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Paraquay

Wir fuhren stundenlang durch menschenleeres Buschland, den Chaco, nur hin und da durch kleinere Gehoefte unterbrochen. Eigentlich sieht das Land gruen und fruchtbar aus; warum wird es nicht wenigstens zur Viehhaltung verwendet?

Unterdessen haben wir gehoert, dass das Grundwasser salzhaltig und fuer den menschlichen Genuss nicht geeignet ist! Bei einem kurzen Halt wurde mir ein weiterer Grund klar; ich wollte kurz hinter einem Busch austreten; er war voller unangenehmer Stacheln, wie fast alle anderen Pflanzen in dieser Gegend auch.

Uns wurde ein weiterer Grund erzaehlt, warum der Chaco kein Land ist, in dem Leute gerne leben wollen; es gibt dort einen gefaerlichen Kaefer, dessen Biss mit einigen Jahren Verspaetung eine toedliche Blutkrankheit verursacht.

Der Chaco war bis auf einen Indianerstamm jahrhundertelang unbewohnt; dann kam eine Anfrage der Mennoniten, die wieder einmal ihre Heimat verlassen mussten, an die Regierung von Paraquay; ihnen wurde der Chaco ueberlassen und sie siedelten sich tatsaechlich dort an und betreiben dort Viehwirtschaft. Johannes sah sich dort um; nach seinen Beschreibungen sind sie nicht sehr freundlich, eher sogar raffgierig im Umgang mit der Aussenwelt und behandeln die Indios, die fuer sie arbeiten, sehr schlecht!

Unsere Fahrt nach Asuncion dauerte 24 Stunden, nach endlosen Stunden kommen wir endlich geraedert an. Der Busbahnhof ist 11km vom Stadtzentrum entfernt, ein Missionar wil uns helfen, zu dem im Lonely Planet empfohlenen Hostal mit einem oeffentlichen Bus zu kommen, Wir landen zwar im richtigen Bus und an der richtigen Strasse, doch es fehlen 400 Haus-nummern bis dorthin. Genervt bestellen wir ein Taxi und finden das Hostal unter der ange-gebenen Nummer nicht! Der Taxifahrer bringt uns zu einem anderen, wir zahlen zuviel sowohl dem Taxifahrer als auch in der Pension. Welch ein Start in Paraquay!

Asuncion gefaellt mir ueberhaupt nicht; heiss, laut, schlechte Luft und ueberhaupt wollten wir gar nicht dorthin, sondern weiter nach Caacopee. Doch dazu muessen wir erst Geld wechseln; dafuer brauchen wir fast zwei Stunden. Ninas Bankkarte wird nicht angenommen, der Automat erkennt den Chip nicht. Erst nach mehreren Versuchen an mehreren Banken und mit Hilfe mehrerer Bankangestellten kommen wir zu unserem Geld. Ich glaube, ohne unser Ziel, den Johannes und die Familie Burger in ihrer "Reserva Ecological" zu besuchen, haetten wir Paraquay gleich wieder verlassen!

Ueber 1 Stunde quaelen wir uns durch die Vororte von Asuncion, bis wir endlich Caacupee erreichen, wo wir zuerst im 1.Stock eines Supermarktes essen. Von dort aus will ich Familie Burger anrufen, doch die jungen Angestellten vom Supermarkt lassen mich regelrecht auflaufen, obwohl ich ihnen Geld fuer den Anruf anbiete. Ich werde richtig wuetend, der Rausschmeisser steht schon mit drohendem Blick neben mir, als sich ein alter Mann, dem das Verhalten der Jugend sichtlich peinlich ist, anbietet, mir sein Handy zu leihen. Ich bin schon richtig angefressen, bevor ich richtig in Paraquay angekommen bin! Spanisch sprechen und nur Ablehnung zu spueren, das habe ich in Suedamerika noch nirgendwo erlebt!

Spaeter klaert mich Roland von der "Reserva Ecological" auf, dass mein Gruss "Buenos Dias" typisch fuer einen Argentinier ist, die in Paraquay sehr unbeliebt sind. Man gruesst hier nur mit "Hola". So einfach ist das und ich dachte schon, die Leute hier seien auslaenderfeindlich!

Doch zurueck: Sehr bald kam Adrian, der 17jaehrige Sohn der Familie Burger und holte uns ab; er spricht fraenkisch und ist sehr nett.

"Gefaellt es dir hier in Paraquay?" "Seit 3 Jahren sind wir jetzt hier, mein Vater war laengere Zeit arbeitslos und sah keine Zukunft mehr in Deutschland! Das erste Jahr hier in der Schule war das schrecklichste meiner Schulzeit, doch jetzt haben mich alle akzeptiert. Es macht mir unterdessen Spass, auf so einer grossen Hacienda mit all den Tieren zu leben. So ein Leben waere fuer uns in Deutschland nicht moeglich gewesen! Ich will nicht mehr zurueck!"

Die Hazienda liegt abseits einer ausgebauten Autostrasse ca.6km vom Caacupee entfernt Wir wurden von Susanne und Roland auf fraenkische Art sehr herzlich empfangen. Sie rieten uns davon ab, jetzt schon ein Zelt zu kaufen, denn es sei im Moment zu heiss und bald seien starke Regenfaelle zu erwarten.Wir koennten unsere Sachen im Haus abstellen und mit ihnen zusammen auf der Dachterasse schlafen, solange es noch nicht regnet. Wir koennten den grossen Swimmingpool in ihrem Garten jederzeit benuetzen und Mitessen zu einem fairen Preis sei kein Problem!

So konnten wir endlich zur Ruhe kommen und Urlaub von unserem Reisestress nehmen! In diesem kleinen Paradies verbrachten wir 5 Tage, trafen fast jeden Tag Johannes, wanderten in der Gegend und besuchten Caacupee, den paraquaischen Wahlfahrtsort; in der Nacht schliefen wir, bewacht von 8 Hunden. Einer davon fiel mir sofort auf, denn er hatte einen verkuerzten Vorderfuss. Die Antwort auf meine Frage bewegte mich sehr.

"Seine Mutter bekam ein "harmloses" Medikament gegen Beschwerden, welcher Art auch immer; einer der Jungen kam mit missgebildetem Bein zur Welt; die Einheimischen wollten ihn gleich toeten; ich kam zufaellig gerade vorbei und rettete ihn, wie fast alle anderen Hunde auch,die jetzt hier leben; die Paraquayos haben die Angewohnheit, die weiblichen Jungen gleich nach der Geburt auszusetzen; eine Sterilisation ist teuer und sie einfach dem sicheren Tod zu ueberlassen kostet nichts"

Was Johannes betraf, sahen wir der Begegnung mit sehr gemischten Gesuehlen entgegen; wuerden wir ihn als armen, entwurzelten Mensch, der mit seinem Schicksal hadert, erleben? Dem war ganz und gar nicht so! Wir erlebten ihn recht entspannt; es ist wahrlich nicht so, dass er herum haengt und die Zeit irgendwie totschlaegt. Nach einigen Orientierungsreisen in Paraquay (u.a. bei den Menonniten im Chaco) hat er beschlossen, sich keiner christlichen Organisation anzuschliessen, sondern seinen eigenen Weg zu gehen. Daraus zieht er tatsaechlich viel Kraft; er lebt ohne Alkohol und sonstigen Drogen und haelt sich auch von aeusseren Ablenkungen fern. Seinen Haushalt hat er auf ein Minimum reduziert; er lebt ohne Kuehlschrank und Waschmaschine und es scheint ihm damit gut zu gehen! Ausserdem nimmt er Spanisch-Unterricht und hat begonnen, Verse zu schreiben, die er aus seinen regelmaessigen Meditationen schoepft. Zeifellos ist Paraquay ein wichtiger Teil seiner Bestimmung und seiner Erfahrungen geworden!

Doch zurueck zu unseren Gastgebern: Sie haben ausser Hunden, auch Katzen, Pferde, Schweine, Ziegen, einen Teich mit Enten, Huehnern, Truthaehnen und Schildkroeten. In einem Kaefig streicht ein Nasenbaer herum, den Susanne vor dem Kochtopf der Nachbarn gerettet hat; diese Tiere sind sehr gefaehrlich; ein Weibchen, dass sie ihm zugefuehrt hatten, hat er eines Tages zu Tode gebissen!

Von Johannes erfuhren wir, dass die Familie Mormonen sind. Da waren wir wirklich ueberrascht; waehrend der Zeit unseres Aufenthaltes erlebten wir keinen einzigen Versuch uns zu missionieren oder irgendwie zu gaengeln.

Wir fuehrten sehr offene Gespraeche mit der Famile und erlebten sie als sehr tolerant! So kam es, dass wir uns in keiner Weise bedraengt fuehlten; man lies uns so, wie wir sind; wir spuerten keine Erwartung, mit ihnen am Sonntag in ihre Kirche zu gehen und die kurzen Gebete vor jedem Essen empfand ich als gute Anregung fuer Nina und mich.

Wir fuehlten uns so richtig gut auf der Hazienda; die nette, gastfreundliche Familie und die Umgebung taten das ihrige, das wir uns von jeglichen Weitereiseplaenen loesen und endlich einmal entspannen konnten. Gut gefiel mir auch, dass wir nicht in die Rolle von Fremdkoerpern gerieten; wir sassen zum Fruehstueck mit der Familie und den Arbeitern zusammen und erlebten hautnah, was es heisst, als auslaendische Familie und Grundbesitzer in Paraquay zu leben.

"Die Paraquayos legen viel Wert auf Ehre und sind sehr empfindlich, was Kraenkungen betrifft! Wenn einer meiner Arbeiter den Eindruck hat, dass seine Kollegen schlecht ueber ihn reden, ist dies ein Grund, von einem Tag auf den anderen nicht mehr zu kommen, selbst wenn er Familie hat und dies seine einzige Einnahmequelle ist! Das ist mir auch schon passiert und ich musste mit viel Diplomatie schlichtend eingreifen. Es geht auch nicht, einen Arbeiter zu kritisieren; auch das muss mit viel Fingerspitzengefuehl sehr diplomatisch formuliert werden. Unterdessen habe ich gelernt, gut mit den Eigenarten der Menschen hier zurecht zu kommen."

Die Burgers haben uebrigens eine sehr interessante Webside "www. reserva-ecologica.com". Ganz neu waren fuer mich die Moringa-Kapseln, die wir jeden Morgen, wie alle, die am Tisch sassen, zum Fruehstueck bekamen. Es soll ein wahres Wundermittel sein; um dies zu beurteilen, muessen wir es laengere Zeit einnehmen, was wir auch vorhaben. Sie haben uebriges in der Naehe extra ein Stuck Land gepachtet, auf dem sie Moringabaeume gepflanzt haben; jede Woche kommt ein junges Maedchen aus der Gegend und stellt mit einfachen Mitteln die Kapseln her.

An dieser Stelle muss nun ich doch Werbung fuer die Famile Burger und ihre Entdeckung betreiben.

Moringa – Oleifera oder der Baum des Lebens

Moringa ist ein vollkommenes und vollendetes Nahrungsmittel, das alle Nährstoffe enthält, die der Mensch vom Mutterleib an bis ins hohe Alter benötigt; eine Heilpflanze gegen fast alle körperlichen Beschwerden Doch der eiweißreiche “Wunderbaum” birgt noch weit mehr Überraschungen – und derart viele hochdosierte Vitamine und Mineralien, dass er Biologen in aller Welt fasziniert. In den Blättern sind 18 der 20 Aminosäuren nachzuweisen. Elf davon sind für den Menschen unentbehrlich. Moringa enthält so viel Vitamin A,B,C und E, Mineralstoffe, Eiweiß, Aminosäuren, Spurenelemente, Pflanzenbegleitstoffe und Chlorophyll wie keine andere Gemüse- oder Obstsorte. Die Blätter tragen diese Stoffe wie ein “Kraftpaket” in sich.

100 Gramm Blätter enthalten:

•4 mal mehr Vitamin A als Karotten

•7 mal mehr Vitamin C als Orangen

•4 mal mehr Kalzium als Milch •genauso viel Eiweiß wie Eier

•3 mal mehr Kalium als Bananen

•doppelt so viele Proteine wie Soja

Auch in der Vorbeugung vieler Augenleiden und bei Altersschwäche ist Moringa hocheffektiv.

Es liefert eine nährstoffreiche Nahrung besonders für Frauen während der Schwangerschaft oder Stillzeit. Zusammen mit dem hohen Vitamin-A-Gehalt ist damit nicht nur gewährleistet, dass genügend Muttermilch vorhanden, sondern auch, dass die Qualität der Muttermilch hochwertiger ist. Frauen, die sich mit Moringa ernähren, sind besser genährt und ihre Milch weist einen höheren Nährstoffgehalt auf. Auch die Neugeborenen haben ein durchschnittlich höheres Gewicht und sind gesünder.

Moringa ist wirklich ein faszinierender Baum – er schafft es sogar, Bakterien zu töten! [...] Man muss sich vorstellen: Um einen Liter Wasser bakterienfrei zu machen, braucht man gerade einmal 1/10 Gramm Moringa-Samen… (Ranga Yogeshwar in der SWR-Sendung “Die große Show der Naturwunder”) Die möglichen positiven Wirkungen von Moringa auf einen Blick (Ergebnisse von über 700 Forschungsarbeiten von namhaften Wissenschaftlern zu Moringa Oleifera):

•Aktivierung und Optimierung des Stoffwechsels und des Immunsystems

•Verringerung von Entzündungen

•Verminderung des Krebsrisikos

•Reduzierung des Körpergewichts

•Schutz der Augen und Sehkraft

•Faltenminderung der Haut

•Hemmung übermäßiger Magensäureproduktion

•Erhöhung und Erhalt der Knochendichte

•Senkung von Blutdruck, Cholesterin und Thromboserisiko

•Schutz für Herz und Kreislauf •Verbesserte Durchblutung der Niere

•Flexible und gesunde Gefäße

•Optimale Versorgung der Zellen mit Nähr- und Sauerstoff

•Entgiftung des Körpers •Verminderung von sog. “Freien Radikalen”, die den Körper schneller altern lassen und zu vielen Krankheiten führen können

•Regulierung des Säure-Base-Haushalts

•Verringerung von Wechseljahrs-Problemen

•Die allgemeine Krankheitsanfälligkeit gegenüber Erkältungskrankheiten und Allergien kann bis zu 70% vermindert werden.

Moringa Oleifera – oder der Baum des Lebens – ist der einzige uns bekannte Baum, dessen Blätter in getrocknetem Zustand noch mehr Wirkstoffe entfalten, als in frischem Zustand.

Ein kleines Erlebnis noch zum Schluss. Wir sassen im Schatten, unter einem Baum und ruhten uns gerade aus, als ploetzlich etwas Gruenes ueber unsere Decke huschte; ich sah gerade noch, dass es eine grasgruene Schlange war, die sich vom Baum hatte herunterfallen lassen! Laut Roland handelt es sich um eine ungiftige.

Aufgetankt konnten wir nach 5 Tagen unsere Reise Richtung der Iguazu-Wasserfaelle fortsetzen; doch vorher landeten wir noch in Ciudad del Este. Zum 1.Mal sahen wir und das direkt neben dem Busbahnhof, Slums und in der Gegend herumlungernde Gestalten. Schnell nahmen wir ein Taxi in die Innenstadt, um uns ein Zelt zu besorgen; auf die armen Menschen angesprochen, meinte er veraechtlich:

"Sie taugen zu nichts; wollen nicht arbeiten und haben deshalb selber schuld, dass sie so leben muessen!"

Die Stadt mit ihren grossen Parks gefiel uns, doch wir waren mit den Gedanken laengst bei den weltberuehmten Wasserfaellen; so reisten wir gleich weiter, kamen an der paraquayischen Grenzstation vorbei, wo der Bus nicht anhielt, durchquerten ein kleines Stueck Brasilien und reisten dann in Argentinien ein.

Bolivien

Gleich bein Eintritt ins Land sieht man das mit einer Schaerpe geschmueckte Bild von Eva Morales Ayma (Das Ayma weist daraufhin, dass er dem Indigenenstamm der Aymara angehoert), dem sozialistischen Praesidenten Boliviens. Er ist der erste Ureinwohner in Suedamerika, der es zum Staatschef gebracht hat, die Bolivianer haben ihn gewaehlt, weil er versprochen hat, sich fuer die Armen und sozial Benachteiligten einzusetzen. Nun befindet er sich in der zweiten Wahlperiode, doch von Aufbruchsgefuehlen, Enthusiasmus ist bei der Bevoelkerung nicht viel festzustellen!

Bolivien ist nach wie vor das aermste land Suedamerikas; die Menschen sind nicht besonders kommunikationsfreudig, schon gar nicht neugierig, wie in Peru. Ich empfinde sie als introvertiert und teilweise sogar als resigniert. Diese Meinung teile ich mit vielen anderen Reisenden, die wir trafen. Soweit mein erster Eindruck von Bolivien.

La Paz:

Zuerst ging es mit dem Bus durch den Nationalpark "Sajama", eine bizarre Landschaft mit ungewoehnlichen Felsformationen, verursacht durch jahrhundertlange Erosion.

Dann La Paz; Schock und Schwindel ergreift mich zugleich! Die 1 1/2 Millionenstadt ist in einen Riesenkessel hineingebaut oder -gewachsen; nur ganz unten ist es flach. Es ging in unendlichen Serpentinen ueber eineinhalb Stunden im Schrittempo bergab. Des Bus-Terminal befindet sich im unteren Drittel; ich halte es kaum vor Atemnot aus.

Ein Paerchen aus Australien, die wir im Bus kennengelernt hatten, geht mit uns zu einem Radio-Taxi, das uns fuer umgerechnet 1,20 Euro zur "Hospedaje Millenio" bringt. Ein Zimmer mit zwei Betten kostet die Haelfte von dem, was wir in Chile bezahlt hatten, ein Fruehstueck mit Ei und Saft nur 1,50 Euros. Unser erster Eindruck von unserer Pension war gut; nettes hilfsbereites Personal, das uns gleich mit Tipps weiterhalf.

So haben wir uns in die Altstadt begeben und sind am "Plaza Murillo" gelandet. Zwei gewaltige Kathedralen, beide leider geschlossen und der Regierungspalast, bewacht von mehreren jungen Maennern in farbenpraechtigen Gewaendern und Gewehren an der Seite. Fotografieren kein Problem! Es wird Taubenfutter verkauft und etliche Familen lassen sich mit ihren Kindern und Tauben auf den Schultern fotografieren, eine Szene, die mich an meine Jugend auf Urlaub in Venedig erinnert.

Es wimmelt von Strassenverkaufern, die auch ohne Probleme Kaeufer finden; Strassenverkauf glit nicht als anruechig, wie in Deutschland, im Gegenteil, die Passanten machen gerne davon Gebrauch.

Ueberall fallen mir Grafitis mit Lobeshymnen auf den Praesidenten auf, ich entdecke aber auch Beschimpfungen; ist das Land gespalten, was Evo Morales betrifft? Tatsaechlich habe ich bald die Gelegenheit mit einem peruanischen Geschaeftsmann ein Gespraech ueber ihn zu fuehren. "Bolivien ist kein freies Land wie Peru, genauso nicht wie Castros Kuba oder Chavez´Venezuela! Wenn du dich als Geschaeftsmann nicht mit dem Praesidenten und seinen Funktionaeren arrangierst, bekommst du sofort Probleme. Ausserdem unterstuetzt das System die Faulen, die nicht arbeiten wollen! Wenn du es mit deiner Haende Arbeit zu etwas gebracht hast, erregst du schnell den Neid derjenigen, die versagt haben. All dein Besitz ist in steter Gefahr; irgenseiner kann behaupten, du haettest dir deinen Besitz auf illegale Weise erworben; du bekommst eine Aufforderung innerhalb von 5 Tagen nachzuweisen, was dir gehoert, was aus buerokratischen Gruenden gar nicht moeglich ist! So wird dein Eigentum vom Staat konfisziert und du kannst nichts dagegen unternehmen. Genau das ist einem guten Freund von mir vor kurzem passiert!"

Gedanken zu Bolivien:

Sowohl in Peru, als in Bolivien, stellen die Indigenes (Indio gilt als Schimpfwort) den Hauptteil an der Bevoelkerung, wobei es kaum mehr reine Ureinwohner gibt, sondern es sich um Mestizen handelt, bei denen der spanische Anteil in den Genen nur noch ca. 20% ausmacht. Die beiden grossen Staemme, die Aymaras und Chechuas sind in beiden Laendern stark vertreten; umso erstaunter bin ich, die Bevoelkerung so verschieden zu erleben.

In Peru muss du schauen, schnell an jedem Touristenstand oder -laden vorbei zu bekommen, ansonst wirst du massiv bedraengt, etwa zu kaufen; in Bolivien dagegen sitzen die Verkaeufer da und warten darauf, dass du sie ansprichst. Das letztere finde ich erst einmal angenehmer, doch wie sieht es mit dem Umsatz aus? Ich bin sicher, dass die Peruaner deutlich besser abschneiden!

Weiterer auffallender Unterschied: die Peruaner suchen Kontakt, die Bolivianer im allgemeinen nicht! Und das, obwohl es sich um die gleichen Volksstaemme handelt. Auf der Fahrt mit dem Bus von La Paz nach Cochabamba (9 1/2 Stunden) war es ausser dem nervenden Fernseher ungewoehnlich ruhig; rechts vor uns sassen zwei Maenner; sie wechselten waehrend der ganzen Fahrt kein einziges Wort miteinander, obwohl sie immer wieder in dem gleichen christlichen Buechlein lasen, das sie von einem fliegenden Haendler erworben hatten. Das haette auch in Deutschland sein koennen! Wie ist das moeglich, dass sich die gleichen Volksstaemme in zwei verschiedenen Laendern so verschieden verhalten? Im sehenswerten Coca-Museum in La Paz hatte ich tatsaechlich die Moeglichkeit, mit einem Einheimischen ein tiefergehendes Gespraech zu fuehren.

"Ihre Beobachtung, dass die Bolivianer sehr reserviert, fast schon resigniert wirken, ist richtig! Kein Land in der Welt hat in der Zeit seiner Existenz soviele politischen Umstuerze erlbet, wie Bolivien. Die Menschen haben kein Vertrauen in die Politik und Wirtschaft; sie glauben nicht mehr daran, dass sich wirklich etwas veraendert!"

"Und was ist mit Evo Morales, der sich angeblich fuer die Armen und Unterdrueckten einsetzt?"

"Der Mann hat Charisma und ist ein wichtiger Faktor fuer die Stabilitaet im Lande; deshalb haben ihn die Bolivianer ja auch zum 2.Mal gewaehlt! Doch die Hoffnungen, die die Menschen in ihn gesetzt hatten, konnte er nicht erfuellen. Die Korruption ist unter ihm nicht weniger geworden, sondern eher mehr! Er hat die auslaendischen Fachkraefte aus Italien und Frankreich weggeschickt, die Nordamerikaner sowieso und mit unfaehigen Leuten aus seiner Partei ersetzt. Bolivien ist reich mit Bodenschaetzen gesegnet, hat das weltweit groesste Vorkommen an Lithium, doch wenn das technische "Know-How" fehlt, um es abzubauen, hilft das alles nichts!!"

"Warum schickt die bolivianische Regierung nicht junge Leute ins Ausland, um sie entsprechend auszubilden?"

"Tut sie ja, doch die meisten kommen nicht mehr zurueck! Sie wissen, dass ihnen die beste Ausbildung nichts hilft, wenn sie nicht in der richtigen Partei sind und genau das tun, was ihre Vorgeetzten von ihnen wollen, egal wie unsinnig es auch ist! Die Menschen im Land haben resignieret, Evo ist nicht mehr das Idol, sondern das kleinstmoegliche Uebel! Wie er z.B. das letzte Mal Hugo Chavez in Veernezuela besucht hatte, explodierten die Benzinpreise; zurueckgekommen und mit den Protesten konfrontiert, nahm er einen Teil der Erhoehung wieder zurueck. So kann man eine Preiserhoehung auch verschleiern! Ueberhaupt Chavez; viele Bolivianer befuerchten, dass Evo Morales einen aehnlichen Weg einschlaegt, wie Venezuela! Die letzten Wahlen dort waren eine Farce, doch keiner traute sich, etwas zu sagen!"

Ich kann solche Aussagen natuerlich nur schwer beurteilen, doch was ich feststelle spricht nicht gerade fuer die richtige Politik. Die Strassen sind in einem katastrophalen Zustand, Bolivien ist immer noch das aermste Land Suedamerikas, ueberall liegt Muell herum und von Umweltbewusstsein sehe ich keine Spur! Bolivien hatte ich mir wirklich anders vorgestellt!

Sorata:

Wo es den in Bolivien wirkllich schoen ist? In Copacabana am Titicacasee gefiel es uns ganz gut, auch wenn es sehr touristisch war! Am Abend in einem Restaurant, schwaermte uns der junge Kellner von Sorata vor, einem kleinen Ort in den Yungas; es handelt sich um steil vom Altiplano abfallende gruene Haenge.

Wir fuhren tatsaechlich dorthin und waren erst einmal enttaeuscht. Die Mitte des Ortes ist aufgerissen,; ueberall liegen Hindernisse herum oder befinden sich Loecher in der Strasse. Die Strasse soll asfaltiert werden, wird uns gesagt, doch bis jetzt ist es nur eine aufgewuehlte Staub- und Schutthalde! Viele Haeuser befinden sich in einem schlechten Zustand, einige sind teilweise eingestuerzt; wir sind auf dem bolivianischen Land angekommen! Im Touristenbuero wollen sie uns eine Karte der Umgebung fuer 20 Dollar verkaufen; bis auf eine Tour braeuchten wir unbedingt einen Fuehrer und der ist auch nicht gerade guenstig. Unser Herbergsvater ist ein komischer Kauz, der dauernd den Gaesten nachlaeuft uns sie kontrollieren will. Die Fahrt hierher war offensichtlich ein Fehlschlag; gleich morgen wollen wir weiter!

Doch frueh morgens auf der Terasse sehen wir, wie die Berge aus Nebelschwaden auftauchen, alles ist gruen und die frische Luft steigt uns in die Nase. Wir sind 1000 Meter tiefer als zuletzt im Altiplano; die Anstrengung bei jedem Schritt ist wie weggeblasen! So sind ganz schnell zwei Entschluesse gefasst: Blitzumzug ins "Hostal Reggae" und Aufbruch Richtung "San Pedro-Grotte". 2 1/2 Stunden sind wir durch herrliche Berglandschaft unterwegs, nur die Abfallhalden stoeren. Wir sind ohne Fruehstueck aufgebrochen, wollten bei einem Schweizer Baecker fruehstuecken, der seit 20 Jahren in der Gegend wohnt.

"Was bringt einen Mann aus einem der saubersten Laender der Welt dazu, mit seiner Frau ausgerechnet nach Bolivien auszuwandern?"

Das haette mich brennend interessiert, doch er war leider nicht da und sein Cafe geschlossen! So geht es also mit nuechternem Magen weiter; unterhalb der Grotte soll es Essensstaende geben. Ziemlich erschoepft errreichen wir unser Ziel. Das kann doch nicht wahr sein - alle Staende sind geschlossen! Weiter oben sehen wir den Eingang zur Grotte und eine Frau. Also noch einmal ein Anstrengung; wir erreichen den Platz und treffen auf eine aeltere und junge Frau mit kleinem Kind; sie verwalten die Kasse mit den Eintrittskarten; sie haengt sich an ihr Handy; in einer halben Stunde ist jemand da und es gibt dann etwas zu essen.

Nina will in der Zwischenzeit schon in die Grotte, ich fuehle mich zu erschoepft; ausser einer argentinischen Familie sind wir die einzigen Besucher. So bieten sie uns einen verbilligten Eintritt von umgerechnet 1,20 Euros an. Gott sei Dank hat Nina Cocablaetter dabei; ich stecke sie in eine Backe und zutzle daran; echt ein Geschenk des Himmels! Die Wirkung kommt schnell und ich fuehle mich gestaerkt fuer ein neues Abenteuer. Unfassbar dass der Genuss von Cocoblaettern in fast allen Laendern der Erde verboten ist! Ist es wirklich so schwehr, den Unterschied zwischen Cocablaettern und Kokain anzuerkennen? Nur dank Cocablaettern habe ich eine der schoensten Hoehlen meines Lebens erleben und geniessen duerfen!

Es geht mindestens 500 m in die Hoehle hinein und sie ist gut beleuchtet. Nach einer Weile stiessen wir auf einen unterirdischen See, den wir mit einem Tretboot durchquerten. Danach sind wir auf einem mit Pfosten und Seil gesicherten Weg oberhalb des Sees entlang gelaufen. An zwei Stellen gab es Leitern, an den man nach unten in Nischen am Wasser hinabsteigen konnte. Insgesamt waren wir 45min in der Hoehle; wir genossen es als ein ganz besonderes Erlebnis!

Danach gingen wir zurueck zu den Essenstaenden, von denen einer unterdessen besetzt war; eine junge Frau verwoehnte uns mit frischen Broetchen, reichlich belegt mit Fleisch, Kaese, Bratei, Tomaten und Zwiebel. Koestlich und das fuer nur ein wenig mehr als 1 Euro pro Semmel! Danach legten wir uns auf zwei Baenke und hielten Siesta. Ploetzlich begann es zu donnern und blitzen und schon fielen die ersten Regentropfen; wir fragten die Frau, ob sie nicht ein Taxi fuer uns rufen koennte. Sie tat es; allerdings konnte das Taxi wegen einer Baustelle nicht bis zur Grotte fahren; so schloss die Frau ihren Stand, wir waren eh die einzigen Kunden gewesen, nahm ihre fuenfjaehrige Tochter an der Hand und wir brachen gemeinsam zu Fuss auf. Wir waren ca. 20min zu Fuss unterwegs und sie erzaehlte uns dabei kurz von ihrem Leben.

Sie ist alleinerziehende Mutteer; der Vater ihrer Tochter verlies sie, als sie im 4.Monat schwanger war. Er lebt jetzt weit weg mit einer anderen Frau zusammen und hat sein Kind kein einziges Mal gesehen. Sie wohnt ganz in der Naehe der Grotte und lebt von ihrem Stand und ihrem Vater, der sie finanziell unterstuetzt. Es war das 1.Mal, dass wir die Geschichte einer Einheimischen hoerten!

Ausgangsverbot:

Am Abend des 20.11. kamen wir in Cochabamba an, 1000m tiefer gelegen als La Paz. Wir sind geschafft; statt 6-7 Stunden waren wir 9 1/2 Stunden unterwegs gewesen; ewig lang ging es auf endlosen Serpentinen bergab, immer wieder nur im Schrittempo hinter einem Lastwagen; kaum war er ueberholt hingen wir schon wieder am naechsten dran. Endlich unten, ging es ueber 1 Stunde durch die Vororte von Cochabamba; dann hielt der Bus am Strassenrand; Endstation; wir konnten den Terminal aufgrund der verstopften Strassen nicht erreichen!

Mit dem Taxi ging es zum "Hostal Mexiko", einer heruntergekommenen Herberge, doch wir hatten keine andere Wahl, als erst einmal dort zu uebernachten. Es war uns naemlich dringend geraten worden, noch Noteinkaeufe zu taetigen, da morgen alle Laeden und Restaurants wegen der landesweiten Volkszaehlung geschlossen haetten. Wir schlugen uns mit Muehe zum Hauptmarkt durch dichten Verkehr durch; auf dem Weg dorthin stiessen wir nur auf Staende mit Suessigkeiten und Knabberzeug. Dort angekommen, trafen wir ueberall auf Riesen-schlangen von Menschen, die sich um alles Essbare draengten. Wir bekamen die letzten Mangos, Pizzaboeden statt Brot und etwas Kaese. An einem Imbissstand ergatterten wir noch eine warme Mahlzeit und dann ging es zurueck zu unserer Herberge und ab ins Bett.

Am naechsten Morgen, gut ausgeschlafen, entschlossen wir uns zu einem Blitzumzug ins "Hostal Jardin", 10 min zu Fuss entfernt. Dort trafen wir gleich auf andere Rucksacktouristen, einen angenehmen Garten mit Stuehlen und Tischen und nettes Personal. Uns reizte es, Cochabamba menschenleer, ohne Verkehr und Staus zu erleben; so packten wir das Notwendigste zusammen und wollten gerade das Hostal verlassen, als uns der Hauswirt aufhielt.

"Bis um 24 Uhr ist es verboten, sich auf den Strassen aufzuhalten!" "Und unser Umzug?"

"Ihr ward doch bestimmt nur auf Seitenstrassen unterwegs; im Zentrum, wenn ihr von der Polizei angehalten werdet, muesst ihr eine Geldstrafe bezahlen; es ist besser, wenn ihr hier bleibt!"

So sind wir also zu einem 24 stuendigen Ausgangsverbot gekommen! Auf diese Weise kamen wir zu einem intensiveren Kontakt zu einer allein reisenden Deutschen, die an einem Freiwilligenprojekt teilgenommen hatte und jetzt drei Monate auf Reisen war.

Sucre und Tarabuco 25.11.

Wir sind seit gestern in Sucre, einem schoenen Stadtchen im Suedosten Boliviens; ploetzlich sehen wir viel mehr europaeische Gesichter und fuehlen uns an Italien erinnert. Die Fahrt dorthin war allerdings der Horror schlechthin. Von Cochabamba aus sind um 20 Uhr ca. 15 Busse zur gleichen Zeit im fuer die Stadt viel zu kleinem Terminal abgefahren; es ist mir schier unbegreiflich, wie so etwas moeglich sein kann. Die Busse bloquierten sich gegenseitig, rangierten ewig hin und her, bis schliesslich nach einer 1/2 Stunde alle den Terminal verlassen hatten. Wie viel einfacher ware es bei gleitenden Abfahrzeiten; hat da noch niemand darueber nachgedacht? Es verging danach die uebliche Stunde im Schrittempo, bis der Bus die verstopften Strassen Cochabambas hinter sich gelassen hatte. Bei der Herfahrt hatte der Busfahrer uns und die anderern Fahrgaeste einfach am Strassenrand abgeladen, da er keine Moeglihkeit sah, den Busbahnhof zu erreichen. Das ist eben Bolivien! Zu den verstopften Strassen kommt noch, dass jeder freie Platz auf den Buergersteigen mit Verkaufsstaenden besetzt ist und die Fussgaenger deswegen dauernd auf die Strasse ausweichen muessen. So extrem wie hier, habe ich das noch nirgendwo erlebt!

Doch zurueck zu unserer Fahrt von Cochabamba nach Sucre. Wir hatten "Semicama" (Bussitze, die in halbe Liegeposition gebracht werden koennen) gebucht, doch dies war sinnlos; wir wurden 10 Stunden lang heftig durchgeschuettelt, vom Schlafen konnte keine Rede sein. Nina wurde es schlecht; sie hustete und spukte verzweifelt vor sich hin; mir taten alle Knochen weh. Der einzige Lichtblick war eine junge Bolivianerin, die fliessend Englisch sprach; sie hatte lange Zeit in Nordamerika gelebt.

Angekommen, fuhr uns ein Bekannter von ihr ins Zentrum von Sucre, wo sich guenstige Pensionen befinden. Beim 2.Versuch wurden wir fuendig. Im "Hostal Charas" quartierten wir uns fuer 80 Bolivianos (10 Euros) die Nacht ein. Wir stellten unsere Sachen ab und fielen erst einmal erschepft ins Bett.

Am naechsten Tag war ein Eingeborenenmarkt in Tarabuco, 1 1/2 Stunden von Sucre entfernt. Mit 10 anderern Touristen fuhren wir von unserem Hostel aus dorthin; trotz wenig Verkehr waren wir 2 Stunden im Bus unterwegs. (Traue keiner Zeitangabe eines Bolivianers!) Die wirklichen Ureinwohner sind einen Kopf kleiner als die, welche wir fuer solche gehalten hatten, die Indigenes mit spanischen Wurzeln. Ansonst konnten wir keinen Unterschied im Aussehen feststellen, im Verhalten allerdings schon! Zum 1.Mal in Bolivien wurden wir massiv von Haendler angegangen, die uns auf Teufel komm raus, etwas verkaufen wollten; nicht einmal beim Essen in einem Restaurant hatten wir Ruhe! Wir verliesen den Touristenmarkt und landeten bald auf dem wirklichen Einheimischenmarkt und dann weiter in einen Aussenbereich des Ortes. Niemand gruesste uns, auch nicht als Antwort auf unsere Gruesse! So ein Verhalten stinkt mir; ich will nicht als wandelnder Geldbeutel gesehen, sondern als Mensch wahrge-nommen werden!

Da lobe ich mir Begegnungen, wie wir eine im "Cretacico-Park, dem Dino-Park" hatten, wo wir u.a. die Fussspuren von Dinosaurern sehen konnten, die zufaellig beim Zementabbau entdeckt wurden. Beim Ausgang sprach uns ein junger Angestellter in gutem Deutsch an; er hat im hiesigen Goetheinstitut studiert und zeigte ich gleich sehr kontaktfreudig. Wir machten gleich fuer den naechsten Tag ein Treffen mit ihm aus. Er kam auch tatsaechlich, hatte seine Frau Nancy dabei und lud uns zu sich nachhause ein. Er holte recht bald seine Gitarre heraus und erfreute uns mit Liedern der Beatles und bolivianischen Liedern in Chechua. So einen Abend hatten wir in Bolivien bisher noch nicht erlebt. Juan Carlos, so ist sein Name, liess es sich auch nicht nehmen, uns am naechsten Morgen, seinem freien Tag, zu besuchen und mit uns zu einem kleinenm Oertchen namens "Yotala" zu fahren; von dort wanderten wir in ein kleines Tal mit einem Fluesschen. Fast haetten wir den letzten Bus verpasst; als Dank, dass dieser auf uns gewartet hatte, unterhielt er die Mitfahrenden mit seinen Liedern; der ganze Bus sang begeistert mit; es war echt ein gelungener Tag fuer uns alle.

Am Abend erzaehlte er uns seine Geschichte. Als er 19 Jahre alt war, verunglueckten seine ueber alles geliebte Schwester und eine Cousine bei einem Autounfall toedlich. Daraufhin verfiel er in tiefe Depressionen, landete schliesslich bei einem Psychiater, der ihm 4 verschiedene Medikamente verschrieb, die er seitdem. also seit 12 Jahren taeglich einnimmt. Er ist ueberzeugt, nur durch diese Medikamente stabil zu sein und arbeiten zu koennen. Ist es nicht merkwuerdig, dass der einzige Bolivianer in 3 Wochen, zu dem wir freundschaftliche Gefuehle entwickeln konnten, ein vom Schicksal schwer geschlagenenr Mann ist, also eine Ausnahme in der bolivianischen Gesellschaft darstellt?

Sucres ganzer Stolz ist das "Museo de la Libertad";wir sind auch dorthin und waren masslos enttaeuscht. Warum? Dazu mein Eintrag ins Gaestebuch uebersetzt ins Deutsche:

"Fuer mich ist das Museum eine einzige Glorifizierung maennlichen Schein-Heldentums! Komplett fehlt mir eine systematische Chronologie der bolivianischen Geschichte! Ist es nicht eine Tatsache, dass Bolivien seit seiner Staatsgruendung ueber 200 Staatsstrreiche erlebt hat? Wie kam es dazu? Stimmt es, dass Bolivien das aermste Land Suedamerikas ist? Woran liegt das? Wo kann ich die Geschichte des kleinen Mannes, des Mineros und des rechtlosen Landarbeiters finden, die erst von den spanischen Eroberern und dann spaeter von den einheimischen Grossgrundbesitzern und Eigentuemern der Minen ausgebeutet wurden und bis heute weiter ausgebeutet werden?

Bei den Wasserfaellen:

Die Dame an der Rezeption unserer Herberge hat uns Pable, einen jungen Mann vermittelt, der uns eine "leichte" Tour mit dem Mountainbike zu den 7 Wasserfaellen empfahl. Am Treffpunkt gesellte sich noch ein kraeftier junger Israele zu uns dazu. Wir hatten die Vorstellung, dass wir zuerst mit dem Bus in die Natur fahren und dort ein Rad gestellt bekommen wuerden, um damit einen Ausflug zu den Wasserfaellen zu unternehmen.

Von wegen; wir holten die Raeder um die Ecke ab und quaelten uns erst einmal 1 1/4 Stunden durch den dichten Verkehr von Sucre; kein Fahrradweg, Loecher in der Strasse; des weiteren Gullydeckel und andere Hindernisse im Weg - nichts mit gemuetlicher Spazierfahrt wie in Deutschland! Wir waren heilfroh, wie wir von der Strasse in eine Sandpiste einbogen. 500 m weiter stellten wir unsere Fahrraeder in einem Gehoeft ab und gingen weiter zu einem weit unten liegenden Tal. Bald erreichten wir das Flussbett; er fuehrte sowenig Wasser, dass wir nur ein einzies Mal unsere Schuhe ausziehen mussten, um ihn zu durchqueren. Die ersten 3 Wasserfaelle, die wir erreichten, waren nicht sehr spektakulaer, zum vierten mussten wir durch einen Tuempel ueber rutschige Steine balancieren.

Spaetestens jetzt musste dem Fuehrer klar geworden sein, dass dies keine leichte Tour fuer uns war. Wir kletterten dann weiter zum 4.Wasserfall hinauf, genauer gesagt, wir wurden von den zwei Maennern hinauf gezogen; dort befanden sich zwei grosse Wasserbecken mit Wasserfall in einer Ecke und ein Picknickplatz im Schatten. So richtig geniessen konnte ich dies alles leider nicht, denn mir grauste vor dem Rueckweg! Das kalte Wasser beruhigte allerdings meine Nerven und die Brote mit Wurst, Kaese, Tomaten und Kaese taten gut. Unser "Guide" erzaehlte uns, dass man den Wasserfall hinauf weiter bergauf klettern und auf diese Weise 4 weitere Wasserfaelle erreichen koennte; es sei allerdings ratsam, richtige Kletterausruestung dabei zu haben. Doch der schoenste Platz sei der, wo wir uns gerade befanden.

Nun war der Moment des Abstiegs gekommen; dummerweise lies ich Nina den Vortritt, sie musste, den Wasserfall zwischen den Beinen, an dem Felsen vorbei. Es dauerte einige Zeit, bis sie das kurze Stueck bewaeltigt hatte; doch allein durch das Zusehen wurde ich voellig blockiert! Ueber einen hinabstuerzenden Wasserfall hinabzusteigen, du meine Guete! Ich brauche einen stabilen, festen Untergrund! Was tun also? Ein Stueck weiter, gab es die Moeglichkeit, ein Stueck auf dem Hosenboden hinab zu rutschen und dann zu springen! Springen und das mit meinem operierten Knie? Am Ende ging es auch ohne; ich bin von dem "Guide" und Nina aufgefangen worden.

Dann zurueck durch das Flussbett und zuletzt steil bergauf bis zu dem Haus, wo wir unsere Fahrraeder zurueckgelassen hatten. Trotz aller Erleichterung, den 1.Teil dieser Strapazen ueberstanden hatte, stand uns noch ene weitere Herasusforderung bevor. Um die Mittagszeit ueber 1 Stunde ohne Schatten, bergauf!

"Gibt es in Bolivien keine Siesta?" "Nein!"

Als wir endlich am Ort und dem dortigen Laden angelangt waren, schuetteten wir gleich drei Erfrischungs-getraenke hintereinander hinunter. Die hatten wir auch dringend noetig, denn danach ging es noch einmal ueber 1 Stunde durch dichten Verkehr in Sucre. Wir waren froh, als wir unsere Mountainbikes endlich los waren!

Am Tag vorher hatten wir Interesse an der 2tägigen Tour zum Krater Managua (7Stunden Fussmarsch) gezeigt. Der "Guide" verlor keine Wort mehr darueber; er war wohl genauso froh, wie wir, dass das Abenteuer vorbei war!

29.11.

Wieder eine Nacht unterwegs (11 Stunden), um nach Tarija zu kommen; eigentlich wollten wir in der Bergarbeiterstadt Potosi halt machen; es gibt dort gefuehrte 4stuendige Touren in ein Bergwerk, um hautnah mit zu bekommen, unter welchen Bedingungen die Kumpels dort arbeiten. Laut "Lonely Planet" eine heftige, hochinteressante und gleichzeitig schockierende Erfahrung, die ich gerne gehabt haette. Dazu sollte man koerperlich fit sein und keine Probleme mit der Atmung haben; im Zweifelsfall sollte man besser darauf verzichten! Ich habe mir schon wieder den rechten Fussknoechel verstaucht - ein Fingerzeig des Schicksals?

So blieben wir im Bus und es ging weiter bergab in das Weinstaedtchen Tarija, das eine Durchgangsstation auf unserer Weiterfahrt nach Paraquay sein sollte. Trotzdem ein kurzer Ueberblick: Die Bevoelkerung sieht sehr spanisch aus; die Indigenes sind plotzlich in der Minderheit. Es ist sauberer als anderswo in Bolivien; Es gibt Toilettenpapier auf den Clos, Papaierhandtuecher, eine funktionierende Spuelung - fast wie in Spanien! Man koennte durchaus sagen, dass es dort, wo die spanischstaemmige Bevoelkerung lebt, deutlich sauberer ist und jegliche Organisation besser funktioniert; das spricht aber nicht gegen die Indigenes! Ich denke mir, dass die Spanier sich in Gebieten angesiedelt haben, in denen die klimatischen Bedingungen denen Europas glichen; die Ureinwohner wurden in unwirtliche, wuestenhafte Gebiete verdraengt, in denen die Spanier nicht leben wollten! Diese Gebiete liegen in Suedamerika sehr hoch, zwischen 4000 und 5000 m. Ich dachte mir vor meiner Reise, mein Koerper koennte sich an diese Hoehenlagen mit der Zeit gewoehnen, doch das Gegenteil war der Fall. Ich wurde zunehmend schlapper; jeder Weg nach oben war mir zuviel und die Sehnsucht nach niedriger gelegenen Gebieten wurde immer groesser; tatsaechlich ging es mir sofort wieder besser, kaum dass es bergab ging. Das spricht dafuer, dass nicht der Hang zur Apathie und auch nicht der regelmaessige Genuss von Cocablaettern der Grund der Passivitaet der Indigenes ist, sondern ganz einfach die Hoehe des Altiplano und der damit verbundenen gesundheitlichen Probleme.

1.12.

Wir haben ein Ticket von Tarija nach Villamontes gekauft; es soll die bessere Strasse nach Paraquay sein und nicht die von Santa Cruz aus! Am Morgen trefen wir einen Deutschen, der seit ueber 30 Jahren in Tarija lebt.

"Was haben die euch gesagt? Das sei die bessere Strasse? Fuer die 240 km nach Villamontes braucht der Bus 8 - 10 Stunden! Da koennt ihr euch vorstellen, in was fuer einem Zustand die Strasse ist! Die viel bessere Strasse geht von Santa Cruz aus!"

Zu spaet; wir haben die Tickets schon! Doch die boese Ueberraschung kommt am Terminal; die Tickets sind auf den 30.11. ausgestellt! Wie kann das sein? Gestern waren wir eine halbe Stunde vor Abfahrt des Buses da, ohne Gepaeck und haben die Tickets fuer heute gekauft -dachten wir! Egal, nur das Datum des Tickets zaehlt und ist hiermit verfallen. Die Dame am Schalter versucht uns neue Tickets zu vermitteln; Sitzplaetze ganz hinten und das auf einer Holperstrasse; wir verzichten und sitzen erst einmal ratlos da! Kann es sein, dass Bolivien uns nicht loslassen will und immer wieder Hindernisse in den Weg stellt, damit wir nicht nach Paraquay ausreisen koennen?

Da kommt uns eine kuehne Idee, naemlich einfach zum Flughafen fahren und nach einem Flug nach Santa Cruz zu fragen; manchmal soll man einem spontanen Impuls einfach folgen, ohne lange zu ueberlegen. Nur 20 Minuten nach unserer Ankunft am Flughafen koennen wir bereits nach Cochabamba fliegen und von dort aus nach einer Stunde weiter nach Santa Cruz! In gerade 1 1/2 Stunden Flugzeit haben wir eine Strecke zurueckgelegt fuer die wir mit Bussen 2 - 3 Tage gebraucht haetten; welch ein tolles Gefuehl!

Als wir in Santa Cruz aus dem Flugzeig steigen, weht us ein Schwall heisser Luft entgegen, der uns fast den Atem nimmt. Oh Gott, wir wollten doch eigentlich laengst in Patagonien sein! Doch das koennen wir Johannes, der seit Wochen in Paraquay auf uns wartet, nicht antun! Also moeglichst bald weiter; am Terminal kommt uns ein Mann entgegen: "Paraquay?" Wir gehen mit ihm mit; sein Angebot: 23 Sunden fuer 120 Euros fuer uns beide bis nach Asuncion; Sitzplaetze relativ weit vorne und wir koennen auch frueher aussteigen und die Strecke in zwei Teilen machen. Er selbst sei der Bus-Chaffeur und los geht es um 19 Uhr. Wir kaufen uns gleich die Tickets; danach haben wir ihn nicht mehr gesehen!

Am Nachmittag, als wir unser Geàeck zum Unterstellen bringen, sind wir mit einem anderen Mann konforntiert, der uns ueberreden will, einen frueheren Bus um 16 Uhr zu nehmen. Allerdings gibt es nur noch hintere Plaetze und darauf haben wir keine Lust; mit Schrecken denken wir an fruehere Fahrten mit kaputtem Stossdaempfer auf Strassen in miserablen Zustand!

Trotzdem, diesmal war es ein Fehler! Um 19 Uhr sollte der Bus losfahren; wir sassen da und warteten ... Um 20 Uhr werden die wenigen wartenden Fahrgaeste, einschliesslich uns, in zwei Taxis verstaut.Nach einer halsbrecherischen Fahrt quer durch die Stadt landen wir in einem Bus, in dem eine christlich fundamentlistische Pilgergruppe unterwegs ist. Wir sind sauer, erheben Protest und so kommen uns die anderen Fahrgaeste zuvor und belegen alle Plaetze, ausser den zweien in der letzten Reihe. Damit ist uns endgueltig klar, dass wir nicht mitfahren!

Nach unseren heftigen Protesten organisiert der Veranstalter ein Taxi fuer uns und sagt, dass seine Firma die Nacht in einer Pension fuer uns bezahlt und wir morgen wieder in sein Buero kommen sollten. Es war dann auch so; trotzdem stand uns noch ein weiterer Endlos-Tripp bevor. Mit drei Stunden Verspaetung ging es am naechsten Abend endlich los; die Fahrt nach Asuncion dauerte 24 Stunden!

Suedamerika 17.10.12
 
Es war ein Flug von Madrid aus in eine unedliche Nacht, insgesamt 13 1/2 Stunden!
8 Uhr moegens - noch keine Spur eines Sonnenaufgangs, das Gleiche um 9 Uhr, 10 Uhr; endlich um 11 Uhr beginnt es langsam zu daemmern. Der Zeitunterschied betraegt 5 Stunden und die Zeit umgestellt, fuehlt sich alles gleich ganz anders an.
 
Chile 1:  
 
Wir sind in Santiago de Chile angekommen!
Unsere erste Station ist das "Hostal International" in der Calle Cien Fuegos; 25 Euro pro Nacht fuer uns beide in einem 6 Bettenraum; Fruehstueck ist inbegriffen.
In Santiago ist es vormittags neblig und es weht ein kalter Wind von den Anden; Mittags verschwinden die Wolken und der Fruehling bricht durch. Die Stadt ist voller kleiner umd grosser Parks, in denen sich schmusende Paerchen tummeln. Als ich Ana, unserer chilenischen Bekannten erzahle, dass Muenchen die Stadt der Singles genannt wird, schuettelt sie verwundert den Kopf.
Santiago besteht aus alten Kolonialbauten gemischt mit einfachen Neubauten; ganz moderne Viertel mit Hochhaeusern gibt es auch; es erinnert mich an Bratislava.
 
Bei unserem ersten Erkundigungsgang landen wir auf dem "Plaza de las Armas", wo es sehr laut und lebendig zugeht. Die Komunalwahlen stehen kurz bevor und ueberrall laufen Menschen mit Lautsprechern herum und werben fuer ihre Kandidaten. Gleich daneben Prediger, die Propaganda fuer ihren alleinigen Heilsweg machen. An der Ecke, vor einem Kaufhaus treibt ein Phantomime sein Unwesen; er Mann mit Motoradhelm auf Rollschuhen preist DVD´s mit den Auftritten des Clowns an. Wir sitzen auf einer Bank und verfolgen das Geschehen mit Interesse.
 
Da setzt sich ein alter Mann zu uns auf die Bank und spricht uns auf Deutsch an. Er war bei den ersten Schuelern des Goethe-Instituts; er erzaehlt uns viel von der Geschichte der deutschen Einwanderer in Chile.
Mich interessiert mehr die Geschichte von Allende und dem Militaerputsch. Was er davon erzaehlt, steht im voelligen Wiederspruch zu dem, was ich darueber gehoert habe, naehmlich, dass die USA den gewaehlten Praesidenten nicht akzeptierten und der CIA massiv am Militaerputsch beteiligt hatte.
Bei Interesse schicke ich euch gerne den Inhalt dieses Gespraeches zu!
 
Chile 2:
 
Chile wirkt sehr europaeisch auf mich; alles ist sauber, hygienisch und hat eine gut funktionierende Infrastruktur. Busse fahren puenktlich und in alle Richtungen. Die Menschen sind aufmerksam, aber nicht aufdringlich.
Gerade finden Buergermeisterwahlen statt und das sieht so aus, dass auf den grossen Plaetzen richtige Auffuehrungen mit Musik und Tanz stattfinden, wobei die Anhanger der jeweiligen Partei mit viel Enthusiasmus mitmachen. Gerada kamen wir bei einer Kundgebug der "Orangen"vorbei. Mit eingeuebten Schritten, die der Redner vorgab, bewegt sich die ganze Anhaengerschar vor und zurueck. Wir bekamen gleich ein Kaertchen mit dem Kandidaten zugesteckt:
"Sorry, wir sind keine Chilenen", "macht nichts, nehmt es als Souvenier in eure Heimat mit".
Die Chilenen sind stolz auf ihre Nation; ueberall haengen die Nationalflagge und Banner mit dem Spruch "Viva Chile".
Koennten wir uns in Deutschland Banner mit der Inschrift "Es lebe Deutschland" vorstellen?
 
Weniger begeistern uns die Essensgewohnheiten: Mc.Donalds und Coca Cola sind ueberall present; es gibt auch Fruchtsaefte in Flaschen, mit 30 % Zuckeranteil, die Suessigkeiten sind voellig ueberzuckert,aber wo im Sueden gibt es schon Kuchen und Gebaeck wie in Deutschland?
Es gibt aber auch Gutes zum Essen, wie die Empanadas (Teigtaschen mit verschiedenen Fuellungen) und frischen Fisch.
 
Zu den Preisen:
Zimmer sind ca. 20% billier als in Deutschland, desgleichen Essen in einem Restaurant.
 
Busse sind deutlich billiger.
 
Zu Nationalparks, Observatorien kann man nicht so einfach selbst hinfahren; man muss bei einem Reisebuero buchen und oft schon vorher reservieren. Das beruehmteste Observatorium ist Wochen voraus ausgebucht.
Im allgemeinen sind Besichtigungstouren teuer, vergleichbar wie in Deutschland, doch sind die Erlebnisse spektakulaer, wie z.B. der Humboldpark in der Wueste mit seinen Pinguinen.
 
Zur Sicherheit:
In Santiago sind nachts die Strassen voller junger Leute - es ist absolut sicher, vergleichbar wie in Muenchen. Ich habe nicht von einem einzigen Fall gehoert, dass Touristen bedroht, bestohlen oder beraubt wurden.
Nur in den Grenzstaetten muss man sich vor Taschendieben in Acht nehmen - ein angenehmes Gefuehl, sich frei wie zuhause bewegen zu koennen.

 
Chile 3:
 
Unterdessen sind wir in La Sirena, 6 Stunden Busfahrt weiter noerdlich, einer Stadt am Meer mit 150000 Einwohnern.
Abgestiegen sind wir im "Casa Maria", einem sehr schoenen gemuetlichen Guesthouse mit Garten und freundlicher Besitzerin.
Von dort aus gibt es einige gefuehrte Touren; wir sind auf diese Weise zum Observatorium "Mamalluca" gekommen. Es gibt groessere und interessantere Observatorien, doch dorthin kommt man nur mit wochenlanger, vorheriger Anmeldung; ausserdem ist das mehr was fuer Technikfreaks!
Wir blickten durch ein Fernrohr auf den Mars und den Mond; mit einem Laserpoint zeigte uns der Leiter einige der bekanntesten Sternbider; er erzaehlte uns, dass die Inkas und viele andere Voelker schon vor langer Zeit die gleichen Fomationen sahen, aber anders interpretierten. Sie sahen Fuchs, Lama, Schlange und Voegel. Die Milchstrasse haben sie als Fluss gesehen und die dunklen Flecke als Tiere, die daraus trinken.
Wie sich die Seeleute auf der Suedhalbkugel orientiert haben? Am Kreuz des Sueden, das man  in unseren Breiten nicht sieht!
 
Die 2.Tour, die wir unternommen haben, ging ins "Reserva National de Humbold", dem noerdlichsten Ort, an dem man Pinguine beobachten kann und das sogar in der Wueste; das liegt am Humboldstrom, der kalte Stroemung bis in diesen Breitengrad bringt; mit ihm kommen auch die Pinguine und andere in der Antarktis vorkommenden Tiere.
Apropos kaltes Wasser; bisher haben wir nur junge Leute in Neopren-Anzuegen im Meer schwimmen sehen - so kalt ist das Wasser!
Die Tour fuehrte uns zuerst stundenlang auf der Transamerika entlang; dann bogen wir auf eine Sandpiste Richtung "Punto de los Chorros" ab. Dort bestiegen wir ein Boot und schipperten um die Insel "Los Chorros" herum. Auf der Ueberfahrt begegneten wir Gruppen von Walen. Auf der Insel sahen wir drei verschiede Arten von Komoranen, Pelikanen, Seeloewen und natuerlich Pinguinen. Im Hintergrund kahle Felsen und Kakteen. Wir konnten ganz nahe an sie heranfahren, denn die Tiere kennen den Menschen nicht als Bedrohung.
 
Danach fuhren wir eine andere Insel "Las Damas" an, wo wir auf festgelegten Pfaden die Insel erkunden konnten.
Die Felseninsel, die von weitem kahl und ohne Leben erscheint, entpuppte sich beim Landgang als einzigartiges Biotop. Auf der einen Seite ging es durch eine bizarre Felsenlandschaft steil nach oben, auf der anderen Seite durchquerte ich grosse Felder von Kakteen; es gab welche, die kreisrund in Nestern angelegt waren, andere, die von flechtenartigen Gebilden ueberwuchert waren. Wuestenartige Gegenden sind mir ja nichts neues, doch hier begegnete ich einer mir bisher unbekannten Fauna.
 
Zurueck in unserer Unterkunft knuepften wir Kontakt zu einem aelteren Mann, ein Franzose; er ist seit 2 Jahren unterwegs, war in allen Laendern Amerikas ausser Uruquay; 30 Jahre lang hatte er ein Gaestehaus in Madagaskar und ist jetzt in Rente - ich bin also nicht der Einzige in den 60ern! Mit ihm warnte uns wieder einmal jemand vor Peru (Taschendiebe) und riet uns zu Bolivien, wo ein Sozialist und der einzige Indio (Evo Morales) Staatspraesident ist (Hmm!)
 
Unterdessen sind wir in San Pedro de Atacama. Die Nachtfahrt von La Serena nach Calama dauerte 16 Stunden; uebernaechtigt kamen wir dort an; nach einer Stunde Wartezeit ging es weiter nach San Pedro. Kurz davor war ich fest eingeschlafen; Nina weckte mich: "Wir sind da!" Ich griff schnell nach meinem Tagesgepaeck, in dem ich Camera, Woerterbuch und Brille hatte. Draussen wurden schon unsere grossen Rucksaecke herausgereicht. Schnell alles zusammengerafft und ueberprueft, wo genau wir sind und wo wir hinwollen; das Gaestehaus "Vilacoyo" war am naechsten. Dort einchecken, in unser neues Zimmer einziehen, auspacken. Zuletzt nehme ich mein Tagesgepaeck - die Camera fehlt, das gibt es doch gar nicht! Unterwegs hatte ich sie herausgenommen, wollte ein paar Fotos von der Atacama-Wueste schiessen, dann doch nicht. Habe ich sie etwa nicht zurueckgesteckt? Ich kann es nicht fassen, alle Fotos sind weg, die von den Pinguinen in der Wueste, den Seeloewen und Voegeln. Schnell lief ich ins Buero der Busgesellschaft und setzte eine Belohnung von 50 Euros Finderlohn aus.
Da muesste doch was gehen, denn der Finder wird ohne das entsprechende Aufladegeraet fuer den Akku keine Freude an der Camera haben! Doch es half nichts - diesen Schock muss ich erst einmal verdauen!
Viel lief an diesem Tag nicht mehr; wir haben uns erst einmal ausgeschlafen.
 
Nina setzte die ungewohnte Hoehenluft zu, vom La Serena am Meer auf 2700 Meter!.Also gingen wir auf den Markt, Cocoblaetter kaufen und einen Teeaufguss daraus machen; es wirkte, nicht wie ein Halluzinogen, sondern eher wie ein Heilmittel!
 
Am naechsten Tag, wieder gut in Form, brachen wir um 7.15 Uhr zu Fuss auf; unsere erste Station war "Pukara el Quitor", eine restaurierte Ruinenfestung der Ureinwohner, der Atacameños; man sieht nur noch die Mauern, die Wege sind broeckelig. Ich bin nicht sehr begeistert, doch das Museum gibt einen guten Ueberblick ueber die Geschichte der Indios in dieser Gegend. Ich wusste gar nicht. dass Chile dicht von verschiedenen Staemmen besiedelt ware, bevor die Spanier das Land in Besitz nahmen. Von deren Geschichte und Kultur ist nur wenig uebriggeblieben!
 
Nach einer kurzen Pause geht es weiter durch ein weites Tal mit einem Fluss, den wir mehrmals durchqueren mussten - nur einmal mussten wir unsere Schuhe ausziehen. Nach einer Stunde snd wir im "Quebrado del Diablo", der Teufelsschlucht gelandet und die ist tatsaechlich ein Erlebnis. Ein schmaler Weg durch hohe Felsen, keine Pflanzen und weit und breit  kein Lebewesen zu sehen. Wie in einer anderen magischen Welt kamen wir uns vor; langsam wurden die Felswaende niedriger, der Weg breiter. Wir muessen also bald am Ende des Weges sein, von wegen; insgesamt waren wir schon 45 Minuten in der Schlucht unterwegs. Wir beschlossen, umzukehren und als wir wieder an der Infotafel vorbeikamen, stellten wir fest, dass unsere Entscheidung richtig war; es sind 8 km durch die Schlucht und dann waeren wir erst an einer verlassenen Kapelle vorbeigekommen! Unterdessen war es Nachmittag geworden und ich fuehlte mich voellig erschoepft; da kam ein Auto, es sassen eine sehr lebhafte Chilenen mit ihrem peruanischen Mann darin; sie nahmen uns bis nach San Pedro mit.
 
Am Spaetnachmittag besuchten wir noch das Museum "Padre le Peige"; dort soll sich die groesste Sanmmlung von Mumien aus prekolumbianischer Zeit befinden. Doch zu meiner Enttaeuschung war nichts davon zu sehen; stattdessen nur langweiligen Gebrauchsgegenstaenden in schlechtem Zustand. Beim Herausgehen sah ich einen Bildschirm, auf dem gerade ein Video zum Thema "Warum die Mumien des Museums entfernt wurden" ausgestrahlt wurde. Ich setzte mich sofort auf einen Stuhl und folgte dem Film.
Die Ureinwohner der Gegend, die Atacameños, zu deren Schutz es seit kurzem ein Gesetz gibt, hatten sich bitter darueber beschwert, dass ihre Ahnen in diesem Museum zur Schau gestellt werden.
Wissenschaftler dagegen agumentieren, dass die Fundstuecke 1000e von Jahren alt sind und dass weder ihr Namen noch ihre Verwandschaft mehr festgestellt werden koennten. Ueberall auf der Welt werden Mumien in archelogischen Museen ausgestellt und es hat sich noch niemand darueber beschwehrt ausser jetzt die Atacameños.
Als Hintergrundbericht:
Jahrhundertelang hatte sich niemand fuer die Geschichte und Kultur der indianischen Voelker interessiert; in Chile war der Pater Le Peige der erste, der systematisch Ausgrabungen unternahm; er hatte festgestellt, dass die Atacamawueste der einzige Platz in Chile ist, an dem jahrhundert/ jahrtausendalte Funde erhalten geblieben sind. Diese Tatsache hatte sich auch sofort bei Grabraeubern herumgesprochen, die besonders in Peru bei ihren Raubzuegen einzigartige Funde unwiederbringich zerstoert hatten. In Chile war besagter Pater schneller  und hat einzigartige Funde von Mumien fuer die Nachwelt gerettet und damit entscheidend an der Erforschung der Kultur prekolumbianischer Voelker mitgewirkt.
Und jetzt wird sein Lebenswerk ploetzlich von den Ureinwohnern als Grabschaendung bezeichnet! Sie bestehen darauf, dass die Mumien ihrer Ahnen wieder beerdigt werden, fragt sich nur wo und wie. Ruhe finden werden sie nicht, denn es ist in ganz Suedamerika ein Riesengeschaeft, alte Graeber und andere Fundstaetten auszupluendern und die besten Fundstuecke an reiche Sammler in aller Welt zu verkaufen
Ich kann die Argumente der Atacameños und Indios an anderen Orten sehr wohl verstehen, bezweifle andrerseits aber, dass sie in der Lage sind, ihre Ahnen so zu beerdigen, dass sie vor Grabraubern geschuetzt sind.
Ausserdem empfand ich das Museum ohne die Mumien als langweilig!
 
Valle de la Luna: Ein spektakulaerer Ausflug in der Naehe von San Pedro! Es geht durch eine faszinierende Mondlandschaft mit bizarrren Felsformationen, die das Ergebnis massiver Erosionsprozesse sind. Wir haben uns der spanisch sprechenden Gruppe angeschlossen und unser Fuehrer traute sich mit den jungen Leuten Dinge zu, die einem Normaltouristen vorenthalten bleiben. Wir wurden in die Hoehle "Chulacao-Hoehle" geschickt, unser Leiter kam mit einer starken Leuchte nach.
Kurze Hoehlenbesichtigung, von wegen! Wir waren 45 Min in dem Hoehlenkomlex unterwegs, teilweise auf allen Vieren, unter- und oberirdisch. Zweifellos war es die groesste Herausforderung seit meiner Knie-OP vor 12 Monaten!
Am Ende stapften wir auf die grosse Duene, um von doert dem Sonnenuntergang beizuwohnen. Klingt gut, doch leider ging rd zu, wie auf dem Stachus in Muenchen; etwa 150 Jugendliche, die nur Bloedsinn im Kopf hatten, zerstoerten die feierliche Abendstimmung! Nina und ich machten uns moeglichst bald wieder aus dem Staub und genossen ein ganzes Stueck weiter unten das "Andengluehen", bevor die Nacht herinbrach.
 
 

 

Peru:

Das Inka-Festival in Puno:

Wir sind in Puno angekommen, der Folklorestadt am Titicacasee; die Stadt liegt auf der peruanischen Seite des Sees und der Grund fuer uns, dorthin zu fahren, wae das alljaehrlich dort in der ersten Novemberwoche stattfindende Inka-Festival. Abgestiegen sind wir im Qoñi Wasi; das ist Quechua und bedeutet "Warme Huette". Die Inkas waren die Herrscher und ihr Fussvolk die Quechuas. Doch dieser Stamm bestand nicht nur aus Nomaden und Kriegern, wie vergleichbare nordamerikanische Indianer, sondern grosse Teile waren als Bauern und Haendler sesshaft. Sie haben sich schnell mit den Spaniern arrangiert und teilweise sogar vermischt. Deshalb ist ihnen, genauso wie dem anderen grossen Stamm der Aymaras, die Dezimierung, fast bis zur Ausrottung erspart geblieben. Deshalb gibt es in Peru und Bolivien einen hohen Anteil an Mestizen und Ureinwohner; sie haben sich ihre indianische Identitaet bewahrt, auch wenn sie viele spanischen Elemente, wie z.B. das Christentum mit in ihre Kultur hieneingenommen haben. Was ihr Verhaeltnis zu den Inkas betrifft, kann man von einer Rueckkehr zu alten Wurzeln sprechen.

Wegen der Regenzeit sind Veranstaltungsort und -zeit nicht 100% festgelegt. Geplant war der Beginn um 8 Uhr morgens, doch es hatte in der Nacht geregnet. Um 10 Uhr gab der Mann an der Rezeption unserer Pension das Startzeichen zum Aufbruch. Wir fuhren mit enem Mikrobus zu einem Platz, so gross wie ein Fussballplatz, nahe am Titicacasee, auf dem eine grosse Buehne aufgebaut war. Nahe dem Ufer ankerten vier schoen geschmueckte Schiffe, eines davon mit einem Riesen-Sonnensymbol. Um den Veranstaltungsplatz herum sassen und standen einige tausend Menschen; zwischen ihnen lief eine Menge fliegende Haendler herum und priesen ihre Waren an.

Ueber Mikrophon wurde angekuendigt, dass gerade der Inka-Koenig Manco Kopak und seine Frau an Land gegangen seien; es dauerte noch beine halbe Stunde, bis wir sahen, wie von 20 jungen Maennern eine Saenfte mit dem Herrscherpaar, auf einem reichlich geschmueckten Thron sitzend, auf den Platz getragen wurde. An dem Spektaktel waren ca. 200 Schauspieler beteiligt, alle in praechtigen Gewaenderen; junge Maedchen mit Opfergaben, vor sich her tragend, Krieger mit vorne angespitzten Speeren, Priester mit langen wallenden Gewaendern; das Herrscherpaar selbst trug lange Maentel, er mit einer Sonne auf dem Ruecken und einem Stirnband mit Sonnenstrahlen, sie mit einem Mond. Beide nahmen Platz auf der Buehne und nahmen die Huldigungen des Volkes entgegen. Der Hofstaat bewegte sich in ener einstudierten Schrittfolge vor dem Thron, der Feuermann hatte unterdessen eine Feuerstelle eroeffnet, der Oberpriester mit Federkrone auf dem Haupt, beaufsichtigte alles. Es waren schon ueber zwei Stunden des Spektakels vergangen, als ein LLama und sein Junges, bunt geschmueckt, auf den Platz gebracht wurden; das Junge straebte sich mit allen Mitteln. "Sie werden es wohl doch nicht schlachten", rief Nina entsetzt! Tatsaechlich, die Mutter wurde weggefuehrt, das kleine LLama-Baby auf den Boden gedrueckt und ihm ein Messer in den Bauch gestossen. Das Blut wurde in einem Gefaess aufgefangen und dieses von den Oberpriester mit der Federkrone im Laufschritt zum Inka gebracht, der zuerst daraus trank und danach auch sene Frau. Inzwischen schnitt der Zeremonienmeister dem toten LLamababy das Herz aus dem Koerper und legte es in ein weiteres Gefaess, welches ebenfalls zum Herrscherpaar gebracht wurde. Der Inka segnete es und gab es dem Oberpriester zurueck.

Das Spektakel war beeindruckend, doch der letzte Teil missfiel mir; musste der Tod dieses armen unschuldigen Tieres denn wirklich sein? Sind das nicht Gott sei Dank laengst ueberholte Sitten? Insgesamt hatte das Zeremoniell ueber 3 Stunden gedauert; kein Einziger hatte seinen Platz vorzeitig verlassen! Ich muss zugeben, dass Nina und ich dem Geschehen gebannt gefolgt waren.

Die Quechuas und Aymaras, die beiden grossen Ureinwohner-Voelker Perus und Boliviens waren ja lange Zeit von anderen ( erst den Inkas, dann den Spaniern) unterworfen und unterdrueckt worden. Doch den Spaniern wuerden sie niemals so eine Auffuehrung widmen! Koennte es sein, dass sie nachtraeglich die Herrschaft der Inkas idealisieren? Ich nehme an, dass ihnen die Kultur der Inkas naeher war, als die christliche der Spanier, obwohl sie heute laengst alle Christen sind. doch warum feiert dann die heidnische Vergangenheit jedes Jahr wieder mit allem Pomp Auferstehung? Auf jeden Fall war es hoechst beeindruckend, wie sie alte, laengst vergangene Zeit wieder aufleben liessen!

Die schwimmenden Inseln im Titcacasee und ein Erlebnis der besonderen Art:

In der Frueh besteigen wir im Hafen von Puno ein Boot, eine gebuchte Fahrt von zwei Tagen zu den schwimmenden Inseln von "Los Uros", "Amantani" und "Taquile"; unser Guide spricht nur schlecht Englisch, was mich zuerst nicht sonderlich stoerte. Links und rechts von uns riesige Teppiche aus Schilf, nur die Fahrrinne, durch die wir uns bewegen, ist frei.

Nach 45 Minuten erreichen wir eine winzige Schilfinsel, auf der gerade 6 Haeuser stehen; dort empfaengt uns der Chef und einige Frauen. Vor einer Schautafel erklaert er uns, wie die Inseln entstanden sind. Auf torfaehnlichen Wurzelstuecken wachsen Schilfstaengel; die Aymaras, die Bewohner fahren mit ihren Booten umher, schneiden die Schilfstangen und bedecken damit den Boden ihrer Insel; die Schicht muss dick genug sein, dass sie darauf ihre Haeuser bauen koennen. Immer wenn es von unten her zu feucht oder die die oberste Schicht zu trocken wird und zerfaellt, muessen sie neue Schichten auflegen. Die einzelnen Teile der Insel werden mit Stoecken miteinander verbunden und die entstandene Insel mit Steinen beschwert, damit sie nicht davon schwimmen. Es gibt etwa 70 Inseln, die als "Los Uros" bezeichnet werden, ein Drittel davon haben sich dem Tourismus geoeffnet, der Rest will nichts von Fremden wissen und in Ruhe gelassen werden.

Der Chef "unserer Insel" betonte , dass er dank des Tourismus in die Schule gehen und Spanisch lernen konnte. Sein Grossvater noch wusste gar nicht, dass ausserhalb der Inseln eine andere Sprache als Aymara gesprochen wird. Unterdessen gibt es auf einer Nachbarinsel eine Grundschule und eine Krankenstation. Wir erlebten unsere Gastgeber als sehr freundlich; sie haben uns gleich in ihre Haeuser eingeladen. Das Haus, in dessen Innere meine Frau und ich schauen durften, enthielt ein Bett, eine Bank und ein Regal, auf dem ein Radio und ein kleiner Fernseher standen; sie werden mit Solarzellen betrieben, die fuer 2 Stunden Strom am Tag sorgen. Ihre Boote sind ebenfalls aus Schilf; es gibt sie in verschiedenen Groessen und mit und ohne Aufbauten. Vergleichbare Boote habe ich noch nirgendwo gesehen und halte es fuer eine grosse Kunst, ein Boot nur aus Schilf, ohne Holz, zu bauen! Thor Heyerdahl hatte sich vor Jahren von den Bewohnern dieser Inseln, ein Schilfboot, die Ra 2, bauen lassen, mit dem er dann von Westafrika nach Amerika gefahren ist. Die Bewohner der Insel, auf der wir gelandet sind, stellen fast alle wunderschoene Kunstgewerbe-Artikel (gestickte Wandgehaenge, ihre Boote im Kleinformat und vieles andere), her. Anderswo in Peru hatten wir noch keine solchen edlen Stuecke gesehen und so blieb uns gar nichts anderes uebirg, als einen dieser Wandbehaenge zu kaufen.

Danach wurden wir, verteilt auf mehreren Schilfbooten, zu einer anderen, groesseren Insel gefahren; dort herrschte Tourismus pur; Souvenirlaeden, Supermarkt, Restaurants - das war einfach zuviel und wir waren froh, als wir wieder auf unserem Schiff waren, allerdings nur anfangs!

Schon bei der 45minuetigen Ueberfahrt nach Los Uros war uns der ungewoehnlich starke Dieselgestank aufgefallen; er war so unangenehm, dass fast alle Mitfahrer sich draussen aufhielten. Kaum, dass wir die Inseln verlassen und auf den offenen See hinausfuhren, wurde unser Boot gewaltig von den Wellen durchgeschuettelt. Der Steuermann, ein junger, schuechtern wirkender Mann, wurde sichtlich nervoes, stellte immer wieder den Motor ab, lief nach hinten und hantierte am Motor herum; dabei hoerte ich, wie ihm ein aelteres Ehepaar von oben herab ein paar gute Ratschlaege gab. Er kam zurueck an seinen Steuerplatz, schaltete den Motor wieder an und kaempfte weiter gegen die Wellen. Es war nun wirklich kein Sturm; irgendetwas stimmte also nicht! Aus den Gespraechsfetzen bekam ich mit, dass Wasser in den Motor gekommen war und er jetzt Luft anzog, was die Kapazitaet des Motors schwaechte. Der Guide hatte sich voellig aus der Sache herausgenommen, sprach ploetzlich kein Wort Englisch mehr; Der Mann der Frau, die eine Lachsalve nach der anderen loslies, attackierte den blassen, schweigenden Steuermann mit dummen Kommentaren; drei Mitfahrer fanden die Situation auch lustig, gingen nach draussen ans hintere Heck und waeren fast von Bord gespuelt worden; patschnass und nicht mehr zu Scherzen aufgelegt, kamen sie zurueck. Wo ist eigentlich unser Guide? Warum greift er nicht ein und verhindert solche "Mutproben"? Die Wellen schwabten unterdessen ueber das Boot, Wasser drang von oben und hinten ein; Nina kaute verzweifelt an Cocoblaettern und ich begann jegliches Vertrauen in den Guide zu verlieren. "Wie kalt ist das Wasser?" "9 Grad, aber das macht nichts! Die Rueckfahrt wird noch schlimmer!" Wieder so ein bloeder Kommentar! Nina wollte, dass ich ihr die Gespraeche der spanisch sprechenden Passagiere uebersetze, was auch nicht gerade beruhigend auf uns beide wirkte. Wer hat hier eigentlich die Verantwortung? Wieder ein Versuch, die Insel Amantani anzusteuern; vergebens, der Motor war zu schwach, um gegen die Wellen anzukommen; ploetzlich drehte das Boot ab, steuerte die vorgelagerte Halbinsel an und legte dort in einer kleinen Bucht an. Die Passagierre gingen von Bord und suchten den Schutz einiger Baeume; der Guide hing an seinem Handy und war unansprechbar fuer die auslaendischen Touristen. Erstaunlich, wie regungslos die gestrandeten Passagiere alles hinnahmen und jegliche Verantwortung auf die offensichtlich voellig ueberforderte Crew des Schiffes abschoben. Endlich, der Guide kommt und teilt zweisprachig mit, dass wir nicht weiter nach Amantani, sondern zur naechsten groesseren Bucht der Halbinsel weiterfahren und dort uebeernachten werden. Morgen, wenn der Wellengang niedriger ist, soll die Fahrt weiter nach Taquile gehen! Nach einer Weile gehen alle wieder an Bord und das Boot nimmt Kurs auf die offene See Richtung Amantani. Was soll das? Hat der Guide uns angelogen? Hat er eindeutig! Da stoesst Nina einen Schrei aus, wie ich ihn in den 16 Jahren unseres Zusammenseins noch nicht erlebt habe und zeigt verzweifelt Richtung Halbinsel. Der Guide, jetzt echt erschrocken ueber Ninas Reaktion, entschuldigt sich und versucht sie zu beruhigen. Das Schiff faehrt unterdessen zurueck zu unserem Landeplatz - einer der Passagierre hat dort seine teuere Camera vergessen! Wir starten ein 2.Mal, wieder Richtung offenen See; ich bin stocksauer, sehe den verzweifelten Blick von Nina und bin auf dem Sprung nach vorn, um dem jungen Mann ins Steuer zu greifen. Der Guia hat endlich kapiert, dass er uns nicht mehr verarschen kann; dass Boot schwenkt ein und nimmt Kurs auf die naechste Bucht. Der Guia laeuft den Abhang hinauf; unterdessen wird unser Gepaeck ausgeladen und uns an Land geholfen. Der Guia kommt mit einem jungen Mann zurueck. "Kein Problem! Es ist alles fuer ihre Uebernachtung bezahlt und morgen um 8 Uhr kommt ein Taxi und bringt sie zurueck nach Puno", ruft er uns zu, bevor er wieder auf dem Boot verschwindet. Wir fuehlen, dass kein Wort stimmt, doch sind wir froh, dass wir diesem unsicheren Abenteuer entronnen sind! Ein letzter Blick zurueck auf das Boot; zwei, drei winken, die Anderen schauen in die andere Richtung, als ob wir etwas angestellt haetten.

Doch ich bin stolz! Wir sind aus einer Laemmerherde ausgebrochen, haben beherzt unser Schicksal selbst in die eigenen Haende genommen! Wenn ich an mein Leben zurueckdenke, stelle ich fest, dass es manche Situationen gab, in denen mir der Mut fehlte, so zu reagieren, wie es richtig gewesen waere; einmal haette es mir wohl das Leben gekostet, wenn Gott nicht direkt in das Geschehen eingegriffen haette (siehe mein Buch "Von einem, der auszog, die Erleuchtung zu erlangen"). Deshalb kann ich Ninas Reasktion nicht nur gut heissen, sondern sogar bewundern. Wieviel Unglueck ist in der Geschichte passiert, weil sich Menchen wie eine Schafherde in eine Richtung treiben liessen und keiner den Mut fand, seiner Intuition und seinem Herzen zu folgen.

Machu Pichu Nein danke!

Fuer die meisten Peru-Reisenden ein Muss - fuer uns nicht! Die billigste Moeglichkeit dorthin zu kommen und deshalb mit einigen Strapazen verbunden, kostet 170 US-Dollar; normal sind 250 Dollar und um sich auf dem Inkatrail auf Machu Pichu einzuschwingen ist man mit ab 350 Dollar dabei! Doch das finanziell ist nicht der einzige Grund, der mich stoert: Die peruanische Regierung hat Machu Pichu und noch dazu seine Bahnlinien an auslaendiche Gesellschaften verkauft, die jetzt das grosse Geschaeft damit machen! Wir haben uns erkundigt, was es kosten wuerde, mit dem Zug von Puno nach Cusco zu fahren; es sind 12x soviel als mit dem Bus; nur die Superreichen koennen sich das leisten, die Peruaner schon gar nicht; die Bahn gehoert einem chilenischen Unternehmen! Das naechste Argument gegen Machu Pichu ist, dass jeden Tag 1000e Touristen durch die Anlagen laufen, was die einmalige Atmosphere massiv stoert; es gleicht eher einem Freiluft-Theater als einem spirituellem Erlebnis! Und noch ein wichtiges Gegenargument; Machu Pichu wird es nicht mehr lange geben, wenn denn Touristenmassen kein Einhalt geboten wird, denn die Anlage vertraaegt den Ansturm nicht. Es wird schon bald in den Abgrund stuerzen und damit unwiederbringlich verloren sein!

Peru - Auf Wiedersehen

Schon nach 10 Tagen haben wir Peru wieder verlassen und das, obwohl ich bei unseren Reisevorbereitungen mindestens einen ganzen Monat dafuer eingeplant hatte; Mir erschien dieses Land als das interessanteste in ganz Suedamerka! Doch da gibt es den "Lonely Planet", die Bibel der Rucksacktouristen; wir haben die Ausgabe von 2010 und da stehen beunruhigende Dinge ueber Peru drin, die uns einige Naechte lang schlecht schliefen liessen! Taschendiebe an allen Bus-Terminals und Touristenattraktionen, falsche Taxifahrer und Polizisten, die Touristen an abgelegene Plaetze entfuehren und ausrauben, Wuerger und Greifer, die auf dich lauern, wenn du zu frueh oder spaet abends unterwegs bist! Ein aelterer Franzose, den wir in Chile trafen und der alle Laender Amerikas bereist hat, ausser Uruquay, warnte uns ebenfalls vor Peru. So wurden wir immer unruhiger, dehnten unsere Zeit in Chile laenger aus als geplant und reisten schliesslich erst nach Bolivien, statt nach Peru. Doch das Inkafest in Puno, das groesste seiner Art, liess uns dann doch keine Ruhe und wir wagten uns ins "gefaehrliche" Peru. Wir sind anschliessend noch nach Cusco gereist, wo sich in der Naehe viele alte Inkastasetten befinden. Wir koenen die Berichte anderer Reisender nicht bestaetigen, im Gegenteil, was uns allerdings auffiel, war die hohe Polizeipraesenz, die wir als sehr beruhigend empfanden. Hat die Regierung und Polizei Perus auf die negativen Berichte reagiert? Schade, dass wir unsere urspruengliche Reisseplaene abgeandert haben! Die Zeit laeuft uns davon, wenn wir in Paraquay den Johannes aus Neumarkt besuchen und dann noch weiter zu den Wasserfaellen von Iguazu weiterreisen wollen. Danach geht es weiter ueber Argentinien nach Santiago und dann nach Patagonien! Es gibt tatsaechlich sowas wie Reissestress und wir haben ihn schon voll ausgekostet!