hat aber einen sehenswerten Park, in dem wichtige Perrsoenlichkeiten in Szenen verewigt sind; darunter auch Perito (Franzesco) Moreno, der den Gletscher entdeckt hat und nach dem er benannt wurde. Auch Charles Darwin, der hier Forschungen betrieb und an deren Ende er die Evolutionstheorie aufstellte, kann man hier als lebensgrosse Figur in einer Szene betrachten.

Doch wir wollten schnell weiter auf die andere Seite des "Parque Los Glacieres" zum "Fitz-Roy"-Massiv; der Ausgangspunkt ist El Chalten, ein echter Bergsteigerort, an dem es von Touristen nur so wimmelt. Der Ort beherbergt in der Saison ca. 1800 Einwohner; im Sommer, dem dortigen Winter sind es nur 600! Als erstes bekamen wir einen kalten Wind mit, der noch von ploetzlich auftretenden heftigen Boeen verstaerkt wurde. Prompt wurden wir beide hier zum ersten Mal auf unserer Reise krank (Erkaeltung und Schnupfen). Trotzdem unternahmen wir zwei groessere Wanderungen, die uns trotz Unpaesslichkeit gut taten. Die erste fuehrte zu einem Wasserfall; an solchen Plaetzen verweile ich besonders gerne! Bei der zweiten wanderten wir zwei Stunden durch Lenca- und Ñirve- (Scheinbuchen)Waelder. Dabei sind wir zum ersten Mal von Insekten attackiert worden; grosse Fliegen, deren Stiche sich wie die von Bremsen anfuehlten. Kaum, dass wir eine Rast einlegen wollten und unsere Schuhe auszogen, fielen sie ueber uns her. Doch nach 20 Minuten war der Juckreiz schon wieder vorbei. Ganz ploetzlich hatten sich schwarze Wolken zusammengebraut, sodass wir auf einen Abstieg zur Lagune und zum Campingplatz verzichteten. Wieder zurueck in unserem Hostal zwang uns unsere Erkaeltung einen Ruhetag ab. Auch in den naechsten Tagen lies der Wind nicht nach, im Gegenteil, er verstaerkte sich sogar noch, so dass wir die zwei nahen Aussichtspunkte nicht erreichen konnten.

Am 11.1. sassen wieder einmal fuer diesmal 11 1/2 Stunden im Bus und fuhren stundenlang durch menschenleere Steppenlandschaft, die umzaeunt ist. Es handelt sich um riesige Gueter fuer die Schafzucht. So sieht ein Grossteil Patagoniens aus; trotzdem findet sich in Patagonien die reichhaltigste Faune, auf die wir bei unserer Reise getroffen sind. Es sind die Bergregionen, die den besonderen Reiz Sued-Patagoniens ausmachen. Kurz vor unserem Ziel "Los Antiguos" wird es wieder richtig gruen; riesige Pappeln, als Windschutz, saeumen die Strassen. Gerade ist das dreitaegige Kirschenfest, zu dem Menschen aus ganz Argentinien stroemen. Alles ist ausgebucht, auch der Campingplatz; mit Hife des Touristenbueros landen wir auf dem staedtischen Fussballplatz. Fast schon ungewohnt, wieder einmal im Zelt zu schlafen. Es gefaellt mir, im Freien in einem Zelt zu schlafen und fruehmorgens von der Sonne geweckt zu werden! In der Nacht hoeren wir einige Musikgruppen vom Ort her, deren Konzerte bis 4.30 morgens andauern; ihre Darbietungen begleiten uns in den Schlaf.

Doch das beste sind die Kirschen; sie kosten 3 Euros das Kilo; sie sind kleiner, als die bei uns angebotenen und es gibt sie in gelb und rot. Schon seit vielen Jahren habe ich keine so guten Kirschen mehr gegessen! Fast an jedem Haus haengt ein Schild, mit dem sie angeboten werden! Kaum ueber der Grenze, in Chile, gibt es Kirschen wieder nur in Laeden, zwar groesser, aber fast geschmacklos, so wie in Deutschland auch zur Kirschenzeit!

Silvester in Patagonien

Punto Arenas - auch dort war angenehmes Fruehlingswetter! Diesmal landeten wir in unserer Wunsch-Herberge "Hostal Independence". Diese Herberge verdient absolut die Nummer 1 unter allen Herbergen, in den wir in Suedamerika waren; Eduardo, der es betreibt, kuemmert sich um seine "Backpackers" wie ein Vater! Es gab jeden Morgen ein Fruestueck mit Orangensaft, Ei und Kuchen, zusaetzlich zu den ueberall ueblichen Broetchen, mit Butter und Marmelade.

Den letzten Tag des Jahres 2012 verbrachten wir im Nationalpark "Magellanes"; hingekommen sind wir mir lokalen Bussen und einem halbstuendigen Fussmarsch. Der Park liegt auf mehreren Huegeln und enthaelt etliche Aussichtspunkte; die Vegetation besteht aus Wald, einem Fluss, in dem wir uns abkuehlten und ungewoehnlichen Felsformationen; an etlichen Baeumen fielen uns orangefarbene Pilze in Augenhoehe auf, die wir vorher noch nie gesehen hatten.

Die Rueckfahrt war, obwohl kein Bus mehr fuhr, noch einfacher als der Hinweg; den Finger raus und schon hielt ein Auto mit einem aelteren, schweigsamen Mann, der uns zurueck nach Punta Arenas nahm.

Dort kamen wir gerade rechtzeitig zum Silvester-Abendmahl, von Eduardo und seiner Familie zubereitet. Muscheln, Huhn, Rindfleisch und patagonische Knoedel - alles, was das Herz begehrt!

Mir war aufgefallen, dass niemand Silvester-Raketen, Kracher, Kreisel oder aehnliches bei sich hat; tatsaechlich ist deren Verkauf in Chile verboten! Stattdessen organisiert die Stadtverwaltung ein grosses Feuerwerk im Hafen; wir konnten es, gegenueber von unserem Hostal aus, bewundern. Das Ganze dauerte ca. 30 Minuten; die Atmosphere einer grossen Menschenmenge auf den Strassen fehlte allerdings. Stattdessen wurden wir von fast allen Anwesenden unseres Hostals umarmt, viele, die wir kaum kannten, und mit besten Wuenschen fuer das Neue Jahr bedacht.

Da kam mir eine Szene in den Kopf; wir hatten Silvester im Kunstpark Ost in Muenchen verbracht; es gab nur in sich geschlossene Gruppen, die gegenseitig anstiessen; wir standen wie Fremdkoerper zwischen ihnen. Keiner beachtete uns oder wollte gar Kontakt mit uns aufnehmen; deutsche Grossstadt eben!

Zum Abschied gingen wir noch einmal ins "Mesita larga"; das ganze Lokal besteht aus einem langen Tisch und einem etwas kleineren weiter hinten. Die Geschaeftsidee ist genial; im Gegensatz zu jedem anderen Restaurant, wo jedes Paar, jede Gruppe fuer sich allein bleibt, haben wir auf diese Weise jedes Mal unsere Nachbarn kennengelernt. Dieser Tisch verbindet und oeffnet jede Kommunikation. An diesem, unserem letzten Abend schwaermte mir ein junger Mann vom "Perito Moreno" und vom "Fitz-Roy"-Massiv bei El Chalten vor und wurde zu einem wichtigen Teil unserer Entscheidung, doch noch laenger in Sued-Patagonien zu bleiben uns dort umzuschauen.

Wieder in Chile 14.12.

Wieder ein Grenzuebergang und wieder die ueblichen laestigen Wartezeiten! An der chilenischen Grenzen kontrollieren sie ganz genau, was du einfuehrst; Fruechte, Gemuese und alle offenen Lebensmittel darf man nicht einfuehren; wenn man dabei erwischt wird, muss man hohe Strafen zahlen. (z.B. 100 Dollar fuer einen Apfel!). Auch ein Drogenhund war im Einsatz; insgesamt dauerte die ganze Prozedur 1 1/2 Stunden! Auf diese Weise kamen wir mit 4 Stunden Verspaetung in Santiago an und haben damit den Termin mit Jaqui, einer guten Bekannten von Ninas Sohn, verpasst.

Wir sind wieder im "Hostelling International" in einem Gemeinschaftsraum mit 6 Betten unter gekommen. Ich bin gleich in Gespraech mit einem Kolumbianer geraten, der mir von seinem Heimatland vorschwaermte; er ist nicht der erste! Sollen wir im naechsten Jahr oder im uebernaechsten noch einmal nach Suedamerka fliegen. Durchaus eine reizvolle Idee!

Wir nahmen an einer "Free-Tour"in Santiago teil; der Fuehrer Antonio war sehr nett und erklaerte der Gruppe von ca. 15 Interessierten sehr viel; doch redet er leider sehr schnell und ist auch schnell zu Fuss, sodass ich jedes Mal sputen musste, wenn ich ein Photo gemacht hatte, um die Gruppe wieder einzuholen. Am Ende verloren wir ihn und die Gruppe tatsaechlich und er entging damit auch dem Trinkgeld, dass wir ihm zugedacht hatten! So setzen wir unseren Stadtrundgang durch einen Besuch des "Pablo Neruda-Hauses" ( interessant, aber ueberteuerter Eintritt) und des Zoos, wo ich sogar zum Senionentarif reinkam, fort.

Patagonien 1

Am naechsten Tag geht es weiter Richtung Sueden nach Puerto Montt; auf dem Weg dorthin, beginnt es zu regnen und das nicht wenig! Dort angekommen fahren wir mit dem Taxi zur Pension "Perla"; dort kann man zelten, doch auf so eine Idee kommt niemand.Es ist den ganzen Tag nasskalt und ungemuetlich; Gott sei Dank gibt es einen warmen Ofen in unserem Zimmer und andere Oefen im Haus. Draussen veraendert sich das Wetter von einer Minute zur naechsten; Nieselregen, starke Windboeen, fuer eine kurzen Moment kommt die Sonne heraus, dann kehrt der Regen zurueck, wird staerker ...

Bei unserem ersten laengeren Erkundigungsgang habe ich mir in einem Second-Hand-Laden eine gelbe Regenjacke erstanden. So ausgeruestet erkundigen wir uns, wie wir zu den zwei nahegelegenen Naturparks kommen koennen, doch ein Blick ins Internet laesst uns vor saemtlichen Unternehmungen zurueckschrecken. 14 Tage das gleiche ungemuetliche Regenwetter! Punta Arenas, unser naechstes Ziel, 1000 km weiter suedlich; dort regnet es angeblich weniger, ist aber dafuer von den Temperaturen kuehler (in der Nacht 0 Grad, tagsueber 12). Das hatten wir uns anders vorgestellt!

Da wir aber jetzt schon so weit suedlich sind, wollen wir doch wenigstens den "Torre del Peine", den beruehmtesten Naturpark Chiles, fast so gross wie Luxemburg, besuchen. Uns graut es vor der langen Fahrt mit dem Bus und so fragen wir im Lan-Buero (chilenische Flugesellschaft), was ein Flug kosten wuerde. Nicht gerade billig und zu unserem Erstauen sind Hin- und Rueckflug billiger, als ein Einfach-Flug. Wann kommen wir schon ein 2.Mal hierher; da muss es einfach drin sein!

In Punto Arenas fahren wir mit einem Pendelbus vom Flughafen in die Innenstadt; es regnet, doch der Busfahrer hat Erbarmen mit uns und setzt uns direkt vor dem Hostal ab, wo wir hin wollen. Es ist voll und der Bus gleich wieder weg. So irren wir durch den Regen, bekommen bei den naechsten Hostals ebenfalls Absagen und landen dann in einem, wo es uns weder gefaellt, noch der Preis stimmt. Doch was soll´s fuer eine Nacht!

Am naechsten Tag weiter nach Puerto Natales, dem Ausgangspunkt fuer Fahrten in den Nationalpark "Torre del Paine". Erste Ueberraschung: Hier ist die Uebernachtung trotz der Naehe zum weltbekannten Park deutlich niedriger als in Punta Arenas und es war auch nicht schwierig, ein guenstiges Hosel zu finden. Wir landen im "Koten Aike", wo wir per Internet reserviert hatten; allerdings koennen wir nur drei Naechte bleiben, denn dann kommt eine groessere Gruppe vom Trecking aus dem "Park" zurueck. Doch trotz Weihnachten ist es kein Problem, am 23.12. ein anderes guenstiges Hostal zu finden. Puerta Natales ist ein kleines Staedtchen mit 20000 Einwohnern am Pazifik gelegen; es erinnert mit seinen Holzhaeusern stark an Schweden oder Finnland; keine Wohnbloecke weit und breit, lauter einzelne Haeuser und dazwischen einige wenige Hotels. Es gefaellt uns recht gut, wenn es nur besseres Wetter waere! Ein Blick ins Internet, sagt, das es morgen 16 Grad und sonnig sein soll; spontan buchen wir eine Tour durch den Park fuer 65 Euros fuer uns beide. An den Eintritt hatten wir gar nicht gedacht; es waren stolze 60 Euros! Man sollte halt immer vorher genau nachfragen, was noch an Kosten auf einen zukommt!

Schon von weitem fallen die drei Bergspitzen des "Torre" auf, wahrlich ein beeindruckender Anblick! Innen erwartet uns eine kleine Wunderwelt. Kristallklare Seen, ein Fluss, der sich als Wasserfall darin ergiesst, schneebedeckte Berge und, die Tiere nicht zu vergessen, Condore, Guanacos, Ñandus und Fuechse; Natur pur in jeder Hinsicht! Wo gibt es das noch auf unserem ueberbevoelkerten Planeten?

Ein Paradies fuer Wanderer, doch leider wird ihnen das Dortsein durch horrende Preise nicht leicht gemacht: Die Uebernachtung kostet im Gemeinschaftssaal 50 Dollar die Nacht, 13 Euro die Uebernachtung im eigenen Zelt, eine Tasse Kaffee 3,30 Euros und ein einfaches Menue in einem der wenigen kleinen Restaurants im Park 30 Euros. Das heisst, man muss alles Essen mitschleppen und das bei Touren von bis zu einer Woche und mehr!

So haben wir uns dann nach anderen Wanderwegen umgeschaut. Wir wurden fuendig und das Wetter spielte auch mit. Wir waehlten den "Sendero Dorothea", einen Weg, der 600 m nach oben zu einem Aussichtspunkt fuehrt. Auf dem ersten Teil kamen wir durch ein Gebiet mit lauter Baumstuempfen und als Folge des Kahlschlags deutlichen Spuren von starker Erosion; den zweiten Teil ging es durch einen wunderschoenen Wald mit Scheinbuchen und ganz oben stiessen wir auf einen richtigen Zauberwald; Baeume dicht behangen mit weissen Flechten und dazwischen umgestuerzte Baeume, langsam am Verwittern. Vom Aussichtspunkt schliesslich hatten wir einen phantastischen Blick auf Puerto Natales und den Parque "Torre del Paine".

Auf dem Rueckweg stiessen wir auf einer Wiese auf riesige Boaviste. Wieder an unserem Aussichtspunkt, einem einfachen Haeuschen, wo wir uns registrieren lassen und dafuer 8 Euros pro Person bezahlt hatten, bekamen wir als Gegenleistung frischen Kaffee, selbstgemachte Broetchen und Marmelade und zuletzt sogar noch eine Portion Ruehrei. Unsere Gastgeber, ein aelteres Paar erzaehlten uns, dass hier vor wenigen Jahren ein Waldbrand, verusacht von unachtsamen Wanderern, gewuettet hatte; deshalb also die vielen abgeholzten Baumstaemme! Jetzt wird das ganze Gebiet von der chilenischen Regierung ueberwacht. Fuer unsere Gastgeber ist dadurch ein kleiner Nebenverdient, neben ihren Tieren, entstanden.

Wir trampten den Weg zurueck nach Puerto Natales und wollten uns, dort angekommen, noch ein Eis goennen; vor der einzigen Eisdiele im Staedtchen wartete eine Riesenmenschenschlange geduldig 30 - 40 Minuten lang, bis sie an die Reihe kamen; so ein aussergewoehnlich schoenes Wetter ist hier nur selten und wenn, will jeder es mit einem Eis kroenen. Es war unterdessen 20 Uhr geworden und immer noch angenehm warm, denn die Sonne geht an diesem Breitengrad erst nach 22 Uhr unter. Ich muss schon sagen, so langsam gewoehnen wir uns an Patagonien!

Unser Herbergsvater erzaehlte uns, dass die Weihnachtstage von der einheimischen Jugend dazu benuetzt wird, um am Lago Sophia zu zelten und zu feiern. "Wie kommen wir dorthin?" Es faehrt kein offizieller Bus dorthin, doch wir koenten versuchen, dorthin zu trampen. Tatsaechlich warteten wir nicht lange am Ortsausgang, bis uns eine junge Familie bis zur Wegkreuzung mitnahm. Von dort fuhren wir mit jungen Leuten auf einem offenen Wagen 7km durch ein weites Tal. Ganz schoen durchgefroren kamen wir nach 10 Minuten am Strand an. Dort stieg eine Party, wohl schon seit letzter Nacht! Aufgestellte Zelte, brennende Lagerfeuer, auf denen Fleischstuecke bruzzelten; Jugendliche sprangen in voller Kleidung in den eiskalten See und laute Musik droehnte aus einem Lautsprecher. Das ist also Weihnachten der patagonischen Jugend! Wir fluechteten erst einmal auf einen kleinen Pfad auf einen Huegel, wo uns patagonische Wildniss empfing. Nach einer ausgiebigen Brotzeit, legten wir uns ins Gras und ruhten uns aus. Toll in einer Gegend zu sein, wo keine stachlichen Pflanzen einem das Leben vergaellen, keine Muecken einen vertreiben, zumindest nicht in dieser Jahreszeit! Wahrlich himmlisch, im Gras zu liegen und die Seele baumeln zu lassen!

Etwas spaeter kehrten wir zum Strand zurueck; er war rechts von einem Zaun begrenzt; die meisten liegen davor, dahinter nur wenige. Auf meine Frage, ob es dort Privatgelaende sei, nur Schulterzucken. Chile ist eben nicht Deutschland!

Das Wasser ist sehr kalt; ich gehe nur mit den Fuessen hinein. Nina traut sich weiter hinein, macht einige Schwimmzuege und ich schiesse ein tolles Foto Nina im See und hinter ihr schneebedeckte Berge!

Um 16 Uhr kommt ein kalter Wind auf und wir machen uns auf dem Rueckweg; das erste Stueck gehen wir zu Fuss; da haelt ein altes Autos mit zwei Freaks mit langen Haaren an, die sich als Rodriguez und Manuel vorstellen. Sie wollen nicht nach Puerto Natales, sondern zu einer Hoehle, 300 m weiter oben auf dem Berghang vor uns. Als ich erzaehle, dass ich in den 80ern in einer Hoehle auf Gran Canaria gelebt habe, ist das Mitgehen ein Muss. Es geht steil bergauf mitten durchs Gelaende. "Mein Gott, worauf habe ich mich da eingelassen. Ich bin jetzt 30 Jahre aelter und nicht mehr so gut bei Fuss." Meine Einwendungen werden bechwichtigt: "Fuer den Ruckweg gibt es einen besseren Weg." Rodriguez erzaehlt, dass er in Puerto Natales einen Laden mit Halbedelsteinen und Schmuck betreibt und im Sommer in einer Hoehle wohnt. "Ein ganz tolles Gefuehl, jedes Mal beim Aufwachen Condore in unmittelbarer Naehe zu beobachten, die uns erst verwundert mustern, unterdessen aber, als zu ihnen gehoerig, akzeptieren."

Manuel, ein Oesterreicher, lebt schon seit 9 Monaten in Chile; er liebt es, zu reisen, spontan mal hier und dann wieder dort zu sein und die Dinge kommen zu lassen, wie sie kommen. Er bereitet fuer uns Mate-Tee und tatsaechlich zeigt er Wirkung; gestaerkt und nervlich beruhigt, erweist sich der Rueckweg als gar nicht so schwierig.

Zurueck wiederholt sich, was wir schon in Indien in der Begegnung mit jungen Israelis erlebt haben; in unserem Hostal ist eine Gruppe von ihnen abgestiegen; lautstark und dominant treten sie auf und wir fuehlen uns ein wenig an die Wand gedraengt, was die Benuetzung des Gaesteraums und des Internets betrifft. Doch jetzt haben wir ein Problem, bei dem sie uns sehr weiterhelfen koennten. Unseren Akku fuer unsere Camera haben wir in Puerto Mont gelassen und koennen jetzt keine Bilder mehr machen. Wir fragen, ob jemand uns ein Aufladegeraet leihen koennte; sofort fuehlt sich die ganze Gruppe angesprochen und ehe wir uns umsehen, hengt unsere Camera schon an einem Kabel. Ausserdem ergeben sich durch unsere Kontaktaufnahme sofort interesante Gespraeche und Kontakte; wir fuehlen uns integriert!

Aehnliches erlebe ich in Deutschland hoechst selten; die Menschen dort sind vereinzelt, jeder lebt und leidet fuer sich allein!

28.12.12 Feuerland

Der Name ist voellig unpassend! Es sollte "Insel der Winde" heissen! Am Tag unserer Ankunft war es allerdings fast windstill; dafuer regnete es in Stroemen! Das sollte allerdings eine Ausnahme bleiben. Wir setzen von Punto Arenas aus mit der Faehre nach Porvenir ueber; je naeher wir der Insel kamen, umso ungemuetlicher wird es. Ueber Feuerland stehen dichte Regenwolken und mich froestelt beim Anblick der steppenhaften, baumlosen Landschaft. So hatten wir uns die Falklandinseln vorgestellt, aber nicht Feuerland! Porvenir koennte auch in Skandinavien sein, doch dort ist es im Sommer dank des Golfstroms waermer. Eigentlich hatte ich gehofft, wie vor 37 Jahren in Finnland die Sonne am Horizont entlang wandern zu sehen. Hier sieht man im regenverhangenen Himmel die Sonne nicht einmal. Mit Regenhose und -jacke bekleidet hasten wir zum Museum, wo sich auch das Touristenbuero befindet.

Der naechste Schock: Buslinien gibt es nur nach Cameron und Serro Sombrero und auch das nur jeden zweiten Tag! Autovermietung - Fehlanzeige; Reisebuero ebenso! Ohne eigenes Auto kann man sich nur mit dem Taxi fortbewegen und das wird teuer! Die geplante Fahrt zur Pinguinkolonie z.B. kostet 130 Euros! Wo sind wir da bloss gelandet; richtig am Ende der Welt, wie die Bewohner zu ihrer Insel sagen.

Immerhin, Unterkuenfte gibt es in Porvenir und Serro Sombrero; die nette Dame vom Museum ruft im letzteren Ort an und bucht in unserem Namen ein Zimmer; der Preis ist deutlich teuerer als in Puerto Natales oder auch in Punto Arenas! Inzwischen haben wir uns das Museum angesehen; das Thema: Die Ureinwohner und die Besiedelung durch die Weissen. Nachdem Magellan die Insel das erste Mal von Schiff aus gesehen hatte, gab er ihr, nach den dort ueberall brennenden Feuerstellen, die ihm besonders aufgefallen waren, den Namen "Feuerland". Danach konnten die Indigenes (Selknam) noch 200 Jahre ihr Leben als Jaeger und Fischer ungestoert fortfuehren. Ihr Schicksal war in dem Moment besiegelt, als Gold auf der Insel gefunden wurde. Weisse Goldsucher und Schafzuechter stroemten in Massen ins Land; die Selknam waren nur im Weg, galten als unzivilisierte Wilde und wurden gnadenlos verfolgt. Einige Neuankoemmlinge betaetigten sich fuer Geld als "Indianer-Jaeger"; der beruechtigste kam aus Schottland. Seine Grausamkeit und Skrupellosigkeit fuehrte schliesslich dazu, dass er viel zu spaet, vor Gericht kam.

Die Einzigen, die sich dem Genozid entgegenstellten, waren die Missionare der Salesianer. Sie starteten ein Projekt, um die Selknam sesshaft zu machen und ihnen die wichtigsten Dinge zum Ueberleben in der "neuen Welt" beizubringen. Erst sah dies sehr zukunftstraechtig aus, doch dann streckte eine Welle von aus Europa eingeschleppten Krankheiten einen Grossteil der Ureinwohner nieder.

Doch so einfach ist es auch wieder nicht, die Selknam als die armen Naturmenschen hinzustellen, die von den boesen Weissen ausgerottet wurden. Die Selknam hatten durchaus auch archaische Sitten und Vorstellungen, die es den neuen Siedlern leicht machten, sie als Untermenschen darzustellen.

Einen ihrer Mythen habe ich mir genauer angesehen; es geht darum, warum die Maenner von den Goettern das Recht bekommen haben, ueber die Frauen zu herrschen/bestimmen.

Die Sonne war der goettliche Beschuetzer der Maenner, der Mond, der der Frauen; zuerst herrschte unter den Selknam eine Art Matriarchat. Die Frauen hatten es mit allerlei Tricks, wie Tabus und Angst vor der Rache boeser Geister erreicht, die Maenner zu unterdruecken und ueber sie zu bestimmen. Doch eines Tages teilte die Sonne den Maennern mit, auf welch rafinierte Weise sie hereingelegt wurden. Daraufhin erhoben sie sich und toeteten alle Frauen, ausser den noch nicht geschlechtsreifen Maedchen. Seit dieser Zeit haben die Maenner wieder die urspruenglich von den Goettern vorgesehene Vorherrschaft inne. (Meine Quelle ist eine im Museum von Porvenit ausgelegte Schrift ueber die Selknams.)

Nachmittags fahren wir im stroemenden Regen mit einem Bus weiter nach Serro Sombrero. Auch dort regnet es und wir sind froh, dass uns der Busfahrer bis zu unserer Herberge "Cruz del Sur" bringt. Die Unterkunft kostet fast das Doppelte von dem, was wir zuletzt in Puerto Natales bezahlt haben.

Am naechsten Tag, frueh am Morgen, wollen wir zum nahen Hafen "Bahia Azul" fahren und von dort mit der Faehre zum Festland uebersetzen, mit der Absicht weiter zum Nationalpark "Pali Aike" zu trampen und am Abend wieder zurueck in Serro Sombrero sein. Der Park ist der einzige Patagoniens, der vulkanischen Ursprungs ist und zusaetzlich einige interessante Hoehlen beherbergt. In der folgenden Nacht beginnt es zu stuermen und auch morgens heult der Sturm noch um die Haeuser herum. Trotzdem machen wir uns in Regenkleidung, warmen Pullover und leichtem Gepaeck auf dem Weg. Wir gehen erst 30 Minuten in Richtung Ortsende bis zur Kreuzung wo eine Strasse Richtung Hafen abbiegt und stellen uns dorthin. Ich schlottere laengst vor Kaelte, der Wind geht mir durch und durch! Die wenigen Autos, die vorbeifahren, machen ein Zeichen, dass sie in der Naehe bleiben. Nach einer Stunde kehren wir, voelllig durchfroren, in den Ort und unsere Herberge zurueck. Auf einen zweiten Versuch haben wir, obwohl der Wind am Nachmittag etwas nachgelassen hat, keine Lust mehr. Stattdessen schauen wir uns das Oertchen etwas genauer an. Vor einiger Zeit wurden Oelvorkommen gefunden; die Gesellschaft, die das Oel ausbeutet, hat den Ort vor 50 Jahren fuer seine Arbeiter gegruendet. Am Hauptplatz steht das Denkmal des "Petroleros". Die anderen Bewohner unserer Herberge sind ausschliesslich Arbeiter in der Oelfoerderung oder in der Telefongesellschaft. Kabel werden allerdings nur in den groesseren Orten verlegt; auf dem Land ist es dafuer zu windig.

Wie wir gerade unser Mittagschlaefchen halten, hoeren wir ploetzlich Musik auf einer Ziehharmonika; wir folgen ihr und landen in der Kueche, wo der Sohn unserer Vermieterin sitzt und auf seinem Instrument, hergestellt in Deutschland, spielt. So bekommen wir quasi umsonst ein Life-Konzert patagonischer Musik und einiger franzoesischer Lieder. Auf seine Frage, wie es uns auf Feuerland gefallt, beklage ich mich:

"Keine Infrastuktur, so gut wie keine Busverbindungen, kein Mietauto vor Ort, dass man mieten koennte, keine einzige Reiseagentur weit und breit. Und dazu der heftige Wind, der uns am heutigen Morgen einen dicken Strich durch unsere Plaene machte!"

"Das waren doch hoechstens 70 - 80 Stundenkilometer; oft sind es 130 und mehr!"

Welch´ein Glueck, dass wir uns schon 2 Tickets fuer morgen nach Punta Arenas haben reservieren lassen! Am naechsten Tag ist es tatsaechlich fast windstill; die Sonne lugt hinter den dicken Wolken hervor. So machen wir doch noch eine ausgiebige Wanderung durch weites, ebenes Land. Wir sind totzdem froh, als wir uns auf einer schaebigen Fahre Richtung Festland befinden. Das Problem war nicht unbedingt Feuerland, sondern, dass wir uns zu wenig informiert hatten und entsprechend schlecht auf diese Insel vorbereitet waren.

Die Wasserfaelle von Iguazu

Bei der Fahrt dorthin sind wir, weder bei der Ausreise aus Paraquay, noch bei der Durchreise durch ein Stueck Brasilien kontrolliert worden. Auch die Einreise in Argentinien dauerte nur 10 Minuten, einen Stempel; das war es schon! Wenn es doch bei jedem Grenzuebertritt so einfach waere!

Der Einritt in den Nationalpark kostet 130 argentinische Pesos (20 Euros), der Bus dorthin 100 Pesos (15 Euros) bei nur 30 m Fahrtzeit; also nicht ganz billig, doch gerechtfertigt! Die Wasserfaelle sind das Spektakulaerste, was ich in meinem Leben gesehen habe. Es ist nicht einer, sondern auf einer unglaublichen Breite und von allen Seiten stuerzt das Wasser in die Teife. Dieses Spektakel kann man oben, von unten und von beiden Seiten beobachten. Es besteht auch die Moeglichkeit, sich mit einem Boot (inbegriffen im Eintritt) auf die Insel San Martin bringen zu lassen und von dort bergauf zu drei Aussichtspunkten zu wandern, um von dort aus die Wasserfaelle zu bestaunen. Desgleichen kann man sich im Fluss abkuehlen, ja sogar ein wenig schwimmen! Welch ein Genuss bei den heissen Temperaturen!

Der Hoehepunkt ist, mit der Bahn zum Teufelsschlund zu fahren. Ein Steg von 1.5 km Laenge fuehrt durch eine weite Flusslandschaft, an deren Ende erwartete uns das groesste Wasserspektakel meines Leben. Schon ein ganzes Stueck vor der Aussichtsplatform waren wir vom Gischt durchnaesst; das Wasser donnert von allen Seiten mit ungeheuerer Wucht nach unten. Der Gischt spritzt wieder nach oben und nimmt die Sicht nach unten: an mehreren Stellen erscheinen wunderbarste Regenbogen. Obwohl wir schon nach kurzer Zeit voellig durchnaesst waren, konnten wir uns kaum von diesem fantastischen Anblick trennen! Mehrmals wagten wir uns auf die Platform, direkt oberhalb des Geschehens. Man kann den tiefen Abgrund gar nicht wahrnehmen, so aufgewuehlt ist dss herabstuerzende Wasser. Es erscheint, wie ein Sturz ins Nichts; der Name "Schlund des Teufels" ist wirklich zutreffend!

Leider haben wir schon ein Ticket nach Cordoba am naechsten Tag; ansonst haetten wir das Angebot genuetzt, mit dem gleichen Ticket ein 2.Mal zum halben Preis in den Park zu kommen.

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